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KaZaA-Prozess: Pistole an den Kopf gesetzt

Peter-Michael Ziegler

Im Prozess gegen die Betreiber der Tauschbörse KaZaA in Australien hat die Musikindustrie Sharman Networks erpresserische Methoden vorgeworfen.

Im Prozess [1] gegen die Betreiber der Tauschbörse KaZaA in Australien hat KaZaA-EigentĂŒmer Sharman Networks ausgesagt, dass man mit der Musikindustrie wiederholt ĂŒber das Problem von Copyright-Verletzungen der Nutzer gesprochen habe. Über die 2003 gegrĂŒndete [2] Distributed Computing Industry Association seien zahlreiche Treffen zwischen Sharman Networks und US-Plattenlabels vereinbart worden, gab Sharmans Technologie-Chef Philip Morle zu Protokoll.

Von der Gegenseite wurden die angeblichen KooperationsgesprÀche allerdings als Erpressungsversuche bezeichnet. Sharman und sein US-Partner Altnet hÀtten den Plattenlabels regelrecht "die Pistole an den Kopf gesetzt": "Entweder ihr setzt die Unterschrift unter einen Vertrag, der KaZaA als Musiktausch-Plattform legitimiert, oder unsere User laden sich die Musik eben kostenlos herunter." Als Druckmittel habe man aktuelle Nutzerstatistiken von rund 4,5 Millionen Tauschbörsen-Teilnehmern vorgelegt.

Und genau diese Nutzerstatistiken könnten sich jetzt möglicherweise als Boomerang fĂŒr Sharman Networks erweisen. WĂ€hrend der KaZaA-Eigner behauptet, keine Kontrolle ĂŒber den tatsĂ€chlichen Gebrauch [3] der populĂ€ren P2P-Software zu haben, wollen die AnwĂ€lte der Musikbranche beweisen, dass KaZaA sehr wohl Möglichkeiten hat, die Datenströme im Netzwerk zu kontrollieren und den Tausch von geschĂŒtzten Titel zu unterbinden.

So wurde dem Australian Federal Court [4] in Sydney die so genannte "Judas-Funktion" in der KaZaA-Software demonstriert, ĂŒber die statistische Nutzerdaten an Server in DĂ€nemark ĂŒbermittelt werden. Sharman-Mitarbeiter können anhand dieser Daten beispielsweise ermitteln, wie viele Nutzer gerade online sind und wie viele Tauschdateien im Moment zur VerfĂŒgung stehen. Philip Morle wollte diese Funktion vor Gericht allerdings zum ersten Mal gesehen haben. Die dĂ€nischen Server seien Überreste einer frĂŒheren Webhosting-Einrichtung, die nicht mehr gebraucht werde, erklĂ€rte er im Kreuzverhör.

Morle sagte auch, er wisse gar nicht, wem Sharman Networks eigentlich gehöre, er "mĂŒsse das aber auch nicht wissen". Die KlĂ€rung der BesitzverhĂ€ltnisse des im sĂŒdpazifischen Vanuatu [5] registrierten Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Australien unterhĂ€lt, ist fĂŒr das Gericht wichtig, um die Verantwortlichen im Falle einer Verurteilung zur Rechenschaft ziehen zu können. Spekuliert wird, dass der eigentliche KaZaA-Strippenzieher Sharmans Content-Partner Altnet ist. (pmz [6])


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https://www.heise.de/-120960

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Prozess-gegen-Tauschboerse-Kazaa-in-Australien-118247.html
[2] https://www.heise.de/news/P2P-Allianz-fuer-mehr-Akzeptanz-81595.html
[3] https://www.heise.de/news/Zeuge-im-Kazaa-Prozess-Filesharing-laesst-sich-ueberwachen-119989.html
[4] http://www.fedcourt.gov.au/
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Vanuatu
[6] mailto:pmz@ct.de