Wechselspiel: Zeit und Blende

Seite 2: Die Blende

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Deutlich sichtbar sind hier die Lamellen, die bei Blende 22 den Lichtdurchtritt auf ein Minimum verengen. Die Beschriftung im Objektivring, die Blende und die neben der Optik liegende Figur erscheinen scharf.

Die Blende ist eine variable mechanische Öffnung, die das Licht, das durch ein Objektiv fällt, auf einen mehr oder weniger kreisrunden Bereich einschränkt. Die Blende befindet sich zentral im Inneren eines Objektivs, meist zwischen den einzelnen Linsen oder Linsengruppen an einer bestimmten Stelle im Strahlengang. Im klassischen Fall besteht sie aus verschiebbaren Lamellen, die eine mehr oder weniger große Öffnung für das aufzunehmende Licht bilden. Die wirksame Blende ist die sogenannte Eintrittspupille – der Durchmesser, den die Blendenöffnung scheinbar hat, wenn man von vorne in das Objektiv schaut.

Bei voller Blendenöffnung und Fokussierung auf den Objektivring wird die maximale Öffnung im Inneren unscharf, auch die Figur auf der Tischplatte erscheint verschwommen.

Diese mechanisch relativ aufwendigen Lamellenblenden werden von einer Mechanik über einen Blendenring am Objektiv gesteuert (früher) oder (heute) über einen Elektromotor, der sie auf ein Signal von der Kamera auf den vorgewählten Wert schließt. Bei einfachen Kompaktkameras kann es sich auch um eine simple Kelle mit einem verkleinerten Lichtdurchtritt handeln (Schnappblende), die zum Abblenden in den Strahlengang geschwenkt wird – die lässt natürlich nur zwei verschiedene Werte zu. Wenn Sie an einer modernen Spiegelreflexkamera die Blende verstellen, merken Sie davon im Sucher normalerweise nichts – außer vielleicht, dass sich die Belichtungsanzeige ändert. Die Blende bleibt einfach voll geöffnet. Das nennt man Offenblendenmessung. Der Vorteil: Das Sucherbild bleibt unverändert hell (bei Bridgekameras mit elektronischem Sucher entfällt dies Argument, hier kann man bei gleichbleibend hellem Bild den Einfluss der Blende auf die Schärfentiefe im Prinzip direkt beobachten). An den meisten Spiegelreflexkameras gibt es eine eigene "Blendentaste", um die Blende probeweise auf den vorgewählten Wert zu schließen.

Eigentlich bildet ein aus einer oder mehreren Linsen bestehendes Objektiv ein Motiv nur in einer ganz bestimmten Entfernung "scharf" auf dem Sensor ab, wobei man diese Entfernung durch "Scharfstellen" (im einfachsten Falle ein Verschieben des Objektivs etwas weiter vom Sensor weg oder etwas näher heran) variieren kann. Da die Schärfe aber von dieser eingestellten "Schärfeebene" nur allmählich nach geringeren und größeren Entfernungen hin abnimmt, ist die sogenannte "Schärfentiefe" ein mehr oder weniger willkürlicher Begriff, der von der Definition "wie unscharf ist noch scharf" abhängt. Allgemein gilt: Je kleiner die Blendenöffnung, desto größer (weiter ausgedehnt) ist diese Schärfentiefe – je größer die Blendenöffnung, desto kleiner die Schärfenzone. Das geht aus dem flacheren Strahlengang anschaulich hervor: In einer gewissen Entfernung von der Ebene der exakten Fokussierung sind die Zerstreuungsscheibchen bei kleineren Blenden ebenfalls kleiner. Allerdings kann man ein Bild nicht durch beliebiges Abblenden immer schärfer machen – ab einer gewissen Blende gewinnt die durch Beugung des Lichtes an der engen Blendenöffnung verursachte "Beugungsunschärfe" die Oberhand und das Foto wird insgesamt wieder unschärfer.

Die Blendenzahlen errechnen sich aus Brennweite geteilt durch den sichtbaren Durchmesser der Blendenöffnung (schematische Darstellung).

Etwas verwirrend sind für den Anfänger die Begriffe "kleine Blende", "große Blende" und die sogenannten Blendenzahlen, mit denen man sie bezeichnet. Denn Blende 2,8 gilt als relativ "große Blende", Blende 11 oder Blende 16 dagegen als relativ "kleine Blende". Blende 5,6 oder Blende 8 sind mittlere Werte, wobei in der Kleinbildfotografie besonders die Blende 8 durch den Spruch "Sonne lacht, Blende acht" in früheren Zeiten besondere Prominenz besaß, da dieser Wert meist einen idealen Kompromiss zwischen der optimalen Leistung des Objektives, noch ausreichend kurzer Belichtungszeit bei mittlerer Filmempfindlichkeit und zufriedenstellender Schärfentiefe darstellt.

Der Grund dafür liegt in der rechnerischen Beziehung: Die Blendenzahl ergibt sich aus dem Quotienten von Brennweite und Blendendurchmesser: Brennweite geteilt durch den Durchmesser der wirksamen Lichtdurchtrittsöffnung. Wenn ein Objektiv eine Brennweite von f = 50 mm hat und die Blendenöffnung auch 50 mm beträgt, dann ist die Blendenzahl 50/50= 1,0 – eine "sehr große" Blende. Man spricht dann von einem sehr lichtstarken Objektiv. Solche Objektive gibt es tatsächlich, aber sie sind selten und (sehr) teuer. Realistischer ist etwa der Fall eines Objektivs mit der Brennweite 50 mm und einem Blendendurchmesser von etwa 18 mm. Der Durchmesser der Blende ist also sehr viel geringer als die sogenannte Brennweite, und aus 50/18 ergibt sich eine Blendenzahl von (gerundet) 2,8, für ein Zoom-Objektiv ein guter Wert. Festbrennweiten von 50 mm gelten dagegen bei Lichtstärke 1,8 als billig und erst bei 1,2 als exklusiv. Bei Teleobjektiven wird es enger – das 70-200 mm von Canon ist mit Lichtstärke 4 ein gutes, lichtstarkes Telezoom, und die Version mit Lichtstärke 2,8 ein teures und auch klobiges Objekt der Begierde.

Eine Blendenstufe ist die Verdoppelung oder Halbierung der Lichtmenge, die auf den Film oder Sensor trifft. Also etwa beim Verlängern der Belichtungszeit von 1/125 auf 1/60, oder von 1/60 auf 1/30 (die üblichen Werte sind oft eingängige Näherungen). Bei den Blendenzahlen ist es etwas komplizierter, weil die Fläche der Blendenöffnung die Lichtmenge bestimmt – ein Kreis mit doppeltem Durchmesser hat die vierfache Fläche. Man rechnet daher Blendenstufen mit – wiederum gerundeten – Vielfachen der Wurzel aus 2; so kommt man für einfache "ganze" Blendenstufen auf die Reihe 1,0; 1,4; 2,0; 2,8; 4,0; 5,6; 8, 11, 16, 22, 32. Übliche Schreibweisen für die Blendenzahl von z.B. 5,6 sind F5,6 oder f/5,6; das f mit dem Bruchstrich weist auf den Zusammenhang mit der Brennweite hin.