Mahle verkauft Industriefilter-Sparte an US-Konzern
Der Autozulieferer Mahle hat eine beträchtliche Einkaufstour hinter sich, nun aber hat sich der Konzern von einer Sparte getrennt. Der Betriebsrat ist verstimmt, der Käufer aus den USA freut sich
Der Autozulieferer Mahle hat einen Käufer für seine Industriefilter-Sparte gefunden. Der US-Konzern Filtration Group Corporation aus Chicago übernehme den Konzernbereich mit rund 900 Mitarbeitern, teilte Mahle am Montag in Stuttgart mit. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Das Geschäft habe zu geringe Gemeinsamkeiten mit dem Automobil-Kerngeschäft von Mahle, hieß es zur Begründung des Verkaufs. Mahle ist als Kolbenhersteller bekanntgeworden, produziert aber auch Nockenwellen, Ventile und Klimaanlagen-Komponenten. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.
(Bild: Mahle)
Für die gut 400 Mitarbeiter der Industriefilter-Sparte in Deutschland gilt weiter eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2019. Neben der Spartenzentrale in Öhringen (Hohenlohekreis) gibt es noch ein Verkaufsbüro in Hamburg sowie Standorte in den Niederlanden, Rumänien, China und den USA. Mahle-Chef Wolf-Henning Scheider war nach dem Verkauf zufrieden. Der Käufer könne das Mahle-Industriefiltrationsgeschäft „aufgrund seiner Expertise und Größe gut weiterentwickeln“, sagte Scheider.
Zur Filtration Group zählen etwa 15 verschiedene Firmen, die alle auf Filter spezialisiert sind. Darunter sind auch zwei deutsche Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen: das auf automobile Filter spezialisierte Filtran und Clear Edge, das Luftfilter für Gebäude herstellt. Mahle produziert andere Filter, etwa für Schiffe. Durch den Kauf werde das eigene Produktportfolio sehr gut ergänzt, erklärte Filtration-Group-Chef Steve Felice. Die Filtration Group Corporation wiederum gehört der Beteiligungsgesellschaft Madison Industries.
Die Verkaufspläne sind seit vergangenem Herbst bekannt, der Gesamtbetriebsrat sah sie von Beginn an kritisch. Eine Weiterentwicklung der Sparte im Mahle-Konzern wäre absolut möglich gewesen, sagte ein Betriebsratssprecher am Montag. Ein zusätzliches Standbein fernab des Geschäfts mit Verbrennungsmotor-Komponenten wäre hilfreich, um den Konzern auch in der Zukunft gut aufzustellen, so der Sprecher. Andere Zulieferer gingen diesen Weg zuletzt, um unabhängiger vom konjunkturabhängigen Autogeschäft zu werden.
Im Mahle-Konzern ist der nun verkaufte Industriefilter-Bereich nur eine Nische, der Anteil an der Gesamtbelegschaft von 76.000 Mitarbeitern liegt bei unter einem Prozent. Bei der Ankündigung hatte der Zulieferer angegeben, dass der Bereich nur rund ein Prozent der Gesamterlöse ausmache. 2015 machte Mahle rund 11,5 Millionen Euro Umsatz.
Die Mahle-Geschäfte laufen nicht schlecht, allerdings sank der Jahresüberschuss 2015 vor allem wegen Folgekosten von Übernahmen um mehr als die Hälfte auf 122 Millionen Euro. Mahle hat eine Einkaufstour hinter sich, seit 2014 wurden unter anderem die slowenische Letrika-Gruppe, die Klimaanlagen-Sparte des US-Konkurrenten Delphi und die japanische Elektromotor-Firma Kokusan Denki übernommen. Dadurch stieg die Mitarbeiterzahl um etwa 11.000 auf rund 76.000. Mit dem Industriefiltersparten-Verkauf wird das Mahle-Produktportfolio nun etwas reduziert.
(dpa)
(fpi)