Ukraine: AKW Saporischschja wieder ohne Strom von außen, Notstromdiesel laufen

Erneut wird das größte Atomkraftwerk Europas nach einem Beschuss nicht mehr mit Strom von außen versorgt. Notstromdiesel haben für zehn Tage Kraftstoff.

vorlesen Druckansicht 70 Kommentare lesen

Der erste von sechs Reaktoren des AKW Saporischschja.

(Bild: IAEA)

Lesezeit: 3 Min.

Das von Russland besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja wird nach einem Beschuss nicht mehr von außen mit Strom versorgt. Für die Reaktorkühlung und andere wichtige Sicherheitsfunktionen liefen zurzeit Notstromdieselgeneratoren, teilte die Internationale Atomenergieorganisation (IAEA) mit. Ingenieure des AKW arbeiten an der Reparatur der beschädigten Stromleitung.

Getroffen worden sei am Samstag eine 750-kV-Stromleitung, die das AKW mit Strom versorgt habe, heißt es in einer Mitteilung der IAEA. Sie beruft sich dabei auch auf Informationen eigener Mitarbeiter, die seit Anfang September in dem AKW stationiert sind. Sechzehn Dieselgeneratoren seien automatisch angesprungen und hätten die sechs Reaktoren mit Strom versorgt. Nachdem sich die Situation stabilisiert hatte, seien zehn Generatoren ausgeschaltet worden, sodass sechs für den notwendigen Strom sorgen.

Alle Sicherheitssysteme der Anlage funktionieren laut IAEA normal. Obwohl sich alle sechs Reaktoren in einer Kaltabschaltung befinden, benötigen sie immer noch Strom unter anderem für die Kühlung des Brennmaterials. Die Dieselgeneratoren haben laut IAEA jeweils ausreichend Kraftstoff für mindestens zehn Tage.

Wer das Atomkraftwerk beschossen hat, ist unklar. IAEA-Generalsekretär Rafael Mariano Grossi appellierte zum wiederholten Male sowohl an Russland als auch an die Ukraine, um das AKW eine Sicherheitszone einzurichten. Er wolle bald nach Russland reisen und mit der dortigen Regierung sprechen und habe auch schon in der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit dem ukrainischen Präsidenten gesprochen, heißt es von der IAEA.

Videos by heise

Das AKW Saporischschja wurden Anfang März von russischem Militär besetzt, betrieben wird es weiterhin von ukrainischem Personal. Diese Woche nahm Russland das AKW offiziell in Besitz, es soll in die russische Wirtschaft integriert werden.

Vor der russischen Invasion wurde das AKW über vier Hochspannungsleitungen mit dem Stromnetz verbunden, alle vier sind nun unterbrochen. Die Backup-Stromleitungen, die das AKW mit einem nahe gelegenen Wärmekraftwerk verbinden, sind ebenfalls ausgefallen. Die Anlage hatte auch zuvor vorübergehend den direkten Zugang zum Stromnetz verloren, konnte dann aber immer noch Strom über verfügbare Backup-Leitungen oder über einen ihrer Reaktoren erhalten, der zu dieser Zeit noch in Betrieb war. Eine 750-kV-Leitung wurde Mitte September wiederhergestellt. Zu der Zeit erreichte das AKW auch eine Lieferung mit Ersatzteilen und Chemikalien. Die Lkw hatten auch Dieselkraftstoff dabei, damit die Notstromdieselgeneratoren länger laufen können.

Am Freitag hatten die IAEA-Experten vor Ort berichtet, dass durch Beschuss eine Stromleitung beschädigt worden sei, die die Reaktoreinheit 6 der Anlage mit Strom versorgt hatte. Sie erhielt vorübergehend Strom von ihren Notdieselgeneratoren. In der nahegelegenen Stadt Enerhodar fiel der Strom aus, nachdem Beschuss einen elektrischen Transformator im Wärmekraftwerk beschädigt hatte.

(anw)