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Hintergrund: Musik zur Miete - mit TĂŒcken

Musik online, das war einmal die DomĂ€ne von populĂ€ren Musiktauschbörsen . Doch die Zeit der kostenlosen Angebote soll nach dem Willen der Musikindustrie nun endgĂŒltig vorbei sein.

Musik online, das war einmal die DomĂ€ne von populĂ€ren Musiktauschbörsen wie Napster oder Gnutella. Doch die Zeit der kostenlosen Angebote soll nach dem Willen der Musikindustrie nun endgĂŒltig vorbei sein. Den ersten Online-Abo-Dienst der Industrie [1] bietet seit vergangener Woche der US-Software-Hersteller RealNetworks an. Ob es ihm gelingt, die Musik verwöhnten Online-Fans mit einem attraktiven Angebot von den weiterhin existierenden kostenlosen Börsen wegzulocken, bleibt abzuwarten. Vorerst ist die Musik- und VideoprĂ€sentation des Unternehmens als Abo-Dienst allerdings nur in den USA erreichbar.

Unter dem Namen RealOne bietet RealNetworks neben einigen Videoclips vor allem Musiktitel aus dem Katalog der drei Branchenriesen Bertelsmann Music Group (BMG), AOL Time Warner und EMI. FĂŒr rund zehn US-Dollar pro Monat erhĂ€lt der Abonnent Zugang zu 200 Musiktiteln aus dem Lizenzangebot zum Herunterladen auf die eigene Festplatte oder zum einmaligen Anhören als Stream. Mit einem erweiterten Service fĂŒr 20 US-Dollar kann er sich neben monatlich 250 Musiktiteln auch Radiosendungen mit Live-Übertragungen von Basketball- und Baseballspielen anhören.

Mag das fĂŒr manche dann doch noch verlockend klingen, schreckt das Kleingedruckte der GeschĂ€ftsvereinbarungen, das sich die Kunden in diesem Fall besonders gut durchlesen sollten, möglicherweise doch wieder ab. Nur die HĂ€lfte der Musiktitel aus dem monatlichen Gesamtangebot, also je nach gewĂ€hltem Service 100 oder 125 Songs, dĂŒrfen auf der eigenen Festplatte gespeichert werden. Doch selbst nach dem Herunterladen der Dateien im Umfang von jeweils mehreren Megabytes ist das MusikvergnĂŒgen nicht dauerhaft: Nach 30 Tage lassen sich die Songs nicht mehr abspielen. Auf tragbaren MP3-GerĂ€ten kann man die angemietete Musik ĂŒberhaupt nicht zu Gehör bringen.

Die zweite HĂ€lfte des Musik-Abos lĂ€sst sich jeweils nur einmal anhören. Nach jedem Abspielen eines StĂŒcks zieht der RealOne-Service automatisch einen "Punkt" vom Konto des Kunden ab. Dabei arbeitet die Software nicht einmal störungsfrei: Wenn der Kunde nach einer technisch bedingten Unterbrechung des Live-Streams den gleichen Titel noch einmal komplett hören will, ist gleich wieder ein Punktabzug vom Konto fĂ€llig - so verschwindet dann das monatliche Guthaben von 100 bis 125 Punkten fĂŒr Live-Streams sehr schnell.

Die neue RealNetworks-Software ist vorlĂ€ufig nur in einer Beta-Version erhĂ€ltlich [2], die nicht auf Ă€lteren PC-Betriebssystemen wie Windows 95 lĂ€uft. Bei der Installation greift sie in vorhandene Dateien der RealNetworks-Produkte RealPlayer und RealJukebox ein. Diese Ă€ltere Software des Unternehmens, die Millionen von Internet-Anwendern nutzen, wird mit der Installation des RealOne-Players automatisch funktionsuntĂŒchtig. Ob Compaq den neuen Dienst von RealNetworks nun vielen Kunden schmackhaft machen kann, bleibt abzuwarten: In Zukunft will jedenfalls RealNetworks die Verbreitung seiner Service-Dienste mit UnterstĂŒtzung des Computerherstellers [3] forcieren.

Siehe zu dem Thema auch den Artikel Der Musikindustrie droht ein neues Fiasko im Internet [4] in Telepolis. (Tilman Streif, dpa) / (jk [5])


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https://www.heise.de/-51461

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/MusicNet-vorerst-in-Europa-nicht-verfuegbar-48463.html
[2] https://www.heise.de/news/RealNetworks-setzt-auf-einzig-wahren-Player-48140.html
[3] https://www.heise.de/news/RealNetworks-zusammen-mit-Compaq-gegen-Microsoft-50875.html
[4] http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/musik/11338/1.html
[5] mailto:jk@heise.de