Zeitdienst

Seite 3: NTP-Server aufsetzen

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Wer seinen eigenen Zeitserver aufsetzen möchte, sollte einige Zeit einplanen und sich mit Geduld wappnen, denn jede Änderung an der Konfiguration erfordert einen Neustart des Serverprozesses. Danach nimmt sich ntpd einige Minuten, bevor er Clients bedient oder auch nur den Debugging-Tools sinnvolle Angaben macht. Der Hardware-Uhr des Rechners vertraut er anfangs gar erst nach einer Stunde.

Bei ersten Aufrufen beendet sich ntpd oft gleich wieder, weil er nur laufen mag, wenn die Uhr nicht mehr als 1000 Sekunden von der Referenzzeit abweicht. Dann gibt man dem Programm entweder die Option -g mit, oder stellt die Uhr vorher mit ntpdate.

# Datei /etc/ntp.conf
driftfile /etc/ntp/drift
# Zeit-Quellen
server 127.127.1.0
fudge 127.127.1.0 stratum 10
server ntp1.t-online.de iburst
server ntp1.ptb.de iburst prefer
# Schluessel fĂĽr ntpdc
keys /etc/ntp/keys
trustedkey 1
requestkey 1

Seine Einstellungen liest ntpd aus der Datei /etc/ntp.conf. Mit der Option driftfile gibt man eine Datei an, in der ntpd nach jeweils einer Stunde Laufzeit einen Wert zur Korrektur der Systemuhr ablegt. So kann das Programm seinen internen Regelkreis beim nächsten Aufruf sofort initialisieren, ohne die Rechneruhr erst lange zu beobachten.

Jede Quelle für die Zeitsynchronisation steht in einer eigenen server-Zeile in ntp.conf. Neben NTP-Servern können dies auch lokal angeschlossene Uhren sein. Zum ntp-Paket gehört eine Auswahl an Treibern für verschiedene Uhrmodule, die über Pseudo-IP-Adressen angesprochen werden. So trägt der Treiber für den RTC-Baustein auf dem Mainboard die Adresse 127.127.1.0. Eine Zeile, die mit fudge beginnt, setzt zusätzliche Optionen für eine Zeitquelle, im Beispiel ein sehr hohes Stratum für die RTC, so dass ntpd nur darauf zurückgreift, wenn kein NTP-Server erreichbar ist.

Ein hinter die Serveradresse gestelltes iburst beschleunigt die anfängliche Synchronisation, da ntpd so gekennzeichnete Server anfangs mit mehr NTP-Paketen abfragt als üblich und so schneller die zur Bewertung erforderlichen Daten sammelt. Die Option prefer auf einer Serverzeile veranlasst ntpd, diesen Server zu bevorzugen, wenn mehrere Server als gleich gute Quellen zur Synchronisation bewertet werden.

Bei dieser Bewertung sortiert ntpd die erreichbaren Quellen nach dem Stratum, der Paketlaufzeit im Netzwerk (Delay), der Abweichung von der eigenen Uhr (Offset) und der Streuung der letzten Offset-Angaben (Jitter). Die nach diesen Kriterien beste Zeitquelle benutzt der Server dann als Referenz. Daher kommt der Auswahl geeigneter NTP-Server einige Bedeutung fĂĽr den stabilen Betrieb eines eigenen Servers zu.