Treibstoff alle: Bahnbrechendes Weltraumteleskop Gaia kurz vor dem Ruhestand

Dem wichtigsten europäischen Weltraumteleskop geht der Treibstoff aus, am Mittwoch sammelt es letztmals Daten. Forschungsdaten gibt es aber noch für Jahre.

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Eine Weltraumsonde vor dem Sternenhimmel

KĂĽnstlerische Darstellun von Gaia vor der MilchstraĂźe

(Bild: ESA, ATG medialab)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das bahnbrechende Weltraumteleskop Gaia der ESA steht vor dem Ende seiner Forschungsarbeit, weil der Treibstoff zur Neige geht. Am morgigen Mittwoch wird das Instrument zum letzten Mal wissenschaftliche Daten sammeln, teilt die Europäische Weltraumagentur mit. Aber auch wenn das Gerät dann seine Arbeit einstellt, kann sich die Wissenschaftsgemeinde noch auf eine große Menge an Messdaten freuen, im kommenden Jahr soll der vierte große Katalog veröffentlicht werden. Ende des Jahrzehnts steht dann der fünfte und letzte Gaia Date Release an, der deckt dann die ganzen zehneinhalb Jahre ab, in denen das europäische Weltraumteleskop aktiv war.

Gaia wurde Ende 2013 gestartet und galt rasch nach der Aufnahme der wissenschaftlichen Arbeit ein halbes Jahr später als das vielleicht wichtigste Teleskop im Weltraum. Mit einer Gigapixelkamera lichtete es mehr als zehn Jahre lang kontinuierlich den Sternenhimmel ab. Weil sie sich dabei mit der Erde um die Sonne bewegte, ermöglichten die präzisen Messdaten dank der sogenannten Parallaxenmessung eine immer genauere Ermittlung der Position von Milliarden Sternen. Damit sollte das Instrument die Grundlage für unterschiedlichste weitere Forschung legen und genau das hat das Weltraumteleskop bereits eindrucksvoll erledigt. Daran wird sich auch nach der Deaktivierung auf absehbare Zeit nichts ändern.

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Wie die ESA jetzt erläutert, benötigt das Gerät seinen Treibstoff, um sich im Weltraum immer wieder präzise auszurichten. Jeden Tag gehen dadurch etwa 12 Gramm an Kaltgas verloren und bis zum Jahresende würden die Vorräte komplett aufgebraucht. Mit dem verbleibenden Rest sollen nach der Einstellung der Forschungsarbeit wochenlange Tests des Raumschiffs unternommen werden, die etwa beim Design eines Nachfolgers helfen könnten. Danach soll die Raumsonde ihren Standort am Lagrangepunkt L2 verlassen und in einen finalen heliozentrischen Orbit eintreten. Im Frühjahr soll sie dort dann deaktiviert werden und ihren "wohlverdienten Ruhestand" antreten.

Zu den Entdeckungen, die auf den bereits veröffentlichten Gaia-Daten beruhen, gehört etwa der Befund, dass sich die letzte große Kollision unserer Milchstraße viele Milliarden Jahre später ereignet hat als bislang angenommen. Gefunden wurden anhand der Messdaten auch zwei der frühesten Fragmente unserer Heimatgalaxie, die nicht lange nach dem Urknall mit ihr kollidiert sind. Gewissermaßen als Bonus hat Gaia zudem die größte Karte von aktiven Schwarzen Löchern geliefert. Zuletzt hatten die Daten von Gaia obendrein Zweifel an dem Wert geweckt, der bislang als Masse der Milchstraße angenommen wurde. In unserer Heimatgalaxie könnte es deshalb weniger Dunkle Materie geben als gedacht.

(mho)