Kommentar: 15 Jahre Nikon NEF, 15 Jahre Irrweg
Seite 2: Proprietäres Raw ist eine digitale Landmine
Seit Nikon im Jahr 1999 seiner ersten DSLR das NEF-Format mitgegeben hat, ist viel Zeit vergangen. Praktisch alle Kamerahersteller sind mit eigener Software gestartet. Praktisch alle Kamerahersteller haben sich damit eine blutige Nase geholt und sich dann mehr oder weniger diskret aus der Softwareentwicklung verabschiedet. Was nicht verwunderlich ist. Bildbearbeitungsprogramme, die nur die Kameras einer Marke unterstützen, sind grotesk lebensfremd. So etwas braucht kaum jemand. Es ist derzeit eine bizarre Situation. Der Softwaremarkt ist zumindest für die Kamerahersteller mausetot. Als kostenlose Dreingabe zur Kamera nimmt man die Herstellerprogramme gerne, aber Geld bezahlt dafür niemand. Das Formatchaos aber ist geblieben und wächst sogar weiterhin. Ausbaden müssen das Elend nun weitgehend Software-Fremdhersteller und Betriebssystemanbieter. Nikon muss man immerhin zugute halten, dass es überhaupt noch Software und neue Raw-Codecs produziert, beim Mitbewerb sieht es da schon schlechter aus.
Man liest ja gelegentlich etwas vom sogenannten Kamerakrieg. Das hört sich genauso gefährlich an wie es ist. Auch in wirtschaftlichen Auseinandersetzungen sind die Konfliktparteien in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich. Proprietäre Rohdatenformate wie NEF sind digitale Landminen. Schon während des laufenden Krieges sind Landminen eine eher unfeine Art eine Position durchzusetzen. Schlimmer noch, auch Jahrzehnte nachdem die Streitigkeiten beendet sind, schlummern die Minen weiter im Verborgenen und können unvermittelt noch großen Schaden anrichten. Bei Raw ist das nicht anders. Schon heute ist die Formatvielfalt ein echtes Ärgernis und es kann durchaus schwierig sein, für ein exotisches Format überhaupt noch einen Konverter aufzutreiben. Dass sich diese Probleme in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter verschärfen werden, liegt in der Natur der Sache.
Kurz zusammengefasst: Proprietäres Raw ist ein technisches Problem, das Kamerahersteller ohne Notwendigkeit geschaffen haben, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Leider ist das Problem in nur wenigen Jahren so groß geworden, dass die Hersteller es offenkundig selbst nicht mehr so recht im Griff haben. Eine Software zu finden, die wirklich alle jemals von einem Hersteller in den Markt geworfenen Raw-Varianten zuverlässig öffnen und bearbeiten kann, ist im Einzelfall durchaus problematisch.Geld wird mit proprietärem Raw auch nicht verdient, selbst Nikon hat kapituliert und verschenkt nun seinen flammneuen Raw-Konverter NX-D. Das Problem ist also noch da, der Wettbewerbsvorteil hingegen ist unwiderbringlich dahin.
Da fragt man sich doch unwillkürlich: Wäre es nicht endlich an der Zeit, NEF auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen? Japanische Traditionen hin oder her: Dieses Doku kuwaba sara made muss man ja nicht wörtlich nehmen.
Mit freundlichen GrĂĽĂźen, Ihr