Mehr Ökostrom im Sommer – doch Ausbau der Erneuerbaren stockt

Sonne und Wind verdrängen zunehmend die fossilen Energien bei der Stromerzeugung – im Sommer wurde weniger Braun- und Steinkohle in Kraftwerken verbrannt.

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Mehr Ökostrom im Sommer – doch Ausbau der Erneuerbaren stockt

Stromproduktion in Deutschland in KW 35/2019. Mit "Kernenergie" ist Atomkraft gemeint.

(Bild: energy-charts.de)

Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Claus Haffert
  • Andreas Hoenig
  • dpa

Sonne und Wind haben in diesem Sommer die Öko-Stromerzeugung kräftig vorangetrieben – doch der weitere Ausbau vor allem der Windkraft an Land stockt. Auch bei der Solarstromerzeugung warnen Experten wegen einer auslaufenden Förderung vor Einbrüchen bei der Erzeugung.

Von Juni bis August speisten Windräder und Photovoltaikanlagen zusammen 39,3 Terawattstunden Strom ins öffentliche Netz ein, wie das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE errechnet hat. Das waren gut 10 Prozent mehr als in den Sommermonaten 2018. Deutlich weniger Strom als im vergangenen Sommer produzierten dagegen Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke. Mit den beiden fossilen Brennstoffen wurden den ISE-Zahlen zufolge 29,6 Terawattstunden Strom erzeugt. Bei der Braunkohle waren es ein gutes Drittel weniger als im Sommer 2018, bei der Steinkohle belief sich der Rückgang sogar auf 50 Prozent.

Im Zuge der Energiewende sollen Kohle, Gas und Atomkraft durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. Bis 2022 wird das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet sein, bis 2038 ist der Kohleausstieg geplant. Der Ökostrom-Anteil soll ferner bis 2030 auf 65 Prozent steigen – im ersten Halbjahr 2019 lag der Beitrag zur Deckung des Stromverbrauchs nach Zahlen des Energieverbandes BDEW bei 44 Prozent.

Allerdings sind diese Ziele in Gefahr, denn vor allem der Ausbau der Windkraft an Land ist fast zum Erliegen gekommen. "Genehmigungsstau und Klageflut belasten die Branche", hatte der BWE-Präsident Hermann Albers gesagt. Dazu kommen strenge Abstandsregelungen zu Wohnhäusern, etwa in Bayern und der Widerstand von Bürgerinitiativen vor Ort. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plant daher am 5. September ein Krisentreffen zur Windkraft mit Vertretern der Branche und der Länder.

"Mit diesem Tempo kann die Bundesregierung ihre selbstgesteckten Ziele beim Klimaschutz und bei erneuerbaren Energien nicht erreichen", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, am Mittwoch in Berlin.

Die Unternehmen seien vom "Schneckentempo" beim Ausbau der Windkraft direkt betroffen, sagte Dercks. Deutschland steige bis 2022 aus der Atomenergie aus und plane bis 2038 den Kohleausstieg. Der Strom müsse dann aus anderen Quellen kommen. Versorgungssicherheit sei für alle Unternehmen entscheidend. Bereits kurze Unterbrechungen könnten die Produktion empfindlich stören oder komplett lahmlegen. Laut DIHK-Umfragen sei bereits jetzt jedes vierte Industrieunternehmen von "kurzen Stromausfällen" betroffen.

Drei AKW sind noch in Deutschland in Betrieb (7 Bilder)

Seit März 1984 ist Block C des AKW im bayerischen Gundremmingen in Betrieb. Block A war von 1967 bis 1977 in Betrieb. Der 1984 ans Netz gegangene Block B wurde am 31. Dezember 2017 abgeschaltet, Block C – ebenfalls 1984 in Betrieb genommen – folgte Ende 2021. (Bild: kkw-gundremmingen.de)

(anw)