MIT Technology Review 2/2019
S. 68
Fokus
Windkraft

Wind ohne Kraft

Während die CO₂-Konzentration steigt, stockt der Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Die Kapazität der Windkraft droht sogar zu sinken. Wie konnte das passieren?

Um die Hunderte Meter hohen Windräder aufzubauen, sind riesige Kräne nötig. Anders als das Bild suggeriert, steht das Gerät in diesem Fall allerdings nicht auf, sondern hinter dem Anlagenturm. Foto: Ulrich Mertens

Im vergangenen Jahr lieferten 30000 Windräder rund 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms. Glaubt man den Ankündigungen der Bundesregierung, wird der Anteil in den nächsten Jahren gewaltig steigen. In Wahrheit weht in Berlin aber ein anderer Wind. Wenn es schlecht läuft, schrumpft der Windkraftwerkspark ab 2021. Dann nämlich fallen die ersten Anlagen aus der Förderung, ohne die sich ihr Betrieb oft nicht mehr lohnt (siehe Seite 82). In den Folgejahren bis 2026 summiert sich die Leistung der altersbedingten Abschaltungen auf bis zu 17 Gigawatt – damit ist knapp ein Drittel der derzeit installierten Gesamtleistung in Gefahr. Das alles wäre nicht weiter schlimm, würden genug neue Anlagen gebaut. Doch Konstruktionsfehler im Regelwerk zur Vergabe der nötigen Lizenzen drohen, das zu verhindern.

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