Infineon drohen weitere hohe Belastungen durch Qimonda
Abschreibungen und operative Verluste der Speicherchip-Tochter Qimonda haben den Halbleiter-Konzern Infineon im 2. GeschĂ€ftsquartal mit 1,37 Milliarden Euro in die roten Zahlen gedrĂŒckt. Ohne Qimonda machte Infineon einen Gewinn von 19 Millionen Euro.
Dem Halbleiter-Konzern Infineon [1] drohen weitere hohe Belastungen durch seine Speicherchip-Tochter Qimonda [2]. Dabei muss der Mutterkonzern nicht nur im operativen GeschÀft mit anhaltenden Verlusten rechnen. Wenn der Qimonda-Kurs am Ende des laufenden Quartals unter 6,50 US-US-Dollar liegt, muss Infineon auch weitere Abschreibungen vornehmen, wie Finanzchef Marco Schröter am heutigen Mittwoch in einer Telefonkonferenz bestÀtigte. Es sei sowohl eine Auf- als auch eine weitere Abwertung möglich.
Zum Jahresanfang hatte Infineon seine Beteiligung noch zu 12 US-US-Dollar in den BĂŒchern stehen. Nachdem die Mutter das GeschĂ€ft jedoch als "nicht fortgefĂŒhrt" deklariert hatte, musste sie abwerten â und kam auf 6,50 US-Dollar. Daraus resultierte eine Abschreibung ĂŒber eine Milliarde Euro. Der aktuelle Börsenkurs von Qimonda liegt aber noch tiefer bei 3,56 US-Dollar.
Die Milliarden-Abschreibung [3] und operative Verluste der Tochter drĂŒckten Infineon im zweiten GeschĂ€ftsquartal mit 1,37 Milliarden Euro in die roten Zahlen [4]. Ohne Qimonda machte Infineon einen Gewinn von 19 Millionen Euro. Der Umsatz im fortgefĂŒhrten GeschĂ€ft sank von 1,09 auf 1,049 Milliarden Euro.
Dennoch stand die Infineon-Aktie am Nachmittag 4,28 Prozent im Plus bei 5,36 Euro. Getrieben wurde sie von Spekulationen, Finanzinvestoren seien an einer Ăbernahme interessiert. Konzernchef Wolfgang Ziebart stellte allerdings klar: "Wir befinden uns nicht in GesprĂ€chen mit Private-Equity-Leuten."
Die Tochter Qimonda hatte am Montagabend aufgrund des drastischen Preisverfalls bei Speicherchips den vierten Quartalsverlust in Folge vermeldet. Das Minus summierte sich auf 482 Millionen Euro. Die Konzernmutter Infineon leidet jedes Mal mit, da sie noch 77,5 Prozent hÀlt. Bis zur Hauptversammlung 2009 soll der Anteil auf unter 50 Prozent fallen.
Infineon spricht derzeit mit Interessenten. Namen wollte Konzernchef Wolfgang Ziebart aber nicht verraten. Im Markt und in Medien war immer wieder ĂŒber Kaufabsichten direkter Wettbewerber Qimondas aus Asien und den USA spekuliert worden. Branchenkenner zweifeln jedoch an solch einem Szenario, leiden doch auch die Konkurrenten unter dem Ăberangebot am Speichermarkt und schreiben Millionenverluste.
Einen Verkauf an einen Finanzinvestor wiederum hĂ€lt Ziebart selbst fĂŒr unwahrscheinlich. "Wir sehen den klassischen Private-Equity-Deal als beschrĂ€nkt an", sagte er. Finanzinvestoren seien an solch volatilen GeschĂ€ftsfeldern wie den Speicherchips (DRAM) nicht interessiert. Findet sich kein KĂ€ufer, will Infineon seine Beteiligung als Sachdividende an die AktionĂ€re verschenken oder gegen eigene Aktien eintauschen.
Auch im KerngeschĂ€ft mit Steuerungschips fĂŒr Auto und Industrie sowie fĂŒr die Telekommunikationstechnik lĂ€uft es bei Infineon weiter nicht rund, wenngleich besser als von Analysten vermutet. In der Auto- und Industriesparte AIM blieb der Umsatz fast konstant bei 741 Millionen Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) hingegen fiel auf 69 Millionen Euro. In der Kommunikationssparte COM verschlechterte sich der Umsatz auf 302 Millionen Euro und verdreifachte sich der EBIT-Verlust auf 29 Millionen Euro.
Im dritten GeschĂ€ftsquartal versucht Infineon, den Umsatz stabil zu halten, schlieĂt aber auch einen leichten RĂŒckgang nicht aus. Das EBIT sieht der Konzern sinken. Die Gesamtjahresprognose bestĂ€tigte das Unternehmen. Demnach hofft Infineon auf einen steigenden Umsatz und ein positives EBIT. FĂŒr das nĂ€chste GeschĂ€ftsjahr ist Vorstandschef Ziebart dagegen weniger zuversichtlich gestimmt als in der Vergangenheit. Wenn sich das VerhĂ€ltnis von Euro zum US-Dollar auf dem aktuellen Niveau von 1,60 einpendeln sollte, "wird es nicht möglich sein, eine EBIT-Marge von 10 Prozent zu erreichen".
Halbleiter werden in der Regel in US-Dollar abgerechnet; Infineon produziert aber zu groĂen Teilen im Euro-Raum. Das Hauptwerk liegt in Dresden. Entsprechend anfĂ€llig ist das Unternehmen fĂŒr Wechselkurs- Schwankungen. Dem will Infineon mit einer verstĂ€rkten Produktion in NiedriglohnlĂ€ndern begegnen. PlĂ€ne fĂŒr einen Stellenabbau speziell in Deutschland gebe es jedoch nicht, beruhigte Ziebart. "Das heiĂt aber nicht, dass wir eine Arbeitsplatzgarantie abgeben."
Siehe dazu auch:
- Infineon beiĂt in den sauren (Qimonda-)Apfel [6]
- Speicherchip-Hersteller Qimonda leidet unter sinkenden Speicherpreisen [7]
- Infineon bleibt unter Druck [8]
- Infineon-Chef rÀumt Fehler bei Qimonda ein [9]
- Bei Infineon lÀuft es nicht rund [10]
- Im Schatten der Tochter: Infineon noch einmal von Qimonda belastet [11]
- Infineon will Qimonda kein Geld mehr geben [12]
- Qimonda: "Infineon will Qimonda weiter loswerden [13]
- Qimonda: "Erholung der Chip-Preise nicht in Sicht [14]
- Qimonda leidet unter "schwierigen Marktbedingungen [15]
- Infineon verkauft Qimonda-Anteile mit Buchverlust [16]
- Qimonda-Börsengang: Gute Mienen zum bösen Spiel [17]
- Qimonda kommt fĂŒr 13 Dollar an die Börse [18]
- Aus Infineons Speicherchip-Sparte wird Qimonda [19]
- Ungeliebte Speicherchips: Alle haben Angst vorm Schweinezyklus [20]
(dpa) / (pmz [21])
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- https://www.heise.de/news/Qimonda-beschert-Infineon-Milliardenverlust-202232.html
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- https://www.heise.de/news/Speicherchip-Hersteller-Qimonda-leidet-unter-sinkenden-Speicherpreisen-201781.html
- https://www.heise.de/news/Infineon-bleibt-unter-Druck-179850.html
- https://www.heise.de/news/Infineon-Chef-raeumt-Fehler-bei-Qimonda-ein-179120.html
- https://www.heise.de/news/Bei-Infineon-laeuft-es-nicht-rund-176780.html
- https://www.heise.de/news/Im-Schatten-der-Tochter-Infineon-noch-einmal-von-Qimonda-belastet-186515.html
- https://www.heise.de/news/Infineon-will-Qimonda-kein-Geld-mehr-geben-186295.html
- https://www.heise.de/news/Infineon-will-Qimonda-weiter-loswerden-184335.html
- https://www.heise.de/news/Qimonda-Erholung-der-Chip-Preise-nicht-in-Sicht-184198.html
- https://www.heise.de/news/Qimonda-leidet-unter-schwierigen-Marktbedingungen-181696.html
- https://www.heise.de/news/Infineon-verkauft-Qimonda-Anteile-mit-Buchverlust-177748.html
- https://www.heise.de/news/Qimonda-Boersengang-Gute-Mienen-zum-boesen-Spiel-150574.html
- https://www.heise.de/news/Qimonda-kommt-fuer-13-Dollar-an-die-Boerse-Update-150192.html
- https://www.heise.de/news/Aus-Infineons-Speicherchip-Sparte-wird-Qimonda-114320.html
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