Nikons Plattformierung und noch ein Leica-Klon – Fotonews der Woche 14/2025

Die neue Vollformat-Z hat die CPU des Flaggschiffs, und ein Kickstarter-Projekt will wie eine Leica aussehen – aber nicht bei der Bildqualität.

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Die Echolens sieht aus wie eine Leica-M, hat aber viel simplere Technik.

(Bild: Echolens)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Als wir in dieser Kolumne im November 2024 Nikons Plattformgedanken beschrieben haben, gab es nicht nur in der Redaktion einige Diskussionen darĂĽber. Ein Tenor: Kameras sind doch keine Autos, da ein Baukastensystem bei stark verschiedenen Produkten, Preispunkten und Einsatzbereichen ergibt doch keinen Sinn. Nikon scheint das anders zu sehen, denn auch die neue Z5 II verfolgt die Idee einer einheitlichen Plattform fĂĽr Soft- und Hardware.

c't Fotografie 6/25

Unsere Meldung zur Vorstellung räumt die technischen Daten ab, kommen wir hier also zu den Spezialitäten, und zuerst der Frage: Wo hat Nikon hier gespart? Denn der Body der Z5 II kostet 1900 Euro, die in der großen Z-Reihe nächstgrößere Z6 III kostet schon 3000 Euro, mit teilweise gestacktem Sensor. Alles bezogen auf die UVPs natürlich, die Preise am Markt sind da derzeit so fluide wie bei vielen technischen Geräten. Da die neue Z5 unter anderem mit zwei SD-Slots, flottem Autofokus, Wetterfestigkeit und allerlei Schnittstellen schon viele Profifunktionen mitbringt, muss doch irgendwo ein Haken bei dem vergleichsweise geringen Preis sein.

Der sitzt im betagten 24-Megapixel-Sensor aus der Zf, der auch nicht in Stacked-Bauweise ausgeführt ist, also mit Speicher auf dem Bildwandler hohe Auslesegeschwindigkeiten und damit Bildraten erlaubt. Jetzt kommt das große Aber: Da in der Kamera der Expeed-7-Prozessor des Flaggschiffs Z9 arbeitet, kommt die "kleine" Nikon mit leichter Raw-Komprimierung schon auf bis zu 15 Bilder pro Sekunde, mit JPEGs auf bis zu 30. Zum Vergleich mit DSLRs: auch mit dem – vorhandenen – mechanischen Verschluss sind noch 7,8 fps drin. Die leicht angestaubte Profi-Kamera D750 (sie ist noch immer im Nikon-Pro-Support) kommt da nur auf 6,5 Bilder pro Sekunde.

Und darum ist der Plattformgedanke eben auch bei günstigeren Kameras sinnvoll: Man nehme den für Nikon nicht neu zu entwickelnden High-End-Prozessor, für den es keine neue Software braucht, einen bestehenden Sensor, dazu noch den Autofokus der Z6 III, fertig ist die Z5 II. Offenbar hat Nikon dadurch so viele Entwicklungs- und Fertigungskosten gespart, dass die erwähnten Profifeatures noch drin waren. Angenehmer Nebeneffekt: Die Konkurrenz hat das Nachsehen.

Ein kleines, aber für Filmer sehr wichtiges Detail ist ebenfalls an Bord, vor allem dank Software und schneller CPU: Die Kamera der echten Mittelklasse kann Raw-Video mit 12 Bit intern aufzeichnen. Die Übernahme von Red samt deren Patent für internes Raw-Recording macht es möglich. Nikons N-Raw-Format wird inzwischen auch von Adobes Premiere Pro unterstützt, sodass professionellen Ambitionen nichts im Wege steht. Wirklich nicht schlecht für eine Kamera unter 2000 Euro.

Bei den normalerweise empfehlenswerten Kit-Angeboten langt Nikon jedoch ordentlich zu. Mit dem 24-70, f/4.0-Objektiv in nativer Z-Ausführung sind schon 2500 Euro fällig. Für das kleinste Bundle mit dem 24-50-Millimeter-Zoom, das nur f/4.0 bis f/6.3 beherrscht, sind es 2200 Euro. Schlauer ist da, dieses Kit zusammen mit dem FTZ-II-Adapter für das F-Bajonett zu nehmen. Das kostet dann mitsamt dem, sagen wir, Alibi-Objektiv, 2300 Euro und jahrzehntealte Nikkore – und Objektive von Drittherstellern – passen. Wie gut die Elektronik dabei mitspielt, muss man jedoch im Einzelfall ausprobieren. Ganz offensichtlich hat Nikon gerade mit der Z5 II Umsteiger von DSLRs im Auge. Dafür spricht auch, dass die verbreiteten EN-EL-15-Akkus noch passen.

Weder modern noch traditionsbewusst will offenbar ein Start-up sein, das sich "Echolens" nennt, nur über eine Webseite verfügt und ab Mitte 2025 eine Kamera über Kickstarter finanzieren will. Ein Impressum gibt es nicht, gleiches gilt für die Kampagne bei Kickstarter. Aber eine 1-Dollar-Reservierung für ein – ebenfalls noch nicht genanntes – Zubehör, wenn denn die Kamera mal fertig sein sollte, wird angeboten. Das muss im Crowdsourcing alles noch nichts heißen, kann gut sein, dass da jemand wirklich an einem Fotoapparat arbeitet. Auch nach dem 1. April haben wir noch öfter nachgesehen, ob die Seite noch da ist. Es scheint sich nicht um einen Scherz zu handeln.

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Die Echolens soll zwar digital arbeiten, hat aber kein Display, sondern nur einen – vermutlich – optischen Sucher. Auch alle anderen Daten, etwa zu Sensor, Objektiv, Akku oder Speicher gibt es noch nicht – aber Beispielbilder, die "analog" aussehen sollen. Das tun sie auch, allerdings auf dem Niveau einfacher Knipskameras von vor 50 Jahren: Massive Vignettierung, geringer In-Bild-Kontrast und ebensolche Auflösung. Das kann jedes Mittelklasse-Smartphone heute besser. Denn selbst, wenn man mit der Kamera vor dem Auge und dem Drehen an Rädchen manuelles Fotografieren lernen will, sollten die Ergebnisse konkurrenzfähig sein. Aber, wie gesagt: warten wir mal ab, was da vielleicht noch kommt. Was das übrigens mit Leica zu tun hat? Die Echolens sieht eine Kamera aus der M-Serie von Leica zufällig sehr ähnlich.

Mehr als abwarten kann man auch nur, was die neuen US-Zölle für alle Länder der Welt betrifft. Japan, die Heimat der meisten modernen Kameras, steht da mit 24 Prozent für Importe in die USA auf der Liste. Auch andere asiatische Länder, in denen Kameras und Objektive gefertigt werden, sind mit zweistelligen Aufschlägen vertreten. Das kann auch den europäischen Markt betreffen, wenn die japanischen Unternehmen eventuelle Umsatzverluste durch höhere Preise in den USA global verteilen. Wie verzwickt das bei komplexen technischen Produkten sein kann, hat Kollege Mark Mantel am Beispiel von PC-Hardware erklärt. Und weil das eben schlecht abzuschätzen ist, bleibt nur Abwarten.

Nicht wirklich ein Long Read, aber zumindest eine gute Nachricht zum Wochenende ist die Meldung von Christine Bruns zur Unesco. Denn die hat analoge Fotografie als Teil des deutschen Kulturerbes akzeptiert. Es geht also, siehe Echolens, nicht um einen reinen marktwirtschaftlichen Retro-Hype, sondern: um echtes Kulturgut. Eines, dass es so nicht ohne die Leica 1 gegeben hätte, und auch wenn hier schon einmal vorgeschlagen: Die Geschichte von Bernd Kieckhöfel zum 100-jährigen Bestehen der ersten Kleinbildkamera ist nun auch eine zweite Lektüre wert.

(nie)