Sustainability im Software Engineering, Teil 1 – ein Aufruf

Seite 2: Die Rolle von Software und Softwareentwicklung

Inhaltsverzeichnis

Es gibt vielfältige Sichtweisen auf diesen Punkt und viele Aspekte, die im Detail zu berücksichtigen und zu betrachten sind. Bevor ich jedoch die Details diskutiere, ist es mir wichtig klarzustellen, wie vielfältig die Frage nach der CO2-Reduzierung ist und wie viele unterschiedliche Sichtweisen und Aspekte überhaupt existieren. Dazu möchte ich drei Bereiche in den Fokus rücken:

Bereich 1: Das Business hinter der Software

Zunächst stellt sich die Frage nach dem Effekt der Software selbst. Was bewirkt sie und wie können Entwickler ihre Wirkung so gestalten, dass sie hilft, CO2-Emissionen zu verhindern? Hier geht es weniger um die technischen Details der Entwicklung von Software oder deren Betrieb, das Laufzeitverhalten oder ihren Energieverbrauch als vielmehr darum abzuschätzen, welchen Effekt die Software haben wird. Wird sie vielleicht dazu führen, dass deutlich mehr CO2-Emissionen entstehen? Sorgt ein neues Online-Angebot vielleicht für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen im Logistikbereich? Und wenn ja, in welchem Ausmaß? Oder führt ein Geschäftsmodell dazu, dass weniger CO2-Emissionen entstehen?

Eine zentrale Frage könnte sein: Wie können es Entwickler schaffen, die Reduktion von CO2-Emissionen direkt mit dem Erfolg ihres Produkts zu verknüpfen? Das würde dazu führen, dass ein größerer Erfolg der Software (z. B. höhere Verkaufszahlen) mit einer erhöhten Reduktion der CO2-Emissionen einhergeht.

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Wir müssen uns diesen Fragen stellen und sie explizit zu einem elementaren Bestandteil unserer Überlegungen machen.In der agilen Softwareentwicklung ist die Frage nach dem "Wert für den Kunden" eine der zentralen Fragestellungen. Die Auswirkungen auf die CO2-Emissionen sollte ebenfalls zu einer zentralen Frage werden. Sie kann sogar zu völlig neuen Produkten und Geschäftsmodellen führen.

Bereich 2: Die Entwicklung von Software

Daneben gilt es, den Prozess der eigentlichen Softwareentwicklung zu betrachten. Wodurch entstehen in diesem Bereich CO2-Emissionen? Wie schaut es mit der eingesetzten Hardware aus, wie wurde sie produziert? Wann ergibt es aus CO2-Emissionssicht Sinn, diese Hardware zu erneuern? Aus welcher Quelle beziehen wir die Energie, mit der wir unsere Hardware und Software betreiben (sowohl im Büro als auch im Homeoffice oder in der Cloud)? Wie gelangen wir jeden Tag ins Büro? Welche Verkehrsmittel verwenden wir? Und wie wird das Büro mit Energie versorgt, zum Beispiel für Wärme, Kühlung und Strom? Wie gestalten wir berufliche Reisen, vor allem welche Verkehrsmittel verwenden wir dazu? Was bedeutet es aus CO2-Emissionssicht, eine Videokonferenz zu veranstalten, statt zum Kunden zu reisen? Und wie verändert sich die CO2-Bilanz einer Konferenz, wenn sie sich ausschließlich (oder zusätzlich) online besuchen lässt? Wir müssen uns diesen Fragen widmen – nur einen Teil dieses Bereichs zu optimieren, greift zu kurz und lässt viele Möglichkeiten ungenutzt.

Bereich 3: Die Software im Einsatz

Wir dürfen die Software selbst nicht vergessen. Welches Maß an CO2-Emissionen verursacht die entwickelte Software im Betrieb? Wie können wir die Menge an CO2 so klein wie möglich halten oder gar vollständig beseitigen? Auch dieser Punkt umfasst viele Bereiche, die wir uns ansehen sollten. Beispiele hierfür sind: In welchem Rechenzentrum betreibe ich die Software und wie unterscheiden sich Rechenzentren in Bezug auf die CO2-Emissionen, auch jede in der Public Cloud? Wie kann ich Software so gestalten, dass CO2-Emissionen verringert werden? Was bedeutet CPU- und Speichernutzung hinsichtlich Emissionen?