MHP-Pionier fordert offene Content-Plattform für mobile Endgeräte

Philips-Manager Georg Lütteke will mit der Multimedia Mobile Platform (MMP) einen offenen Standard für die Inhalteverbreitung über Handhelds schaffen.

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Georg Lütteke, Leiter neue Technologien bei Philips Consumer Electronics in Hamburg, sieht schwarz für die Pläne von Inhalteproduzenten und Netzbetreibern, das Mobiltelefon und Handhelds allgemein zu multimedialen Alleskönnern umzufunktionieren. Um den Rundfunk und die mobile Telekommunikation wirklich auf einer Plattform zusammenzuführen und das Stichwort Konvergenz mit Leben zu füllen, ist laut dem Manager "die Interoperabilität von Content der Schlüssel." Im Moment würde sich aber nur die übliche unübersichtliche Vielfalt proprietärer Lösungen für die Übertragung von Inhalten auf die mobilen Endgeräte abzeichnen. Zudem sei die Debatte bislang zu stark allein auf den Aufbau von Infrastrukturen für die schöne neue Mobilwelt konzentriert. Auf dem Medienforum Berlin-Brandenburg 2004 stellte Lütteke daher seine Idee der Multimedia Mobile Platform (MMP) vor. "Wir müssen da weiter arbeiten, wo wir mit MHP aufgehört haben", erklärte er gegenüber heise online. MMP solle ähnlich der Multimedia Home Platform (MHP) einen gemeinsamen Schirm für Inhalte-Applikationen bilden -- nur auf mobile Terminals statt auf normale Set-Top-Boxen ausgerichtet.

"Wir sollten uns lieber jetzt ein halbes Jahr Zeit nehmen, um einen offenen Standard auszuarbeiten, als uns später jahrelang mit unvereinbaren Formaten herumzuschlagen", rührte Lütteke die Werbetrommel für sein neues Baby. MMP soll seiner Vision nach zwischen den interaktiven und multimedialen Services auf der einen und den portablen Endgeräten auf der anderen Seite vermitteln und für ein nahtloses Zusammenspiel sorgen. Für die Verbindung setzt der Vordenker auf IP-Datacast wie etwa auch im DVB-H-Standard vorgesehen. Allerdings soll die Übertragungsmethode für MMP aufgebohrt und so optimiert werden. "Wir haben bereits MHP, Java und XML", steckte Lütteke die Grundlagen des neuen Standards ab. Nun gehe es darum, gemeinsame offene Schnittstellen für Multimedia-Handhelds zu programmieren.

MMP ist keine völlig neue Idee, sondern ersetzt laut Lütteke die Arbeit an einer abgespeckten Multimedia-Plattform unter dem Titel MHP light. Der Philips-Mann, der einer der Väter von MHP ist, sieht die mobile Standardvariante in spätestens zwei Jahren auf dem Markt. Gespräche zu ihrer Entwicklung habe es im Rahmen des Digital-Video-Broadcasting-Forum (DVB) schon vor einiger Zeit gegeben, erläuterte Lütteke auf Nachfrage von heise online. Sie seien damals aber vor allem auf Betreiben von Firmen wie Microsoft zunächst nicht weiter verfolgt worden. Da inzwischen aber Übertragungswege wie UMTS oder DVB-H Gestalt annehmen, wachse der auch von den Mobilfunkfirmen ausgehende Druck, MMP gemeinsam mit dem DVB-Forum nun zügig voranzutreiben. Dass MHP selbst momentan keine Erfolgsgeschichte ist, mag Lütteke nicht als Argument gegen die mobile Fortsetzung anerkennen: "Ein offener Standard kostet mittelfristig immer weniger als proprietäre Gegenentwürfe." MHP sei auf "Zukunftssicherheit" angelegt und werde sich mit den wachsenden Ansprüchen der Zuschauer durchsetzen. (Stefan Krempl) / (jk)