Grenzgängerin: Fujifilm FinePix HS20 im Test
Seite 2: Testbilder, Fazit
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Schwenkpanoramen fertigt die HS20 nur mit maximal 1624 Pixeln vertikaler Auflösung an, wahlweise über einen Winkel von 120, 180 oder 360 Grad. Nahtstellen waren auch bei problematischen Szenen, etwa in Innenräumen, kaum oder überhaupt nicht zu erkennen. Belichtung, Fokus und Weißabgleich stellt die Kamera nur zu Beginn der Aufnahme ein. Wo innerhalb des Aufnahmebereichs Über- oder Unterbelichtungen drohen, konnten Extreme allerdings durch eine gezielte Belichtungskorrektur abgefangen und die Bilder mit wenigen Handgriffen am PC auf eine passende Gesamthelligkeit gebracht werden.
Bei einem (möglichen) Motivabstand von 1 cm macht sich eine "natürliche" Abschattung durch das große Objektiv bemerkbar.
Bei 3 cm Abstand sind die Makro-Ergebnisse tadellos.
Eine verlässliche Schärfekontrolle aufgenommener Bilder bereitet dank des schnellen, stark vergrößernden Wiedergabezooms allerdings keine Probleme. Ausschließlich für Notfälle ist der elektronische Sucher geeignet. Wo helles Umgebungslicht im spiegelnden Display der FinePix jede Darstellung überstrahlt, vermittelt der Sucher immerhin einen ungefähren Eindruck des Motivs. Die mit 200.000 Subpixeln viel zu geringe Auflösung lässt eine Beurteilung feiner Details allerdings ebenso wenig zu wie eine fundierte Schärfekontrolle.
Steuern und regeln
Deutlich mehr Spaß als ein Blick durch den Sucher macht die allgemeine Handhabung der HS20. Tasten und Drehräder bieten gut definierte Druck- beziehungsweise Rastpunkte, die Oberfläche ist ausgesprochen griffig und wirkt zudem ergonomisch gut geformt. Für oft benötigte Einstellungen wie den Weißabgleich oder die Empfindlichkeit gibt es dedizierte Tasten. Das Menü wiederum wurde lediglich in die Bereiche Aufnahme und Einstellungen unterteilt, die Zahl der jeweiligen Einträge ist für eine übersichtliche und vor allem zügige Navigation zu groß geraten. Im Gesamteindruck der Kamerabedienung überwiegen dennoch die gut gelösten Details, etwa das schnelle Zu- oder Abschalten der RAW-Speicherung mit einem einzelnen Tastendruck. Eine positive Überraschung gab es schließlich noch bei der Stromversorgung. Hier setzt Fujifilm auf herkömmliche AA-Akkus, was zwar prompte Ersatzbeschaffung auch außerhalb großer Städte erlaubt, zugleich aber oft mit eher kurzen Laufzeiten einher geht. Im Test mit der HS20 war der erste Akkuwechsel erst nach etwa 200 Aufnahmen mit teils sehr langen Einstell- und Betrachtungszeiten erschöpft. In der normalen Fotopraxis dürfte die im Datenblatt versprochene Reichweite von etwa 400 Aufnahmen mit NiMH-Zellen problemlos erreicht werden.
Fazit
Die HS20 fügt dem Für und Wider von Bridge- und Systemkameras weitere Facetten hinzu. Klare Vorteile für große Sensoren gibt es, trotz "Pro-Focus"-Trick und EXR-Sensor, weiterhin bei Schärfetrennung, Detailwiedergabe und Rauscharmut. Dem mittels EXR-Schaltung erweiterten Dynamikumfang wiederum hat manche Systemkamera nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen, noch weniger dem riesigen Brennweitenumfang des für Bridgekameras vorbildlichen Drehzooms. Dank wirksamer Bildstabilisierung darf die extreme Telebrennweite sogar als praxistauglich gelten. Die sehr guten Makroleistungen der HS20 erreichen Systemkameras nur mit meist teuren Spezialobjektiven, Retro-Lösungen einmal ausgenommen.
ISO-Reihe Fuji Finepix HS20 (9 Bilder)

Testaufbau Gesamtansicht ISO 100
Wenn es um schnelles Fokussieren auch unter schlechten Lichtbedingungen geht, muss sich die HS20 den meisten Systemkameras und hier insbesondere den mit Phasen-AF ausgestatten SLRs geschlagen geben. Vor den Leistungen anderer Bridgekameras muss sich das AF-System der FinePix allerdings nicht verstecken. Deutlich unter dem aktuellen Klassenniveau liegt der elektronische Sucher der HS20. Fotografen ohne SLR-Wurzeln verweisen hier allerdings auf das dank Schwenkmechanik oftmals nützlichere Farbdisplay der HS20 – durchaus zu Recht. Gute Argumente für die HS20 liefern auch die Highspeed-Serienfotos, die trotz reduzierter Leistung immer noch interessanten Zeitlupenvideos und die sehr ordentlich implementierten Schwenkpanoramen.
Ein Kaufentscheidung zwischen der FinePix HS20 und vergleichbar günstigen Systemkameras fällt dennoch schwer. Als exzellente Allroundkamera und besonders starke Vertreterin ihrer Klasse bietet die HS20 fast alles, was das Herz engagierter Fotografen begehrt – wenn auch zum Teil mit kleineren Abstrichen. Echte, fein dosierbare Schärfetrennung aber bleibt weiterhin ein Privileg großer Sensoren; mittelfristig vielleicht das letzte. (cm)