Blick ins Heft c’t 11/2025: E-Autos im Reichweiten-Härtetest
Wie weit kommt ein E-Auto, wenn der Akku nur 10, 5 oder gar 0 Prozent anzeigt? Wir haben getestet, wie die Warnkaskade abläuft und die Leistung gedrosselt wird.
Hallo aus Hannover,
ich gehöre ja nicht gerade zu der Sorte Mensch, der alles bis ins letzte Detail durchplant. Das hat mich des öfteren in interessante Situationen gebracht, zum Beispiel mit ziemlich leerem Tank auf der Autobahn. Das Gefühl der Erleichterung, das sich einstellt, wenn man es mit genullter Tanknadel gerade noch zur Zapfsäule schafft, ist einfach unübertroffen. Der Stress davor und wenn es nicht mehr reicht, allerdings auch.
Mit einem E-Auto ist die Leerfahrt doppelt schlecht. Für den liegengebliebenen Verbrenner kann man wenigstens zu Fuß ein paar Liter Sprit an der nächsten Tankstelle holen; dem Elektrischen muss der ADAC mit dickem Notstromaggregat auf die Sprünge helfen. Aber dafür lässt einen der Stromer auch nicht naiv ins Verderben laufen beziehungsweise fahren. Denn er weiß sehr genau Bescheid über den Ladezustand seiner Akkus – und zwingt seine Besitzerin beizeiten zu sparsamem, reichweitenverlängerndem Fahren.
Aber wie und wann genau? Komme ich noch bis zur nächsten Ladesäule, wenn die Anzeige auf fünf Prozent steht? Und quittiert das Fahrzeug beim Erreichen der Nulllinie gleich den Dienst oder geht da noch was? Selbst ausprobieren möchte das wohl niemand, aber dafür gibt es ja meine Kollegen Sven Hansen und Clemens Gleich, die in Kooperation mit dem ADAC den ultimativen Reichweiten-Härtetest durchgeführt haben.
Im ADAC-Testzentrum Penzing, einem ehemaligen Fliegerhorst der Bundeswehr, schickten Sven und seine Mitstreiter von c't und ADAC sechs E-Autos mit einem Ladestand von etwa 30 Prozent auf die Spur: VW ID.3, Tesla Model Y, Kia EV6, Volvo XC40, BYD Seal und Nio EL6. Mit dieser Auswahl erhielten sie einen recht guten Überblick über das Spektrum, wann die Warnkaskade jeweils anspringt und wie sie eskaliert. Die meisten Kandidaten blendeten das erste Warnsymbol bei 70 bis 80 Kilometer Restreichweite ein, der BYD Seal allerdings erst bei 45 und der Volvo XC40 bei 35 Kilometern.
Auch danach überließen die Fahrzeuge nichts dem Zufall. Wer mit 10 Prozent oder weniger immer noch auf der Straße unterwegs ist, den zwingen sie zu energiesparender Fahrweise: Beschleunigung und Maximaltempo werden gedrosselt. Sogar nach Erreichen des Nullpunkts legte so mancher Testkandidat noch mehr als zehn Kilometer zurück; genug, um nicht mitten auf der Autobahn oder Landstraße liegenzubleiben.
Besser aber, Sie kommen gar nicht erst in die Verlegenheit, sondern fahren so, dass Sie unter allen Bedingungen möglichst weit kommen. Deshalb erklärt Clemens Gleich alles Wissenswerte rund ums Energiemanagement im Auto und gibt praktische Tipps zur Reichweitenoptimierung im Alltag.
- Fakten statt Mythen: Reichweite, Kosten und Sicherheit im Check
- Prüfstand: E-Autos leerfahren mit dem ADAC
- Übersicht: Energiemanagement im E-Auto
- Physik: Was die Reichweite erhöht
(Bild: KI, Collage: c't)
Auch das noch!
Kennen Sie auch diese Momente, in denen ein Geräusch, ein Geruch oder ein Ort längst vergessene Erinnerungen lebendig werden lässt? Und zwar so detailliert, als wären Sie direkt drin in der Szene. Nicht nur das: Manche Erinnerung erscheinen so banal, dass man sich fragt, warum das Gehirn ausgerechent an ihnen so lange festhält. Forscher sind sich ziemlich sicher, dass das dafür zuständige episodische Gedächtnis einer der Hauptgründe dafür ist, warum der Mensch so viel effizienter lernen kann als die großen Sprach- und multimodalen Modelle. Die in allen Facetten abgespeicherten Szenen helfen dem Menschen, sich rasch in neuen Situationen zurechtzufinden, sprich: zu abstrahieren, zu verallgemeinern, Modelle und Theorien für neue Probleme zu entwickeln.
Selbst die fortgeschrittensten generativen KIs können solche und andere wichtige Lernmechanismen nicht nachbilden; außerdem sind viele Prozesse sowie Strukturen, die das menschliche Denken und Lernen ausmachen, noch gar nicht ausreichend erforscht. KIs entwickeln sich aber auf ihre eigene Art rasant weiter und sind zu Maschinen herangereift, die menschliches Kommunizieren und Argumentieren erstaunlich gut simulieren. Wir haben uns die aktuellen KI-Reasoning-Modellen rund um DeepSeek und GPT-4o angesehen und -gepromptet; mit allzu simplen Tricks lassen sie sich nicht mehr so leicht aufs Glatteis führen wie ihre Vorgänger.
Dadurch rücken immer mehr konkrete Anwendungen in greifbare Nähe – und auch die mit einigen Einsatzszenarien einhergehenden ethischen Probleme. Damit die mächtige Technik dem Wohle des Menschen und der Gesellschaft dient und nicht nur einigen wenigen Unternehmen oder Staaten, verbietet die europäische KI-Verordnung ethisch fragwürdigen oder gesellschaftlich bedenklichen KI-Einsatz. Wie die Pflichten in der Praxis umzusetzen sind, steht ausführlich im Code of Practice, der noch im Mai veröffentlicht werden soll.
- KI-Reasoning-Modelle im Test
- Gehirn versus KI: Was menschliches Denken vom simulierten unterscheidet
- KI-Verordnung: So ist sie in der Praxis umzusetzen
Meine persönlichen Highlights
Prepaid-Tarife sind günstig und bieten viel Leistung. Neue Tarifmodelle wie die kostenlose Volumennachbuchung bei Aldi Talk sollen Kunden locken, andere Anbieter packen noch mehr Freivolumen in ihre Optionen. Ein Upgrade auf einen neuen Tarif kann sich lohnen.
Zwischen Spiel und Bildschirmschoner hat sich eine neue Nische aufgetan. Hier leben minimalistische Softwaretitel, die ein bisschen Leben auf den Desktop bringen.
Auf Computerchips der australischen Cortical Labs arbeiten Hunderttausende lebende menschliche Hirnzellen. Was denken die sich? Diesen laut Hersteller "Gegenentwurf zur künstlichen Intelligenz" können Early Adopter bereits bestellen.
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Bastelprojekte mit Raspberry Pis, ESPs oder anderen Mikrocontrollern können ziemlich dahingepfuscht aussehen, wenn die Platinen offen herumliegen. Das ist bei Provisorien und kurzen Tests kein Drama. Doch Dauerinstallationen sollten Sie ordentlich anschließen – mit diesen Bauteilen gelingt’s.
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P.S. aus der Redaktion
Die erste Sichtung der Hommingberger Gepardenforelle jährte sich im April zum zwanzigsten Mal. Das von c't-Redakteur Jo Bager erfundene Fabelwesen diente ursprünglich dazu, die Mechanismen hinter den Suchmaschinen-Algorithmen transparent zu machen, und erlebte mit dem Aufkommen der großen Sprachmodelle einen zweiten Frühling: als perfekter Köder, um ChatGPT und Co. erfundene Geschichten über den vermeintlichen Fisch und dessen Habitat zu entlocken. Noch viel anregender wirkt das exotische Tier auf die menschliche Phantasie, wie unser anlässlich des runden Geburtstags veranstalteter Wettbewerb zeigt. Diesmal galt es, mit KI-Bildgeneratoren der exotischen Forelle Gestalt zu verleihen – mit beeindruckenden Ergebnissen.
(Bild: Tom Schouw/KI)
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