"Quipu": Größte Superstruktur des nahen Universums besteht aus 68 Galaxienhaufen
Dank eines seit mehr als 25 Jahren abgeschalteten Weltraumteleskops hat eine Forschungsgruppe eine gigantische Superstruktur im Universum identifiziert.
Aufnahme von etwa 1000 Galaxien, die einen einzigen Galaxienhaufen bilden
(Bild: © ESA/Euclid/Euclid Consortium/NASA, Bildbearbeitung durch J.-C. Cuillandre, G. Anselmi; CC BY-SA 3.0 IGO)
Mithilfe der Daten eines vor mehr als 24 Jahren abgeschalteten deutschen Weltraumteleskops hat eine Forschungsgruppe die bislang größte, sicher vermessene Superstruktur im Weltraum gefunden. Das teilte die Max-Planck-Gesellschaft jetzt mit, von der zwei Institute an der Entdeckung beteiligt waren. Bei dem auf "Quipu" getauften Riesengebilde handelt es sich demnach um 68 Galaxienhaufen, die aneinandergereiht sind und von Dunkler Materie zusammengehalten werden. Die Superstruktur ist 1,4 Milliarden Lichtjahre lang und damit 300 Millionen Lichtjahre länger als der bisherige Rekordhalter, die sogenannte "Sloan Great Wall". Möglicherweise größere Strukturen sind demnach nicht so sicher vermessen.
(Bild: MPE)
Galaxienhaufen als Leuchttürme
Genutzt hat die Forschungsgruppe für ihre Arbeit einen Katalog der Galaxienhaufen im nahen Universum, der mithilfe des Röntgensatelliten Rosat erstellt wurde. Das deutsche Weltraumobservatorium ist 1990 mit einem Space Shuttle ins All gebracht worden und war bis 1999 aktiv. Danach hätten Forscherinnen und Forscher daran gearbeitet, die damit identifizierten Galaxienhaufen genauer zu bestimmen und ihre Entfernungen zu ermitteln. Es entstand eine dreidimensionale Karte, auf der die jetzt vorgestellte Struktur sofort auffalle. Wie Leuchttürme an einer Küstenlinie würden dabei die zugehörigen Galaxienhaufen die Verbreitung von Materie und Dunkler Materie nachzeichnen.
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Die Gesamtkarte umfasst das Weltall in bis zu einer Milliarde Lichtjahren Entfernung, erklärt die Max-Planck-Gesellschaft noch. Die jetzt vorgestellte Superstruktur sei darin die mit Abstand größte. Solche Gebilde können demnach Messungen zur Hubble-Konstante und zum Mikrowellenhintergrund beeinflussen, weswegen der Fund so wichtig sei. Benannt hat die Gruppe das Objekt nach dem Begriff, mit dem in Quechua die Knotenschrift der Inka bezeichnet wird. Der ähnele die Struktur und viele der originalen Quipus seien in Chiles Hauptstadt Santiago de Chile ausgestellt. Nicht weit entfernt wurden die Galaxienhaufen mit den Instrumenten der Europäischen Südsternwarte vermessen. Die Forschungsarbeit wird bald im Fachmagazin Astronomy and Astrophysis vorgestellt.
(mho)