Intels 90-nm-Prozess mit "gestresstem" Silizium
Schon im nÀchsten Jahr soll der Pentium-4-Nachfolger (Codename Prescott) im jetzt detaillierter vorgestellten neuen 90-nm-CMOS-Prozess hergestellt werden.
Schon im nÀchsten Jahr soll der Pentium-4-Nachfolger (Codename Prescott) im jetzt detaillierter vorgestellten 90-nm-CMOS-Prozess hergestellt werden. Intel hatte zwar schon zur CeBIT im MÀrz 2002 mit im 90-nm-Prozess gefertigten Speicherchips [1] auf sich aufmerksam gemacht, doch erst jetzt gab das Halbleiterhaus einige Fortschritte bei dem zugrunde liegenden Herstellungsprozess P1262 bekannt.
Die wohl wichtigste Neuerung ist der Einsatz von so genanntem strained silicon. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem Silizium erst ein wenig gestreckt wird (wenn auch nur um etwa ein Prozent), wobei die Beweglichkeit der Elektronen um bis zu 70 Prozent zunimmt. Dies soll den erreichbaren Takt um bis zu 35 Prozent steigern -- gab jedenfalls IBM im letzten Jahr bei einem VLSI-Symposium in Kyoto als "Entdecker" dieser Strecktechnik [2] zu Protokoll. IBM verwendet dazu eine zusÀtzlich untergelegte SiGe-Schicht.
Laut Intel beruhen die wesentlichen Grundlagen zu strained silicon aber auf schon Àlteren Arbeiten der Stanford-Professoren Judy Hoyt und James Gibbons. Intel habe unabhÀngig von IBM aus diesen Grundlagen ein eigenes, produktionsreifes strained-silicon-Verfahren entwickelt, das zehn bis zwanzig Prozent höhere SÀttigungströme pro ”m (saturation drive current) und damit höhere Frequenzen ermöglichen soll -- bei nur zwei Prozent höheren Herstellungskosten.
Daneben hat ĂŒbrigens auch ein Spin-off vom MIT namens AmberWave [3] eine strained-silicon-Lösung mit SiGe entwickelt, die im Unterschied zu IBM neben der Beweglichkeit der Elektronen auch diejenige der Löcher deutlich erhöhen soll. Ob auch Intels Verfahren wie das von IBM mit einem SiGe-Layer arbeitet, wollte Intel-Fellow Mark Bohr in einer Vorab-Telefonkonferenz jedoch nicht verraten. Nur weiĂ man, dass P1262 jetzt mit sieben statt wie bislang mit sechs Schichten arbeitet.
Als Isolierschicht zwischen den Layern und den Leitungen, den Dielektrika mit möglichst kleiner relativer DielekrizitĂ€t (Low-k), hat Intel das bisher benutzte SiOF durch Carbone-Doped Oxid ersetzt, welches 18 Prozent niedrigere KapazitĂ€t aufweisen soll (den genauen k-Wert wollte Bohr nicht beziffern). Weitere Neuerungen in Intels P1262-Prozess sind die dĂŒnnsten, jemals in einem Produktionsprozess hergestellten SiO2-Isolierschichten an den 50 nm groĂen Gates. Mit nur 1,2 nm Dicke sind das nur noch fĂŒnf Atomlagen. Auf die Leckströme angesprochen gab Bohr gab zu, dass dies ein groĂes Problem sei, man damit aber noch im gesteckten, beherrschbaren Rahmen bliebe. Ein Umstieg auf andere High-K-Dielektrika (etwa ZrO2 oder TiO2) ist also fĂŒr den 90-Nanometer-Prozess noch nicht nötig. Auch die Leckstrom mindernde Substratvorspannung (Body-Bias), die Intel Anfang des Jahres auf der ISSCC [4] vorstellte, ist noch nicht vorgesehen; sie könnte aber -- so Bohr -- relativ schnell hinzugefĂŒgt werden. AuffĂ€llig ist weiterhin die Enthaltsamkeit in Sachen SOI [5]. Hier hat Intel ebenfalls eine eigene Variante (fully Depleted Substrate Transistoren [6], DST) entwickelt, hebt sich das aber wohl noch fĂŒr den 65-nm-Prozess (P1265 ab etwa 2005) auf.
FĂŒr den/die kritischen untersten Layer mit 90-nm-Strukturen kommt jetzt bei Intel erstmals in der Produktion die 193-nm-Lithografie (mit Argon Fluoride Excimer Laser) zum Einsatz. Die Linsen bei diesem UV-Licht mĂŒssen aus amorphem Siliziumdioxid (Fused Silica) sein oder -- noch teurer -- aus Calciumfluorid. Die oberen, gröberen Layer können jedoch weiterhin mit bewĂ€hrter 248-nm-Technik erstellt werden. So lassen sich laut Intel 75 Prozent des aktuellen Prozesses (130 nm/300 mm Wafer) weiter verwenden. FĂŒr die im nĂ€chsten Jahr vorgesehene Produktion des Prescott-Prozessors sind nur noch 300-mm-Wafer geplant. (as [7])
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[1] https://www.heise.de/news/Intels-naechster-Schritt-zu-kleineren-Chipstrukturen-60491.html
[2] https://www.heise.de/news/Mit-gestrecktem-Silizium-zu-schnelleren-Chips-39235.html
[3] https://www.heise.de/news/Wafer-mit-gestrecktem-Silizium-moeglicherweise-naechstes-Jahr-46286.html
[4] https://www.heise.de/news/ISSCC-McKinleys-Cache-5-GHz-Chip-und-ovonische-Speicher-52869.html
[5] https://www.heise.de/news/Glaeserne-Isomatte-13707.html
[6] https://www.heise.de/news/Intel-erobert-die-Tera-Hertzen-update-55933.html
[7] mailto:as@ct.de
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