Unerwartetes TV-Signal in Messdaten könnte Radioastronomie retten helfen

Die Zahl der Satelliten steigt rasant, für die Astronomie wird das zum Problem. Ein unerwartetes TV-Signal in australischen Messdaten könnte jetzt helfen.

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Metallspinnen in Steppenlandschaft

Antennen des Murchison Widefield Array in Australien

(Bild: ICRAR/Curtin)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Einem Forschungsteam aus den USA ist womöglich ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Schutz der Radioastronomie vor zunehmenden Kontaminationen durch Satellitennetzwerke gelungen. Wie die Brown University aus dem US-Bundesstaat Rhode Island erläutert, haben Jonathan Pober und Jade Ducharme einen Weg gefunden, um unerwünschte Signale in den Messdaten eines Radioteleskops in Australien zu identifizieren und herauszufiltern. Das sei deshalb so bedeutend, weil es sich um Fernsehsignale handelt, die an einem Flugzeug reflektiert wurden, das über dem Murchison Widefield Array unterwegs war. Normalerweise müssten die so kontaminierten Daten verworfen werden. Bald könnten sie aber wohl gerettet werden.

Das Murchison Widefield Array hat einen Durchmesser von mehreren Kilometern und beobachtet von einer speziellen Schutzzone in Westaustralien aus den gesamten Himmel im Radiospektrum. Deshalb kann es möglicherweise störende Signalquellen wie Satelliten auch nicht meiden, schreiben die Forscherin und der Forscher. Als sie in gesammelten Daten Fernsehsignale erkannten, die sich noch dazu über den Himmel zu bewegen schienen, waren sie erst perplex. Dann hätten sie aber erkannt, dass es sich um Reflexionen an einem Flugzeug handeln müsste. Zusammen nutzten sie dann die Gelegenheit, um Methoden auszuprobieren, mit denen sich die Signale herausfiltern lassen könnten.

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Durch die Kombination zweier erprobter Verfahren konnte das Team in den Messdaten nicht nur den genauen Weg des Flugzeugs nachverfolgen, sondern sogar dessen Position und Geschwindigkeit ermitteln. Sie haben sogar herausgefunden, dass die reflektierten Fernsehsignale vom australischen Digitalfernsehkanal Channel 7 stammen müssen, schreiben sie. Nur den genauen Flug konnten sie aufgrund unvollständiger Trackingdaten nicht identifizieren. Der Radioastronomie hätten sie damit einen Schlüssel in die Hand gegeben, um auf Menschen zurückgehende Interferenzen aus den Daten zu entfernen, ohne dass die Daten selbst verworfen werden müssen, schreiben sie. Als Nächstes soll die Methode nun verfeinert werden.

Die Forschungsarbeit ist vor dem Hintergrund wachsender Sorgen um die Radioastronomie erfolgt, Jonathan Pober spricht gar von einer "existenziellen Krise". Damit bezieht er sich auf die Störungen durch die stark steigende Zahl von Satelliten in der Erdumlaufbahn, allen voran wegen des Aufbaus von Starlink. Die stören auch dort astronomische Beobachtungen, wo am Boden spezielle Schutzzonen für die Astronomie eingerichtet wurden, in denen Strahlung weitestgehend vermieden wird. Die jetzt im Fachmagazin Publications of the Astronomical Society of Australia vorgestellte Arbeit zur Identifizierung der reflektierten Fernsehsignale deutet jetzt aber an, dass störende Interferenzen möglicherweise künftig aus den Messdaten entfernt werden können.

(mho)