VIA vs. Intel: Etappen-Erfolg fĂŒr VIA in England
Eine gerichtliche KlÀrung, ob Intel den PC-Markt in unfairer Weise durch Patente und restriktive Lizenzvergabe beeinflusse, sei zulÀssig, meinte ein britisches Gericht.
In einer der zahlreichen weltweiten juristischen Auseinandersetzungen zwischen Intel [1] und VIA [2] konnte das taiwanische Unternehmen jetzt einen Teilerfolg erringen: Ein englisches Berufungsgericht lieĂ ein von VIA angestrengtes Verfahren gegen den Welt-ChipmarktfĂŒhrer wegen unfairer Wettbewerbspraktiken zu. Das Berufungsverfahren war Teil einer komplizierten juristischen Strategie von VIA, um sich gegen die von Intel angestrengten Klagen wegen angeblich fehlender Lizenzen und Patentechtsverletzungen bei VIA-ChipsĂ€tzen fĂŒr den Pentium 4 zu wehren.
Die VIA-AnwÀlte wollen in England juristisch feststellen lassen, dass Intel sich im Prozessor- und Chipsatzmarkt wettbewerbswidrig verhalte und deshalb nicht berechtigt sei, seine Patente in der gewÀhlten Form gegen VIA zu nutzen. Intels AnwÀlte hatten im April vor dem englischen High Court zunÀchst erreicht, dass dieses Verfahren nicht zugelassen wurde. Das Berufungsgericht stellte nun den Aspekt in den Vordergrund, dass Intel in einem besonders wichtigen Marktsegment eine dominierende Stellung einnehme und dass im PC-Bereich die KompatibilitÀt von Hard- und Software sehr wichtig sei. Daher sei eine gerichtliche KlÀrung, ob Intel diesen Markt in unfairer Weise durch Patente und restriktive Lizenzvergabe beeinflusse, zulÀssig.
Intel und VIA, dessen Chef Wenchi Chen ehemals in den USA fĂŒr Intel arbeitete, haben sich schon hĂ€ufig vor Gericht getroffen. Unter anderem ging es frĂŒher auch um PC133-Speicher fĂŒr den Pentium III [3] und VIA-ChipsĂ€tze fĂŒr den AMD Athlon [4], doch zurzeit streitet man sich um ChipsĂ€tze fĂŒr den Pentium 4 [5]. Auch in Deutschland [6] laufen deshalb juristische Auseinandersetzungen.
Patentrechtliche Auseinandersetzungen sind in der IT-Branche an der Tagesordnung. Die HintergrĂŒnde sind fĂŒr AuĂenstehende kaum durchschaubar, meist geht es schlicht um Geld und die Kontrahenten einigen sich am Ende auf gewisse PauschalgebĂŒhren oder Umsatzbeteiligungen. Vor zwei Jahren stellten die US-WettbewerbshĂŒter der FTC eine langjĂ€hrige Untersuchung [7] gegen Intel ein, wĂ€hrend die EU wohl noch weiter forscht [8]. Intergraph kĂ€mpft seit Jahren vor Gericht mit Intel, zurzeit geht es um den Itanium-Prozessor [9]. (ciw [10])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-72227
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.intel.de/
[2] http://www.viac3.de/
[3] https://www.heise.de/news/National-verkauft-Cyrix-an-VIA-18618.html
[4] https://www.heise.de/news/Intel-zieht-eine-Klage-gegen-VIA-zurueck-51353.html
[5] https://www.heise.de/news/Intel-verklagt-Via-Technologies-54910.html
[6] https://www.heise.de/news/VIA-verkauft-auch-weiterhin-Pentium-4-Chipsaetze-in-Deutschland-69857.html
[7] https://www.heise.de/news/Intel-Kartellverfahren-anscheinend-vom-Tisch-13825.html
[8] https://www.heise.de/news/EU-Wettbewerbskommissar-Monti-bohrt-bei-Intel-nach-43179.html
[9] https://www.heise.de/news/Intergraph-verklagt-Intel-HP-und-Dell-71991.html
[10] mailto:ciw@ct.de
Copyright © 2002 Heise Medien