Neuzulassungen in April 2010

Die Verhältnisse im Fahrzeugmarkt stimmen wieder: Es darf wieder ein Sport- oder Geländewagen sein, Dienstwagen sind wieder gefragt. Doch das Gesamtniveau präsentiert sich dürftig

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Von
  • Gernot Goppelt
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Die Normalität im Neuwagenmarkt ist nach dem turbulenten Abwrackgeschäft des letzten Jahres trübe. 259.414 verkaufte Pkw bedeuten einen Rückgang von 31,7 Prozent im Vergleich zum April 2009, selbst gegenüber 2008 ist das Ergebnis um 18,4 Prozent schlechter. Dass die Musik mittlerweile woanders spielt, zeigen sogar die europäischen Zulassungszahlen, die im April ebenfalls zurückgegangen sind, um 7,4 Prozent auf 1.134.701 Pkw, doch man kann es auch ganz anders sehen …

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) weist mit Recht darauf hin, dass der Vorjahresvergleich verzerrt ist – tatsächlich färbt Deutschland mit seinem relativ hohen Zulassungsanteil auf die europäischen Zahlen unangenehm ab. In den größten westeuropäischen Märkten gibt es sogar einen Anstieg der Zulassungen. So konnte in Großbritannien der Absatz im abgelaufenen Monat um 11 Prozent, in Spanien um 39 Prozent erhöht werden. Der französische Markt übertraf im April ebenfalls das Vorjahresniveau (+2 %). Dabei handelt es sich allerdings durchweg um Länder, bei denen die jeweilige Abwrackprämie noch Wirkung zeigt. In Großbritannien wurde die dortige "Scrappage Scheme" übrigens bis Ende März verlängert, die eingeplanten 400 Millionen Pfund waren bis Februar noch nicht annähernd ausgeschöpft. In Italien gab die Pkw-Nachfrage erwartungsgemäß mit dem Ende der dortigen Prämienzahlung nach (-16 %). Seit Anfang des Jahres wurden in Westeuropa gut 4,7 Mio. Pkw abgesetzt (+7 Prozent).

Neuzulassungen in April 2010 (12 Bilder)

Im April sind die Zulassungszahlen sogar unter das Niveau von 4/2008 gesunken (Quelle: KBA)

Das Geschäft lockt nicht mehr in Europa, sondern in aufstrebenden Märkten wie etwa China, Indien, vielleicht auch Russland. Dass China mittlerweile der größte Absatzmarkt ist, ließ sich dieses Jahr trefflich an der Präsenz der deutschen Hersteller auf der Auto China in Peking ablesen. In den ersten vier Monaten des Jahres wuchs der Absatz von Pkw laut VDA auf knapp 3,7 Millionen Einheiten und übertraf damit das bisherige Volumen des US-Marktes um ca. 160.000 Einheiten – obwohl es auch dort wieder recht gut läuft. Der Absatz von Light Vehicles, zu denen außer Pkw auch die so genannten Light Trucks zählen, stieg in den ersten vier Monaten um 17 Prozent. Am US-Markt haben auch deutsche Hersteller Freude, die mit +19 % überproportional zulegten und mittlerweile einen Marktanteil von 7,6 Prozent vorweisen können.

In China versprechen sich deutschen Hersteller noch bessere Möglichkeiten, vor allem die so genannten Premiummarken haben schon jetzt einen guten Stand im dortigen Markt – ihr entscheidender Vorteil: die Chinesen bauen solche Autos (noch) nicht. Im bisherigen Jahresverlauf haben BMW und Daimler ihre Verkäufe verdoppelt, Audi legte beispielsweise um knapp 73 Prozent zu und führt mit mehr als 71.000 Autos – schon jetzt ist das ein ähnliches Niveau wie im heimischen Markt. Kein Wunder also, dass alle deutschen Hersteller auf ein weiteres Wachstum in China setzen. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Automobil Produktion sagte Audi Vertriebschef Peter Schwarzenbauer, dass der Markt in den nächsten Jahren voraussichtlich auf 20 Millionen Fahrzeuge wachsen werden, Derzeit kämen auf 1000 Einwohner 27 Fahrzeuge, in den nächsten zehn Jahren werde diese Zahl auf voraussichtlich 165 Pkw steigen.