Rechnungshof kritisiert Umsetzung der Verkehrswende
Nach EinschĂ€tzung des EuropĂ€ischen Rechnungshofs haben auch EU-Milliarden fĂŒr eine Verkehrswende wenig bis nichts an Staus, LĂ€rm und Luftverschmutzung geĂ€ndert.
Vielen StĂ€dten fehle eine Festlegung auf den Ausbau des Radwegenetzes, obwohl das billiger sei als der StraĂenbau, kritisiert der Rechnungshof.
(Bild: Pro MobilitÀt)
- dpa
Die EU-Kommission habe fĂŒr die Jahre 2014 bis 2020 rund 16,5 Milliarden Euro fĂŒr die urbane MobilitĂ€t bereitgestellt, vor allem fĂŒr U- und StraĂenbahnen sowie Radwege und intelligente Verkehrssysteme. Dennoch gebe es âkeine eindeutigen Anzeichenâ dafĂŒr, dass diese Politik wirke.
Die Autonutzung sei hoch wie eh und je, stellt der Rechnungshof fest, âund die Luftverschmutzung liegt in vielen StĂ€dten immer noch ĂŒber den sicheren Grenzwertenâ.
Kritik am ziellosen Fahrverbot
Zu Deutschland kritisiert die 66 Seiten umfassende Untersuchung, dass dort keine PlĂ€ne fĂŒr nachhaltigen Stadtverkehr vorgeschrieben seien. In anderen LĂ€ndern hĂ€tten sich solche PlĂ€ne positiv ausgewirkt. Die Experten schauten sich die Situation in acht europĂ€ischen StĂ€dten genauer an, darunter Hamburg und Leipzig. Sie kritisierten das lokal sehr begrenzte Fahrverbot fĂŒr Ă€ltere Dieselfahrzeuge in Hamburg: Es sei eingefĂŒhrt worden, obwohl nicht klar war, was das bewirke. In Leipzig gebe es interessante AnsĂ€tze wie die Umwandlung von Auto-ParkplĂ€tzen in Fahrrad-StellplĂ€tze.
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In den beiden deutschen StĂ€dten seien die Fahrpreise fĂŒr Busse und Bahnen von 2012 bis 2018 um bis zu 40 Prozent gestiegen. Gleichzeitig seien die Spritpreise gesunken. Wenn Kraftstoff billiger werde, stiegen tendenziell mehr Menschen ins Auto, warnte der Rechnungshof in der am Dienstag (3. MĂ€rz 2020) veröffentlichten Untersuchung.
Die Fachleute schauten sich auch Neapel und Palermo in Italien, Lodz und Warschau in Polen sowie Barcelona und Madrid in Spanien nĂ€her an. AuĂerdem zogen sie nach eigenen Angaben die Daten von 88 weiteren StĂ€dten heran, darunter Kopenhagen und Stockholm. Vielen untersuchten StĂ€dten fehle eine Festlegung auf den Ausbau des Radwegenetzes, obwohl das billiger sei als der StraĂenbau fĂŒr Autos und sonstige Vorteile fĂŒr den innerstĂ€dtischen Verkehr habe. Sie hĂ€tten hĂ€ufig auch keine Ziele fĂŒr den Fahrradverkehr angepeilt.
Der Rechnungshof hob in seinem Bericht einige WidersprĂŒche zu einer nachhaltigen urbanen MobilitĂ€t hervor: So sei âin Polen und insbesondere in Warschauâ die GeldbuĂe fĂŒr Autofahrer, die keine ParkgebĂŒhr bezahlen, niedriger als die GeldbuĂe fĂŒr FahrgĂ€ste im öffentlichen Nahverkehr, die ohne Ticket erwischt werden.
Vergleichbarkeit empfohlen
Der Rechnungshof empfiehlt der EU-Kommission, kĂŒnftig vergleichbare Daten zur urbanen MobilitĂ€t zu erheben und mit deren Hilfe mögliche Fortschritte zu messen. Bisher werde beispielsweise mancherorts der FuĂweg zur Bushaltestelle als Wegezeit eines Pendlers mitgezĂ€hlt und anderswo nicht.
Zweitens sollte die Kommission finanzielle Hilfen kĂŒnftig nur gewĂ€hren, wenn ein gefördertes Projekt an einen Plan fĂŒr nachhaltige urbane MobilitĂ€t geknĂŒpft sei. AuĂerdem mĂŒssten Betrieb und Instandhaltung der Vorhaben gewĂ€hrleistet sein.
(mfz)