Mecklenburg-Vorpommern nutzt EU-Geld für Radwegenetz
Mit Hilfe von EU-Mitteln sollen in den nächsten Jahren wesentliche Lücken im Radwegenetz Mecklenburg-Vorpommerns geschlossen werden. Wie Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) mitteilte, stehen dazu bis 2016 rund 15 Millionen Euro aus dem EU-Förderprogramm für den ländlichen Raum zur Verfügung
Mit Hilfe von EU-Mitteln sollen in den nächsten Jahren wesentliche Lücken im Radwegenetz Mecklenburg-Vorpommerns geschlossen werden. Wie Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) am Dienstag in Schwerin mitteilte, stehen dazu bis 2016 rund 15 Millionen Euro aus dem EU-Förderprogramm für den ländlichen Raum zur Verfügung. Die Landkreise sollen – im Rahmen des Budgets – fortan größtenteils selbst festlegen, wo entlang von Landesstraßen neue Radwege entstehen.
(Bild: ADFC/Jens Lehmkühler)
„In der Vergangenheit haben die vier Straßenbauämter entschieden und das führte zuweilen zu Dissonanzen. Jetzt sind die Kreise gefragt, die sich jedoch mit dem ADFC, den Tourismusverbänden und örtlichen Bürgerinitiativen abstimmen sollen“, erklärte Pegel. Es gehe dabei darum, Schulwege sicherer zu machen, viel befahrene Routen zu berücksichtigen und Lücken im Radwegenetz zu schließen. Für einige dieser Strecken gebe es schon Planungen, so dass auch rasch mit dem Bau begonnen werden könne. Die Zuweisung von insgesamt 13,5 Millionen Euro an die Kreise erfolgt abhängig von der Länge der Landesstraßen dort. Somit können Vorpommern-Rügen und die Mecklenburgische Seenplatte mit den höchsten Zuwendungen von jeweils mehr als 2,5 Millionen Euro rechnen. Nach Angaben Pegels kostet der Bau von einem Kilometer Radweg 150.000 bis 180.000 Euro.
Zusammen mit den Zuweisungen des Bundes für den Radwegebau an Bundesstraßen, nicht abgerufenen EU-Geldern aus den Vorjahren sowie Beihilfen für Stadtentwicklung und kommunalen Wegebau sind laut Minister bislang 28 Millionen Euro für neue Radwege eingeplant. Dabei geht es nicht nur um touristisch wichtige Routen, sondern auch um Strecken, die etwa für den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Rad wichtig sind. „In kaum einem anderen Flächenland werden Fahrräder so stark genutzt wie bei uns. Darauf stellen wir uns weiter ein und berücksichtigen das auch bei der Arbeit am integrierten Landesverkehrskonzept“, sagte Pegel. In Kürze solle ein digitales Radverkehrsnetz des Landes vorliegen, das neben regulären Radwegen auch für Radler geeignete Straßen und Feldwege ausweise.
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) begrüßt die Bestrebungen des Landes, hält aber ein höheres Tempo für den Radwege-Ausbau für erforderlich: „Viele Menschen wollen häufiger weg vom Auto, mit dem Rad ins Büro fahren oder im Urlaub aktiv sein. Denen müssen wir doch den roten Teppich ausrollen und das Umsteigen so leicht wie möglich machen“, sagte der ADFC-Landesvorsitzende Steffen Burkhardt der Nachrichtenagentur dpa.
Dazu zähle der Bau neuer Radwege und deren Pflege, aber auch die Integration des Fahrrades in den Alltagsverkehrs. Vor allem in den Innenstädten seien separate Radwege oft kaum realisierbar. „Eine Radspur auf der Straße und Tempolimits für Autos können da ein guter Kompromiss sein“, sagte Burkhardt. Radverkehr auf dem Gehweg sei auch wegen der zunehmenden Zahl von Pedelecs, Fahrrädern mit Elektro-Hilfsantrieb, keine Alternative. Burkhardt forderte das Verkehrsministerium auf, den ADFC stärker in die Radwegeplanungen einzubeziehen.
In Mecklenburg-Vorpommern wurden den Angaben zufolge seit dem Jahr 1990 an Bundes- und Landesstraßen über 1700 Kilometer Radwege gebaut. Damit können Radfahrer auf 42 Prozent aller Bundesstraßen dem Autoverkehr aus dem Weg gehen und separate Wege nutzen. Bei den Landesstraßen sind es erst 26 Prozent. Entlang von Kreisstraßen wurden weitere 563 Kilometer Radwege gebaut. Langfristig sollen laut Pegel an allen Straßen des Hauptnetzes Radwege gebaut werden, auf denen täglich mindestens 2500 Fahrzeuge unterwegs sind und bei denen es keine vernünftigen Alternativrouten für das Rad gibt. Der oft schlechte Zustand von Radwegen hatte dazu geführt, dass der Nordosten in der Rangfolge der beliebtesten Radreiseregionen in Deutschland nach Platz zwei im Vorjahr auf Platz vier abgerutscht war.
(dpa) (mfz)