"Only three songs, no flash!" – Die Praxis der Konzertfotografie

Seite 2: Akkreditierung, Auftakt und Absage

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Wie aber kommt man in den Genuss, auf Mega-Festivals und in ausverkauften Arenen und Stadien zu fotografieren? Akkreditieren kann sich theoretisch zwar jeder Hans und Franz, besser beraten ist der Fotograf oder die Fotografin aber damit, eine Akkreditierungsanfrage ĂĽber ein Musikmagazin zu stellen, respektive in der Anfrage das Medium, fĂĽr das er oder sie fotografiert und schreibt inklusive eines Links zum Vorbericht anzugeben. Ob man herausfindet, an wen diese Anfrage zu stellen ist, steht auf einem anderen Blatt.

Das kann mitunter schwierig sein. Fakt ist: Eine Akkreditierung zu ergattern ist – gerade für Musik-Webzines – so gut wie unmöglich. Es zählen weder redaktionelle oder künstlerische Qualität noch die Begeisterung für Sujet, Band und Event. So erhält neben Fotografen der Presse-, Nachrichten- und großen Bildagenturen, größerer Rundfunkanstalten und Printmagazine eher die Praktikantin einer lokalen Tageszeitung mit ihrem iPhone Zugang zum Fotograben als Mrs. Nobody – auch wenn sie professionelle Konzertfotografin eines überregionalen Non-Profit-Musikmagazins ist. Ergattert man doch einen Pitpass (Grabenpass), der gerade beim Tourauftakt einer Band besonders begehrt zu sein scheint, so gilt nach wie vor: Schief geht, was schief gehen kann.

Ein Konzertabend hält für herkömmlich Akkreditierte unzählige Fallen und Fettnäpfchen bereit. Keine Absage bekommen zu haben, bedeutet noch lange keine Zusage und eine Zusage noch lange nicht, erwünscht zu sein. Die Akkreditierungsbestätigung sollte immer griffbereit in der Tasche sein. Das kann etwaige Diskussionen am Presse-Counter erheblich abkürzen. Es ist mehr als ärgerlich, aber keine Seltenheit, 200 Kilometer Wegstrecke zu fahren und plötzlich nur den Support- oder nur den Main-Act, nur für einen Song oder gar nicht mehr fotografieren zu dürfen.

Sei es, weil sich der Veranstalter beim Verhältnis aus Saalgröße und Publikumsandrang verschätzt hat oder der Tourmanager, der soeben noch geschworen hat, sich um dich zu kümmern, nie wieder gesehen ward. Es verblüfft zudem, wie häufig bürstenschnittige Security-Chefs davon überrascht sind, dass Stagediving bei einem Hardcore-Event vorkommen kann und infolge dessen die Fotografen ihrem ohnehin zeitlich limitierten Tun des Grabens verwiesen werden. Dem Heimvorteil sei Dank passiert dies bei besagten Abenden mit Fury in the Slaughterhouse weder beim Abgleich mit der Gästeliste, die die Pforte zum Wohnzimmerclub öffnet, noch am Presseschalter von Hannover Concerts an der TUI Arena. Man scherzt, man kennt und schätzt sich.

Gesetzt den Fall, alle Hürden sind genommen und ein Pulk von 20 bis 50 Fotografen scharrt im Pressebereich mit den Füßen, so ist man in Versuchung, sich von der Spannung, die 14.000 Fans gebannt auf einen Live-Countdown blicken lässt, mitreißen zu lassen. Und genau das sollte man tun. Nur keine Scheu.

SchlieĂźlich kochen die Kolleginnen und Kollegen auch alle nur mit Wasser. Und ganz egal wer hier die fetteste AusrĂĽstung am Holster hat: Magie und der richtige Augenblick fĂĽr ein Foto lassen sich nicht erzwingen. So kann es sein, dass Profis der Studio-Fotografie, die grandiose Bilder arrangieren und Highclass-Models perfekt ausgeleuchtet inszenieren, bei Musikern oder Musikerinnen, die in ihrem eigenen Schatten baden, sich wie Kolibris bewegen, sich dynamisch oder gar nicht im Posing ĂĽben, auch mit der hochwertigsten AusrĂĽstung versagen.

Vergegenwärtigt man sich diese Bedingungen: wenig Licht, viel Bewegung, schneller Fokuswechsel, keine Zeit, so lassen sich die Einstellungen der Kamera zumindest in gewissem Maße darauf anpassen. Eine geringe Belichtungszeit, ein lichtstarkes Objektiv (beispielsweise 1/160s bei f/2.8) und ein guter Autofokus sind wichtig, ein Teleobjektiv (70-200mm) keine schlechte Idee. Und dennoch: Es gibt Fotografen, die zaubern aus einer Einwegkamera, einem Joghurtbecher und einer Handy-App größere Kunst, als so mancher vollvergoldete Vollformatvollhorst. Kurz: Gute Kameratechnik und Erfahrung sind nicht alles, sie schaden aber auch nicht.