Nikon 5,6/200-500 mm: Preisknaller im Praxistest
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Verarbeitungsqualität, Handling
Im Vergleich mit gängigen Objektiven gemäßigter Brennweiten wirkt das 200-500 mm geradezu furchteinflößend groß. Mit einer Baulänge von 26,7 Zentimetern und einem Gewicht von satten 2,3 Kilogramm ist es selbst im Vergleich mit einem lichtstarken Telezoom wie dem Nikon 2,8/70-200 mm (20 Zentimeter/1,5 kg) sehr imposant. Zum Vergleich: Das minimal lichtschwächere Tamron 200-500mm/5-6.3 wiegt nur 1,3 Kilogramm.
Die Frontlinse ist beim Nikkor mit 95 Millimetern ebenfalls nicht gerade zierlich. Sie dreht sich beim Fokussieren nicht mit, der Innenfokussierung sei Dank. Die Sonnenblende des 200-500 mm ist üppig dimensioniert und würde auch als Blumentopf durchgehen. Wenn man von 200 auf 500 Millimeter zoomt, fährt das Objektiv ein gutes Stück aus. Bei 500 Millimetern und mit aufgesetzter Sonnenblende ergibt sich eine Gesamtlänge von 43,5 Zentimetern.
Das Nikon 5,6/200-500 mm im Detail (6 Bilder)

Größenvergleich I
Leichte Kopflastigkeit
Die Verarbeitungsqualität ist gut. Wenn man es in die Hand nimmt, vermittelt das Objektiv trotz Kunststoff-Fassung einen beruhigenden Eindruck von Solidität. Der Stativfuß ist robust und hält das Gewicht auf einem entsprechenden Stativkopf sicher. Wir hätten uns allerdings gewünscht, dass er etwas länger wäre oder zumindest im vorderen Bereich noch eine zweite Bohrung hätte. Grund: Schon im eingefahrenen Zustand ist das Objektiv mit der vorgesehenen Bohrung etwas kopflastig. Diese Kopflastigkeit tritt übrigens nicht nur mit der D7000, sondern auch bei schwereren Kameras wie der Nikon D810 auf. Bei ausgefahrenem Zoom verstärkt sich der Effekt.
Bajonett und Pumpeneffekt
Bei unserem Testexemplar saß das Objektiv mit etwas mehr als dem üblichen Spiel im Kamerabajonett. Bei 200 Millimetern Brennweite kann man das Objektiv mit einem Schiebeschalter arretieren. Wenn man das Objektiv ohne Arretierung kopfüber transportiert, fährt sich der Objektivtubus selbstständig auf 500 Millimeter aus. Apropos Zoom: Wenn man beherzt am Zoomring dreht, pumpt das Objektiv durch die Längenänderung des Tubus ordentlich Luft. Das ist grundsätzlich bei derartigen Zooms unvermeidbar und saugt auch ohne Objektivwechsel im Lauf der Zeit unweigerlich Staub auf den Sensor. Bei einem großen Drehzoom wie dem Supertele ist der Effekt spürbar stärker ausgeprägt, weil ganz andere Luftmassen bewegt werden, als bei einem kleinen Objektiv (z.B. 16-85 mm). Man spürt beim schnellen Zoomen mit dem Supertele den Luftzug deutlich an der Hand.
Freihand-Bedienung
Das Objektiv ist als Drehzoom konzipiert. Um den kompletten Brennweitenbereich zu durchzoomen, muss man den Zoomring um 180 Grad drehen. In der Praxis hat man die Wahl: Entweder zweimal nachfassen oder die Hand unergonomisch weit drehen. Wenn man im Freihandbetrieb zoomen möchte, ist also einiges Geschick erforderlich. Gleiches gilt für das freihändige manuelle Fokussieren. Beim alten Schiebezoom Nikon 2,8/80-200 mm war das ergonomischer gelöst: Dort hatte man nur einen sehr breiten Ring, welcher gleichzeitig zum Zoomen (Schieben) und zum Fokussieren (Drehen) genutzt wurde. Damit konnte man freihändig gut arbeiten. Das ist beim 200-500-mm-Objektiv definitiv nicht der Fall. Hier empfiehlt sich allein wegen des hohen Gewichts generell der Einsatz auf einem Stativ.
Im Objektiv hat Nikon eigenen Angaben zufolge die neue Generation der Vibrationsreduktion (VR) verbaut. Bis zu 4,5 Blendenstufen soll der VR kompensieren. FĂĽr Sportaufnahmen gibt es einen eigenen Modus. Da wir aus den oben beschriebenen GrĂĽnden mit einem Stativ gearbeitet haben, wurde der VR von uns nicht gesondert getestet.