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USA verschieben Termin fĂŒr Biometrie-Pass-Pflicht

Peter-Michael Ziegler

BĂŒrger der so genannten Visa-Waiver-Staaten können ein weiteres Jahr ohne biometrisch gesicherte PĂ€sse in die USA einreisen.

Die USA wollen BĂŒrgern der insgesamt 27 so genannten Visa-Waiver-Staaten, darunter auch Deutschland, ein Jahr lĂ€nger die Einreise ohne biometrisch gesicherte PĂ€sse erlauben. Dies wurde nach diversen Berichten im Vorfeld [1] nunmehr auch offiziell bestĂ€tigt. Zu den Visa-Waiver-Staaten gehören Andorra, Australien, Belgien, Brunei, DĂ€nemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Island, Irland, Italien, Japan, Liechtenstein, Luxemburg, Monaco, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Portugal, San Marino, Singapur, Slowenien, Spanien, Schweden und die Schweiz.

Der US-Kongress hatte beschlossen, die Visa-Freiheit am 26. Oktober dieses Jahres grundsĂ€tzlich auslaufen zu lassen. Danach sollten nur noch Personen einreisen können, die im Besitz von PĂ€ssen sind, die Chips fĂŒr die Speicherung von biometrischen Merkmalen wie FingerabdrĂŒcke und Iris-Muster enthalten.

Mehrere EU-Staaten hatten in den vergangenen Wochen jedoch erklĂ€rt, sie könnten auf Grund technischer und organisatorischer Schwierigkeiten die Frist nicht einhalten [2]. Die Ablauffrist der Visa-Freiheit fĂŒr Touristen ohne den modernen Pass endet nun am 26. Oktober 2006, sagte der Chef des Department of Homeland Security (DHS), Michael Chertoff [3], am gestrigen Mittwochabend in Washington.

Der Bundesbeauftragte fĂŒr den Datenschutz [4] Peter Schaar hat die VerlĂ€ngerung der Frist fĂŒr die EinfĂŒhrung biometrischer PĂ€sse durch die US-Regierung begrĂŒĂŸt. Die Zeit solle nun auf europĂ€ischer Ebene genutzt werden, um nochmals darĂŒber nachzudenken, ob tatsĂ€chlich der Fingerabdruck als weiteres biometrisches Merkmal in die PĂ€sse aufgenommen werden soll, erklĂ€rte Schaar am heutigen Donnerstag in Berlin. Die ursprĂŒngliche Frist der USA fĂŒr die neuen PĂ€sse ab Herbst 2005 sei ein wesentlicher Grund fĂŒr die Bundesregierung gewesen, das Dokument in Deutschland ab dem 1. November 2005 einzufĂŒhren. Mit der jetzigen Entscheidung der US-Regierung sei dieser Grund entfallen.

Der MĂŒnchner Chiphersteller Infineon und der niederlĂ€ndische Elektronikkonzern Philips haben von der Bundesdruckerei unterdessen schon AuftrĂ€ge zur Lieferung von Halbleiterelementen [5] fĂŒr die neuen deutschen BiometriepĂ€sse erhalten, die Bundesinnenminister Otto Schily Anfang Juni vorstellte [6]. Die EinfĂŒhrung der Biometrie-PĂ€sse ist, unabhĂ€ngig von den Einreisebestimmungen fĂŒr die USA, hierzulande aber stark umstritten [7]. (pmz [8])


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https://www.heise.de/-109775

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20309/1.html
[2] https://www.heise.de/news/USA-wollen-angeblich-Pass-Vorschriften-lockern-109317.html
[3] https://www.heise.de/news/Neuer-Chef-des-Department-of-Homeland-Security-benannt-126384.html
[4] http://www.bfd.bund.de/
[5] https://www.heise.de/news/Infineon-und-Philips-liefern-Chips-fuer-deutsche-Biometriepaesse-107287.html
[6] https://www.heise.de/news/Biometriepass-soll-59-Euro-kosten-106955.html
[7] https://www.heise.de/news/Kritik-am-Biometriepass-Zu-frueh-zu-teuer-und-zu-unsicher-106979.html
[8] mailto:pmz@ct.de