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SME Server
Der SME Server, der ursprünglich als E-Smith und später von Mitel entwickelt wurde, steht inzwischen unter der Obhut der SME Server Inc. Er ist die einzige Distribution unter den hier besprochenen, die nicht (mehr) von einer Firma mit kommerziellen Absichten entwickelt wird. Entsprechend wenig gibt es über die Motive beim Vertrieb zu sagen – es bleibt der Appell an die Nutzer, die Nicht-kommerzielle SME Server Inc. mit einer Spende zu unterstützen.
Auch der SME Server baut auf CentOS 4.3 auf. Anders als ClarkConnect verwendet er das auf RPM-Systemen verbreitete Yum als Paketmanager. Es gibt deutsche Foren, deutsche Dokumentation und eine international aktive rege Gemeinde, die Erweiterungen für den Server baut und verteilt – teils auch kommerziell. Dreh- und Angelpunkt für diese Aktivitäten sind die Foren, die derzeit auf contribs.org gehostet sind.
Der Ansatz des SME Server fällt im Vergleich zu Clark und Collax minimalistisch aus. Das lässt sich weniger an der integrierten Software festmachen – hier steht SME den anderen nur geringfügig nach –, sondern vor allem an der Weboberfläche, die vergleichsweise wenig Optionen bietet: Statt einer ausgefeilten Bedienoberfläche und einem Regeleditor für die Firewall gibt es neben einer Funktion zum Einrichten einer Port-Weiterleitung nur eine Konfigurationsseite für den Fernzugriff, auf der sich die Fernadministration, VPN-Zugang, SSH und FTP ein- und ausschalten lassen.
Bereits bei der Installation legt man fest, wie sich der Server verhalten soll: Er kann als alleinstehender Server, Server und Gateway sowie als privater Server und Gateway arbeiten. "Privat" heißt in dem Fall, dass die Gateway-Funktion von außen eingehende Verbindungen nicht zulässt, also die Webseiten auf dem Server nicht (automatisch) im Internet zugänglich sind.
Optionen, um andere Dienste auch der Welt zugänglich zu machen, etwa E-Mail oder Webseiten, finden sich dort, wo diese Dienste generell konfiguriert werden. Im Fall von POP3 oder IMAP für E-Mail gibt die Weboberfläche vor, dass diese nur in der per SSL abgesicherten Variante für den Rest der Welt freigegeben werden. Andernfalls bleiben sie auf den internen Einsatz beschränkt.
Für die Freigabe von Verzeichnissen auf dem Server führt der SME Server so genannte "Information-Bays" (i-bays) ein. Für den Zugriff von Windows-Clients (SMB) und Macs (AFP) aus richtet das System die Freigaben automatisch ein. Ob sie auch per FTP oder HTTP zugänglich sind, kann man individuell festlegen. Für HTTP-Zugriffe werden Verzeichnisse angelegt, um auch CGI, PHP oder SSI-Daten auf der Freigabe abzulegen.
Positiv fällt auf, dass der SME Server penibel auf die Güte der Passwörter achtet. In unseren Tests war es geradezu lästig, seinen Ansprüchen zu genügen: mindestens sieben Zeichen, ein Großbuchstabe, ein Sonderzeichen, eine Ziffer und nicht in einem Wörterbuch enthalten. Der SME Server leistet sich als Einziger nicht den Fauxpas, Passwörter bei der Eingabe im Klartext anzuzeigen.
Die Weboberfläche ist schnell, deutschsprachig und verlinkt direkt in ein deutsches Handbuch-Wiki. Manchmal treffen die Links allerdings nicht. Für die E-Mail-Protokolle gibt es diverse Funktionen zur Auswertung und Zusammenfassung. Die Systemprotokolle wirft die Oberfläche hingegen 1 : 1 ohne weitere Auswertungsfunktionen dem Benutzer vor die Füße. Mitunter genehmigt sich der SME Server nach großen Konfigurationsänderungen einen in der Linux-Welt eher ungewöhnlichen Neustart.
Der Server kann auf Wunsch regelmäßig nach Viren im Dateisystem suchen und sie isolieren. Wie sich das beispielsweise auf plötzlich verschwundene Mailboxdateien im E-Mail-Server auswirkt, müsste man separat untersuchen. Ein wirklich brauchbarer Ansatz scheint das nicht zu sein.
Eine Möglichkeit, administrative Aufgaben, etwa die Backup-Funktion von einem ausgewählten Benutzer erledigen zu lassen, fehlt. Apropos Backup: Hier gereicht sein eher pragmatischer Ansatz dem SME Server zum Nachteil, denn ohne SCSI-Streamer gibt es gar kein Vollbackup. Abhilfe zeigt der bereits erwähnte c't-Artikel.
Auch bei den Druckfunktionen bekleckert sich der SME Server nicht mit Ruhm. Als Basis benutzt er LPRng, das anders als das heute übliche CUPS nicht mit einer Aufbereitungsfunktion für Druckdaten dienen kann. Die Clients benötigen also passende Treiber, um Daten auf einen Drucker auszugeben, der am SME Server angeschlossen ist. Gerade im Mac-Umfeld kann das mitunter schwierig sein; CUPS dagegen kann eingehendes PostScript für die meisten Drucker übersetzen.