Warcraft 3: Reforged im Test: Liebevolle Grafik trifft auf schlechte Performance

Seite 3: Classic-Spieler erhalten „Reforged Lite“

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Mit dem Erscheinen von Reforged migriert Blizzard alle Classic-Spieler zum Battle.net 2.0 samt Battle.net-Client. Dazu erhalten alle Spieler, die einen Code für Reign of Chaos und/oder The Frozen Throne in ihrem Blizzard-Account hinterlegt haben, einen Zugang zur Reforged-Version von Warcraft 3, können allerdings nur die Classic-Grafik auswählen. Infolgedessen muss Blizzard nur eine Spieleversion warten – den alten Client mit Battle.net-1.0-Login innerhalb des Spiels gibt es nicht mehr.

Schon vor dem Release von Reforged veröffentlichte Blizzard zahlreiche Patches für Warcraft 3. Die wahrscheinlich einflussreichste Änderung betraf das Hosting-System mit dem Patch 1.30.02 vom November 2018: Blizzard hat zu dem Zeitpunkt das geradezu altertümliche Peer-to-Peer-System durch dedizierte Server ersetzt. Wer eine Online-Spiele-Lobby eröffnen möchte, muss folglich nicht mehr umständlich den Port 6112 am Router öffnen. Dank der Server laufen Partien weiter, wenn der Host das Spiel verlässt. Die Pings sind durchschnittlich niedriger und Spieler können sich kontinentübergreifend zusammenschließen.

Die Änderung war umstritten, weil damit die (Auto-)Hosting-Bots ausgestorben sind, welche gegen 2010 die Custom-Map-Community antrieben. Allen voran die Bots des ENF-Clans haben automatisiert Maps gehostet und mit Features wie geringen Pings und Ranglisten geworben. Der Multiplayer von Warcraft 3 wurde so über Jahre hinweg am Leben erhalten, jedoch hat der ENF-Clan das RTS-Spiel zuletzt immer mehr vereinnahmt. Das Auto-Bot-Hosting artete zu Spam aus, indem die Bots Dutzende Male dieselbe Map eröffnet haben. Normale Spieler-Hosts gingen in der Lobby-Liste sofort unter, sodass man kaum noch Maps abseits der ENF-Norm im Online-Multiplayer spielen konnte.

Befürchtungen, dass Warcraft 3 ohne Auto-Host-Bots ausstirbt, haben sich bislang nicht bewahrheitet: Wir hatten in den vergangenen Wochen keine Probleme, genügend Mitspieler für allerlei Fun-Maps wie "Footmen Frenzy" ("Footy"), "Kodo Tag", "Wintermaul" und "Battleships" zu finden. 2018 wäre das undenkbar gewesen.

Die neue Multiplayer-Lobby von Warcraft 3 über Battle.net 2.0, die auch Besitzer der Classic-Version erhalten.

(Bild: Mark Mantel / heise online)

Den World-Editor zur Erstellung von Fun-Maps hat Blizzard derweil deutlich ausgebaut. Modder können seit Patch 1.29 vom April 2018 deutlich größere Karten für bis zu 24 statt 12 Spieler mit mehr Objekten erstellen. Übrigens trug der World-Editor in den letzten 18 Jahren viel zum Erfolg von Warcraft 3 bei: Er erlaubt Moddern allen möglichen Unfug mit sämtlichen Assets aus dem RTS-Spiel und dank Importfunktion darüber hinaus. Warcraft 3 begründete so kurzerhand komplett neue Genres, wie die Multiplayer Online Battle Arenas (MOBAs) mit Defense of the Ancients (DOTA 1) – aktuelle Genre-Vertreter wie League of Legends und das eigenständige DOTA 2 machen Milliardengewinne.

Weitere Änderungen betreffen das Balancing. Vor allem wenig genutzte Helden und Einheiten hat Blizzard gestärkt, um wenig gespielte Taktiken attraktiver zu gestalten. Obwohl die Völker schon früher nach dem Prinzip Schere, Stein, Papier gut funktionierten, haben sich über die Jahre häufig gespielte "Metas" herauskristallisiert. Ein Orc zum Beispiel fing in den allermeisten Fällen mit dem Klingenmeister-Helden an, jetzt sieht man auch eher mal einen Scharfseher als ersten Helden.

Allen Problemen zum Trotz hat Warcraft 3: Reforged seinen Charme. Wer das alte Echtzeitstrategiespiel mochte, dürfte sich auch an der neuen Version erfreuen. Vor allem die neuen Modelle sehen rundum toll aus. Das Gameplay von Warcraft 3 sorgt selbst 18 Jahre nach der Veröffentlichung für reichlich Spaß. Käufer sollten lediglich kein runderneuertes Remake erwarten, wie es Blizzard gerne propagiert. Unter der Haube von Warcraft 3: Reforged gibt es kaum Änderungen, worunter die Performance leidet.

Fans des alten Warcraft 3: The Frozen Throne können wir dank des kostenlosen Updates auf Battle.net 2.0 einen neuen Blick in den Multiplayer wärmstens empfehlen. Mit den Patches der letzten zwei Jahre, die schlussendlich zu Reforged führten, hat Blizzard dem Strategiespiel von 2002 neues Leben eingehaucht. In der Lobby kann man Gleichgesinnte wieder für weniger bekannte Fun-Maps begeistern und somit alte Lieblinge neu entdecken – das geht auch mit der alten Version, ohne noch mal 30 Euro ausgeben zu müssen.

Wir hätten uns derweil mehr Mut von Blizzard für ein Warcraft 4 gewünscht, welches das Echtzeitstrategiespiel ohne Altlast an allen Stellen verbessert. Dafür müsste Blizzard das Rad gar nicht mal neu erfinden. Eine moderne Engine, zeitgemäße Grafik, ein neues Volk wie die Hochelfen oder Naga und für Fans der Blizzard-Cinematics eine weiterführende Singleplayer-Kampagne würden vermutlich schon genügen. Dazu der bekannte Modding-Support und voilà.

Grafikvergleich Classic vs. Reforged.

(mma)