Zweites Ende

Die Wiederbelebung der großen, vergangenen Marken gelingt nicht allein durch den großen Namen. Wie die holländische Sportwagenschmiede Spyker selbst mitteilte, ist sie seit drei Tagen zahlungsunfähig. Es ist noch nicht lange her, da hatte Spyker der maroden Marke Saab geholfen

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Spyker
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Zeewolde (Niederlande), 22. Dezember 2014 – Die Wiederbelebung der großen, vergangenen Marken gelingt nicht allein durch den großen Namen. Wie die holländische Sportwagenschmiede Spyker selbst mitteilte, ist sie seit drei Tagen zahlungsunfähig. Das zuständige Distriktsgericht hatte dem Unternehmen noch am zweiten Dezember 2014 Gläubigerschutz verliehen. Nun wurde dieser jedoch beendet und die Firma für insolvent erklärt. Grund: Der erhoffte Überbrückungskredit traf nicht rechtzeitig bei Spyker ein.

Das Aus für die Firma kam nicht ganz unerwartet. Es war bekannt, dass die Sportwagenproduktion nicht profitabel war. Gegründet wurde die Firma 1999 von dem niederländischen Juristen und Unternehmer Victor R. Muller. Er erwarb die Rechte an der Marke, die 1880 als Kutschenbauer auf die Welt kam - das bekannteste Fahrzeug der ursprünglichen Firma ist übrigens die goldene Kutsche, mit der die holländische Königin jährlich zur Eröffnung des Parlaments fährt. Später begann Spyker mit der Auto- und Flugzeugproduktion, bis die Firma 1926 in Folge der Wirtschaftskrise nach dem ersten Weltkrieg abgewickelt werden musste.

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Das bekannteste Auto der Marke (nach ihrer Wiederbelebung) ist der C8 (Bild).

Für Petrolheads und Technikinteressierte epochal ist das erste Auto mit permanentem Allradantrieb, das Spyker bereits 1903 vorstellte und das in seinem Aufbau die klassischen Geländewagen um viele Jahrzehnte vorwegnahm. Der alltagstaugliche Sportwagen präsentierte unter anderem erstmals serienmäßig einen Sechszylindermotor und Bremsen an allen Rädern. Damit war es seiner Zeit weit voraus.

Ab 2005 begann die neue Firma Spyker die Produktion in Zeewolde, östlich von Amsterdam. Gefertigt wurde der Sportwagen C8, der von einem 4,2-Liter-V8 von Audi angetrieben wurde. 2007 stieg Spyker durch den Kauf des Formel-1-Stalls Midland F1 in den Rennsport ein. Nach nur einem Jahr wurde das Team aber schon wieder verkauft - es tritt nun als Force India an.

2008 brachte Spyker mit dem C12 einen zweiten Sportwagen mit einem Sechsliter-W12 von VW auf den Markt. Im Februar 2010 erwarb Spyker die marode Marke Saab von General Motors. Danach hieß es zunächst, Spyker wolle das Sportwagengeschäft verkaufen und sich auf Saab konzentrieren. Doch Saab war schon 2011 am Ende, und der Einstieg chinesischer Investoren scheiterte. Nun hat es auch Spyker selbst erwischt. Muller allerdings lässt den Kopf nicht hängen, sondern zitiert Winston Churchill: "Das ist nicht das Ende. Es ist nicht einmal der Anfang vom Ende. Es ist wahrscheinlich das Ende des Anfangs." Er (Muller) wolle am Wiederaufstieg von Spyker arbeiten. Die Firma solle später mit einem Hersteller elektrisch angetriebener Flugzeuge fusionieren und revolutionäre Spyker-Produkte entwickeln. Fantasterei oder Unternehmersinn? Jedenfalls entspricht diese Denke dem Firmenmotto: "Für den Beharrlichen ist kein Weg ungangbar." (Nulla tenaci invia est via.) (imp)