Fotofix: Casio Exilim Pro EX-F1
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High-Speed-Funktionen
Die Domäne der Casio sind ihre verschiedenen Hochgeschwindigkeitsfunktionen. Im Fotomodus offeriert die F1 vorwählbare Serienbildraten von 1 bis 60 fps bei voller 6-MP-Bildgröße, wobei stets maximal 60 Bilder aufgenommen werden können, eine Bildserie also je nach Bildrate zwischen 1 und 60 Sekunden dauern kann. Im Blitzbetrieb sind immerhin noch 20 Aufnahmen bei maximal 7 fps möglich, wobei die Blitzleistung jedoch reduziert wird. Im Bereich zwischen 10 und 60 fps kann die weiße LED im Blitzmodul noch für etwas Erhellung sorgen.
Möchte man sicher sein, bei schnellen Bewegungsabläufen den "richtigen Moment" nicht zu verpassen, kann man den Pre-Shot-Modus wählen, der bereits bei halb gedrücktem Auslöser kontinuierlich Serienbilder in den Bildpuffer schreibt. Bei erschöpfter Pufferkapazität werden die jeweils ältesten Bilder laufend überschrieben. Betätigt der Fotograf dann den Auslöser, so wird die gesamte Bildserie der letzten 60 Aufnahmen auf die Speicherkarte geschrieben, oder er wählt zuvor eines oder mehrere gewünschte Bilder aus dem Pufferspeicher aus und lässt nur diese speichern. Das Wegschreiben einer vollen 60er-Bildserie nimmt bei schnellen Speicherkarten etwas unter 20 Sekunden in Anspruch, dabei ist die Kamera nicht aufnahmebereit.
Ähnlich funktioniert die "Zeitlupenansicht", bei der die Kamera beim Andrücken des Auslösers eine schnelle Bildserie aufzeichnet und diese sogleich in Zeilupe wiedergibt, sodass der Fotograf durch Drücken des Auslösers das für ihn entscheidende Einzelbild abspeichern kann. Die Highspeed-Funktionen bedingen teilweise sehr kurze Belichtungszeiten bis zu bemerkenswerten 1/40.000 Sekunde, wo das Limit öfter durch die Motivhelligkeit gesetzt wird.
Sehr interessant sind noch die beiden BestShot-Programme "Move in" und "Move out", die die Kamera in eine Art Bewegungsdetektor-Modus versetzen. Bewegt sich dann ein Objekt in den in Größe und Position definierbaren Bereich innerhalb des Gesamtbildes hinein oder aus ihm heraus, löst die Kamera die Bildserie aus, wahlweise bis zur vollen 60-fps-High-Speed-Bildrate. Ebenfalls mit an Bord sind Aufnahmereihen mit Belichtungs-, Fokus- oder Weißabgleichsvariation.
Videofunktionen
Auch die Videofähigkeiten der Casio sind speziell, nämlich neben der SD- und der Full-HD-Funktion auch "High Speed", mit Videobildraten von 300 bis 1200 fps, wobei die Bildgröße dabei von 512 × 384 Pixeln bei 300 fps auf einen schmalen Streifen von 336 × 96 Pixel bei 1200 fps sinkt. Bei wiederum recht hohem Lichtbedarf sind hier bemerkenswerte Zeitlupenstudien schnellster Bewegungsabläufe möglich, die bisher mit Amateur-Equipment nicht denkbar waren. Auf der anderen Seite der Qualitäts- und Leistungsskala bietet die Kamera noch die inzwischen Casio-typische "YouTube"-Videofunktion an.
Die Videoclipqualität im HD-Modus ist hoch und der Platzbedarf angesichts des H.264-Codecs akzeptabel. Allerdings stellt Full-HD bei Wiedergabe und insbesondere bei der Bearbeitung auf dem PC hohe Ansprüche an die Hard- und Software. Als vollwertiger Camcorderersatz taugt die Casio – wie alle anderen bisher von uns getesteten Still-Digicams – noch nicht, insbesondere wegen des beim Videodreh zu träge reagierenden Autofokus. Sehr positiv ist hingegen die Tonaufzeichnung in Stereo und wahlweise sogar über ein anzustöpselndes externes Mikrofon. Eine reine Tonaufzeichnungsmöglichkeit in einem anderen als dem MOV-Format H.264 haben wir bei der Casio leider nicht gefunden.
Die Kamera besitzt 32 MByte internen Speicher und wird ansonsten mit preisgünstigen SD/SDHC-Cards betrieben. Das Kameraformat erlaubt ein eigenes, seitlich angebrachtes Cardslot-Fach, das perfekt zu bedienen ist. Der starke 7,4-Volt-Akku wird über die Akkufachöffnung am Boden der Kamera eingesetzt, weit entfernt vom Stativgewinde, das genau in der optischen Achse des Objektivs liegt und auch bei der Verwendung großer Stativplatten der Akkufachklappe nicht zu nahe kommt.
Sensoreigenschaften
Der Bildsensor der Casio ist mit 6 Megapixeln bei einer Diagonale von 1/1,8 Zoll für heutige Verhältnisse niedrig auflösend, aber großzügig dimensioniert. Die Ausführung als CMOS-Sensor ist Voraussetzung für die ultraschnellen Serienbild- und Videofunktionen. Bei niedrigster ISO-Stufe 100 fällt das Bildrauschen angenehm gering aus. Welch ein Unterschied zu den überzüchteten aktuellen 8- oder 10-MP-CCDs mit 1/2,5-Zoll-Diagonale, deren Bilder auch auf ISO-100-Stufe bereits destruktiv "entrauscht" werden müssen, sodass solche Kameras überhaupt keine Fotos mit feinster Zeichnung mehr aufnehmen können. Ein Armutszeugnis der Fehlorientierung innerhalb der Fotoindustrie oder der noch immer hohe Megapixelzahlen goutierenden Nachfragermasse, die sich bisher noch mit jeder neuen "Good enough"-Niederung arrangiert hat.
In den höheren ISO-Stufen, speziell ab ISO 400, beginnt die Casio allerdings die in sie gesetzten hohen Erwartungen zu enttäuschen. Obwohl im Vergleich zur Konkurrenz durchaus im Vorteil, beginnt ihre Rauschkompensation hier sichtbar destruktiv zu arbeiten, was sich in signifikanten Schärfe- und Detailverlusten äußert und in manchen Motivsituationen zu den gefürchteten Aquarelleffekten führt. Ansätze schmutzig anmutender Grauflächen sind bereits ab ISO 200 zu beobachten, und an der c't-Kiste traten bei ISO 400 auch helle Fehlpixel hervor, während Farbrauschen erst ab ISO 800 zum Problem wurde. Von einer vergleichsweise niedrig auflösenden Kamera der jüngsten Generation mit 1/1,8-Zoll-Sensor wünschen wir uns per saldo eine leistungsfähigere interne Bildaufbereitung auch bei höheren ISO-Stufen.