Kreativ fotografieren und Bilder bearbeiten mit Smartphone und Tablet

Seite 3: Smartphone und Tablet: Das Dream-Team

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"You don’t take a photograph, you make it."
-Ansel Adams (1902 –1984)

Das Beispiel Mannequin „Grunge“ hat gezeigt, wie die Mobilität der Fotoausrüstung die Einsatzmöglichkeiten im Alltag erweitert hat, kombiniert mit einem direkt nachfolgenden Gestaltungsprozess auf dem Tablet oder gleich im Smartphone.

Die Anforderungen an eine flexible Kamera erfĂĽllt das Smartphone natĂĽrlich viel besser als das Tablet, und die technischen Werte der integrierten Kamera sind beim Smartphone besser. So haben aktuelle Tablets beispielsweise bei der RĂĽckkamera nur 8 Megapixel, Smartphones bringen es hier hingegen auf 12 bis 20 Megapixel und sie haben weitere technische Vorteile bei Sensor, Optik und Prozessor.

Für die mir so wichtige Bild-Erarbeitung ist das Tablet wegen seiner Größe jedoch klar im Vorteil. Fotos werden auf ihm mit dem Finger mittels optimal anwendungsfreundlicher Apps bearbeitet und auf dem hochauflösenden

Display in erstklassiger Qualität wiedergegeben. Dabei ist die Displayfläche, die ja als Arbeitsfläche dient, beim Tablet um ein Vielfaches größer als bei einem üblichen Smartphone. Deshalb kann auf dem Tablet wesentlich präziser gearbeitet und genauer betrachtet werden. Mit diversen Apps zu hantieren, fällt ebenfalls wesentlich leichter und geht exakter von der Hand als mit dem Smartphone.

Ich fotografiere also mit dem Smartphone und erledige den weiteren Gestaltungsprozess auf dem Tablet. Das Smartphone dient dabei als eine Art Skizzenblock, der die visuelle Erinnerung festhält, das jedoch schon nahe am späteren Bild. Die ausgewählten Bilder gelangen auf verschiedene Arten auf das Tablet. Die einfachste Art ist für iOS per Air-Drop, dem im Gerät integrierten Datentransferdienst. Voraussetzung ist hierfür, dass beide Geräte in gegenseitiger Reichweite sind. Manchmal greife ich auch auf eine App zu, beispielsweise PhotoSync, wenn beide Geräte sich im selben WLAN befinden. Vorteil bei der Nutzung dieser App ist, dass auch Übertragungen von Smartphone zum PC möglich sind, und umgekehrt. Außerdem ist die Bedienoberfläche sehr übersichtlich und gerade bei der Auswahl und Übertragung von vielen Fotos ausgesprochen praktisch.

Die kompakte Bauart macht das Smartphone nicht nur mobil, sondern auch unauffällig. Ein Smartphone ist eben auch ein Kalender, Notizbuch und Telefon, mit dem ganz selbstverständlich umgegangen wird. Man kann mit einem Smartphone hantieren, ohne dass so fort potenzielle Motive Reißaus nehmen. Die Spiegelreflexkamera dagegen ist immer als ein Fotomotiv suchendes Gerät erkennbar. Wer auf der Suche nach Personenmotiven ist, ohne dabei gegen Persönlichkeitsrechte zu verstoßen, ist mit einer unauffälligen Smartphone-Kamera besser bedient. Es gibt sogar Umlenkoptiken wie die Covr, mit der Sie das Smartphone nicht mehr in Richtung des Motivs halten müssen sondern so tun können, als ob sie auf dem Smartphone nur etwas nachschauen.

Wahrscheinlich hätte meine italienische Tischnachbarin (siehe Bild) es bestimmt nicht gemocht, wenn ich mit der DSLR-Kamera im Schatten ihres Tisches die betörenden Absätze ins Visier genommen hätte. Hier war die Diskretion im Umgang mit der Fototechnik nützlich. Auch die Ruhe des Zeitungslesers am Nachbartisch (siehe Bild) konnte eingefangen werden ohne ebendiese zu stören. Die idyllische Umrandung mit rankendem Grün schafft eine wohltuende Rahmenwirkung um die Person herum. Um das Auge zum eigentlichen Motiv hinzuführen, und um vom Caféhausstuhl, der vordergründig im Weg stand, abzulenken, wurde hier ein Blur-Effekt eingesetzt, der nachträglich auf dem Tablet in der App Snapseed hinzukam.

Hier wollte jemand seine Ruhe haben. Die unauffällige Smartphone-Kamera lies dem Zeitungsleser seine Ungestörtheit und verhalf mir zu einem schönen Motiv. Dieses wurde anschließend auf dem Tablet, besonders im Vordergrund, verändert, um den sitzenden Mann als zentrale Bildaussage wirken zu lassen.