So funktionieren geschlossene Bezahlsysteme für Kleinbeträge

Seite 2: Prepaid: Zahlung vorab

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So vielfältig die aufgezählten Anwendungsszenarien und damit verbundenen Anforderungen sind, so unterschiedlich zahlt man als Kunde auch in den jeweiligen Varianten. In den meisten Fällen lädt man, wie bei einem klassischen Prepaid-Handyvertrag, ein Guthaben über einen Automaten, eine Website oder eine App auf. Das Geld kommt also im Voraus von einem Konto in ein Wallet, eine Art elektronische Geldbörse.

Solche Prepaid-Systeme sollen vor allem einen schnellen und reibungslosen Kassiervorgang ermöglichen. Daher sind sie beispielsweise in vielen Sportstätten oder auf Konzerten zu finden. Kunden können dort an Getränke- und Verpflegungsständen ausschließlich mit diesen Systemen zahlen, meist mittels einer besonderen Stadion- oder Veranstaltungskarte.

Häufig verlagert sich der zeitliche Flaschenhals allerdings nur zu den Aufladestationen: Selbst eine Maschine muss Münzen oder Scheine mechanisch verarbeiten und verbuchen sowie deren Echtheit überprüfen. Daher findet man zunehmend bargeldlose Varianten, bei denen die Kunden die Karte oder ein App-Konto vor Ort oder bereits vorher im Internet mit Kreditkarte, über das Girokonto oder Dienste wie PayPal aufladen können.

Wo viele Menschen kleine Beträge schnell zahlen sollen, bieten sich geschlossene (Closed-Loop-)Bezahlsysteme an, etwa in Kantinen.

(Bild: Michael Springer/AP/dpa)

Die Karten mit Bargeld am Automaten aufzuladen, bringt einen großen Vorteil: Der Veranstalter oder Betreiber benötigt prinzipiell keine persönlichen Daten, und der Kunde behält seine Privatsphäre oder, genau genommen, seine Pseudonymität. Komplett anonym bleibt er meist nicht, weil beispielsweise der Stadionbetreiber hinterher immer noch sehen kann, dass ein Karteninhaber beispielsweise an zehn Spieltagen im Jahr im Stadion war und an fünf davon eine Currywurst konsumiert hat. Das Plus an Privatsphäre erkauft er sich mit der besagten Verpflichtung, die Karte am Automaten aufzuladen und sie tunlichst nicht zu verlieren.

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Falls man allerdings persönliche Daten angeben muss, um eine Karte zu erhalten oder ein spezielles Bezahlkonto aufzuladen, sollte man genauer auf die Datenschutzbestimmungen schauen. Technisch ist es ohne Weiteres möglich, die Daten zu verknüpfen, siehe etwa Bonussysteme wie Payback. Der Betreiber oder Veranstalter könnte nun genau sehen, was man zum Beispiel im Stadion konsumiert.

Ein Nachteil – oder Vorteil aus Sicht des Kartenherausgebers – ist das Restgeld, das unter Umständen auf der Karte verbleibt. Bibliotheksnutzer kennen das nur zu gut von Kopierkarten. Besonders in Fußballstadien hat sich gezeigt, dass viele Fans sich Restgeld nicht auszahlen lassen. Deshalb halten manche Sportstadien noch an der bewährten Technik fest, anstatt ein neues, moderneres "Open-Loop"-System beispielsweise für gewöhnliche Bank- und Kreditkarten einzurichten – zumal damit auch Investitionskosten verbunden wären.

Schlummergroschen – ein gutes Geschäft im Stadion

Auf Stadion-Bezahlkarten liegen oft Restguthaben, die am Ende den Vereinen zugutekommen.

Bundesligastadien waren – neben Großkantinen und Hotels – die ersten Veranstaltungsorte, die in großem Stil mit Closed-Loop-Kartensystemen gearbeitet haben. Vor gut 20 Jahren zählte die Arena "Auf Schalke" in Gelsenkirchen zu den ersten, die ein solches System einführten. Inzwischen gibt es nur noch wenige Stadien, in denen Barzahlung das Mittel der Wahl ist, zum Beispiel an der Alten Försterei (Union Berlin).

Für Kunden nachteilig ist bei Closed-Loop-Systemen das aufgebuchte Restgeld, das – so berichtet ein mit dem Thema vertrauter Dienstleister – durchaus zehn bis fünfzehn Prozent des Gesamtguthabens betragen kann. Das sei neben den damit verbundenen Investitionskosten auch der Grund, warum immer noch einige Sportstadien an der bewährten, in die Jahre gekommenen Technik festhalten und auch im Zeitalter der kontaktlosen Zahlungen kein kompatibles, moderneres Open-Loop-System für die gängigen Kredit- und Debitkarten wie die Girocard einrichten.

Ein Blick in die Bilanzen der Bundesligavereine zeigt beispielsweise, dass viele Fans das Restguthaben verfallen lassen, da sie es vergessen oder sich nicht an den Rückzahlungsautomaten anstellen wollen. Das treffe, so ermittelte schon vor einigen Jahren die Euro Kartensysteme als Dienstleister im Umfeld der Girocard, auf 88 Prozent der Fans zu. Ein besonderes Ärgernis sind dabei Auswärtsspiele in Stadien, die man naturgemäß nicht regelmäßig besucht.

Je nach Stadiongröße und Verein kommen so hohe sechsstellige Summen im Jahr an "Schlummergroschen" zusammen, bei großen Vereinen sogar Millionensummen. Angesichts von Kartenkosten weit unterhalb der Ein-Euro-Schwelle, so erklärt ein Dienstleister, sei es für die Betreiber gar nicht sinnvoll, die Karten mit einem Pfand zu versehen und die Nutzer so zur Rückgabe zu ermuntern – das Guthaben darauf beläuft sich meist auf mehr.

Ein Problem gibt es allerdings, wenn der Dienstleister oder Betreiber des Systems insolvent wird – ein Schicksal, das vor fünf Jahren die Firma Payment Solution mit ihrem in etlichen Bundesligastadien verwendeten System "Just Pay" traf. Zwar sprangen im Interesse der Fans die Bundesligavereine ein, daraus sollte man aber keinen Präzedenzfall für zukünftige Insolvenzen ableiten. Und in diesem Fall sorgt bislang auch der Gesetzgeber nicht für mehr Schutz des Kunden.

Zu den Vorteilen gegenüber einer Open-Loop-Lösung, bei der der Nutzer einfach seine Debit- oder Kreditkarte an das Lesegerät hält und in Echtzeit die Zahlung auslöst, zählen die Kostenstrukturen. Das Bargeld aus dem Automaten bringt der Betreiber gebündelt zur Bank oder lässt es von einem Geldtransport abholen.

Wenn der Kunde mit einer elektronischen Zahlung aufladen kann, wird es noch dazu billiger: Der Betreiber löst über seine Bank oder einen Zahlungsabwickler pro Kunde ja nur beim Aufladen eine Zahlung aus und nicht für jeden einzelnen Kaffee. Kassiert er Kleinstbeträge mit der Debit- oder Kreditkarte, zahlt er dafür jedes Mal ein Entgelt, das meist aus einem Sockelbetrag plus einem prozentualen Anteil besteht. Das verursacht einen höheren Aufwand und zusätzliche Kosten – die die Betreiber in ihrer Preiskalkulation zumindest teilweise an die Kunden weiterreichen.

Bibliotheken und Copyshops geben häufig Kopier- und Scannerkarten aus. Universitäten kombinieren diese Karten mittlerweile auch mit Studentenausweisen.