Wie unser Kuipergürtel: ALMA findet 74 Gürtel aus Exokometen um andere Sterne

Hinter den Planeten befindet sich im Sonnensystem der Kuipergürtel. Eine Bestandsaufnahme ähnlicher Strukturen um andere Sterne zeigt, wie ungewöhnlich er ist.

vorlesen Druckansicht 8 Kommentare lesen
Ringartige Strukturen in gelb und orange

Zusammenstellung der entdeckten Gürtel um andere Sterne

(Bild: ALMA (ESO/NAOJ/NRAO)/SMA/ L. Matrà et al.)

Lesezeit: 2 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Ein Forschungsteam hat mit mehreren Teleskopen Bilder von 74 verschiedenen Gürteln aus Exokometen gemacht, die vergleichsweise nahe Sterne umkreisen. Das hat die Europäische Südsternwarte ESO jetzt öffentlich gemacht, deren ALMA-Teleskop (Atacama Millimeter/submillimeter Array) bei der Arbeit eine zentrale Rolle eingenommen hat. Die Gürtel aus Planetesimalen oder eben Exokometen entsprechen ungefähr dem Kuipergürtel am Rand des Sonnensystems, unterscheiden sich aber in Form, Größe und Alter voneinander. Auffällig ist demnach, dass die Strukturen größer sind und sich weiter nach draußen erstrecken als erwartet. Außerdem würden die Objekte in den Ringen im Laufe der Zeit durch Kollisionen immer kleiner.

Als Kuipergürtel wird im Sonnensystem eine ringförmige Struktur aus unterschiedlichen großen Himmelskörpern bezeichnet, die sich hinter dem Neptun befindet. Von dort stammen unter anderem viele Kometen. Gegenwärtig geht man davon aus, dass sich dessen äußere Grenze bei etwa 50 Astronomischen Einheiten (AE) befindet. Zuletzt gab es aber Hinweise, dass sie deutlich weiter entfernt ist. Sie stammen von der Plutosonde New Horizons, die den Kuipergürtel eigentlich längst hinter sich gelassen haben müsste. Trotzdem misst sie aber noch viel mehr Staubpartikel in ihrer Umgebung, als es dort eigentlich geben müsste. Der Befund scheint nun zu der Bestandsaufnahme von dutzenden ähnlichen Gürteln bei anderen Sternen zu passen.

Videos by heise

Wie die ESO nun ausführt, ist es äußerst schwer, solche Strukturen um andere Sterne zu entdecken, obwohl sie so groß sind. Das liegt an deren Temperatur: So weit von dem jeweiligen Stern entfernt sind die Himmelskörper zwischen -250 und -150 Grad Celsius kalt. Deshalb strahlen sie nur in Wellenlängen, die für die meisten Teleskope nicht nachweisbar sind. ALMA bildet hier eine Ausnahme.

Die jetzt damit zusammengestellte Sammlung solcher Gürtel gibt nun Hinweise darauf, wie gewöhnlich oder ungewöhnlich der Kuipergürtel ist. Künftige Teleskope sollen in solchen Gürteln sogar Ringe oder Lücken erkennen können. Die aktuelle Studie wird im Fachmagazin Astronomy and Astrophysics vorgestellt.

(mho)