Jürgen Ritter - ein Mauerfotograf mit Grenzerfahrungen
Er hat die deutsch-deutsche Grenze mit der Kamera erwandert, jeden Meter, von der Ostsee bis nach Bayern und in Berlin.
- Peer Körner
Der Grenzfotograf ist ein unruhiger Geist, er sprudelt über vor Geschichten, springt von Thema zu Thema. Über die Jahre ist Jürgen Ritter nur wenig ruhiger geworden, die 65 sieht man ihm nicht an. Das Büro unter dem Dach ist voller Bücher und Fotos, hinter ihm eine Wand mit Ordnern voller Negative. Ein großes Panorama-Fenster bietet ihm freien Blick in die Weite. Freiheit ist sein Lebensthema geworden – die Freiheit und ihre Grenze.
Er lebt in Barum, einem schmucken Dorf im Nordosten Niedersachsens, bis zur deutsch-deutschen Grenze waren es nur 25 Kilometer. "Ich bin schon als Kind oft mit dem Fahrrad hingefahren", berichtet Ritter, der ganz in der Nähe aufgewachsen ist. Auch seine Mauerfotos haben Geschichte gemacht, waren in Bild, Zeit, Welt, FAZ oder der Frankfurter Rundschau und Thema beim mdr.
Der Kalender "Deutschland grenzenlos"
- Jürgen Ritter und Peter Joachim Lapp: Deutschland grenzenlos. Bilder der deutsch-deutschen Grenze. Damals und heute. Ch. Links Verlag, Berlin 2014, 192 Seiten mit 131 Abbildungen, 29,90 Euro. ISBN 978-386153-774-8.
- Der Kalender "Deutschland grenzenlos" kann über die Homepage von Jürgen Ritter www.deutschland-grenzenlos.de bestellt werden, er kostet 21,90 Euro.
"Das man in Deutschland nach dem Grauen von Krieg und Vertreibung wieder Waffen in die Hand nimmt, hab ich nie verstanden. Und das dann noch Deutsche auf Deutsche schießen – völlig unverständlich", sagt Ritter. "Ich habe es nicht mehr ausgehalten und bin losgewandert." Im März 1982 startet der damalige Fernmeldetechniker in Schnackenburg an der Elbe immer entlang der Grenze nach Süden, etappenweise an Wochenenden oder im Urlaub. Er erlebt 1400 Kilometer Natur-Idyll und Todesstreifen, Hitze, Mücken und Moore. Dabei immer die Angst im Nacken, von DDR-Grenzern festgesetzt zu werden. Aber nach zwei Jahren, da ist es geschafft.