Boom bei Geodaten im Web
Ortsinfos, mit Daten verknĂĽpft und auf interaktiven Online-Karten dargestellt, werden zur preiswerten Online-Massenware.
Geodaten – also die Verknüpfung von Ortsangaben mit digitalen Informationen aller Art – schicken sich an, zur neuen Währung im Web zu werden. Interaktive Karten, in denen sich Nutzer, Inhalte und Anwendungen ineinander verranken, seien die "Informationsökologie" der Zukunft, sagt Blaise Agüera y Arcas, Chefarchitekt von Microsofts Kartendienst Bing Maps. Eine zweischneidige Ansage, wie Technology Review in einer aktuellen Analyse zum boomenden Markt für Ortsdaten schreibt: Unternehmen dürften sich freuen, wenn ihnen potenzielle Kunden mit einem konkreten Aufenthaltsort statt einer abstrakten IP-Adresse gegenübertreten, Datenschützer dürften sich aus dem gleichen Grund gruseln.
Für Nutzer liegt der Charme von Geodaten zunächst einmal auf der Hand: Praktisch jeder findet sich auf Anhieb mit einer Landkarte oder einem Stadtplan zurecht. Warum also nicht das bewährte Prinzip auf die Organisation von Daten übertragen? Ein klassisches Beispiel dafür sind Fotos: GPS-fähige Fotohandys etwa schreiben auf Wunsch schon längst Ortsangaben in die Metadaten einer Bilddatei. Für Kameras ohne GPS können Zubehör-Module diese Funktion übernehmen. Solche "georeferenzierten" Bilder lassen sich auf Online-Plattformen wie Locr hochladen und werden dann auf einer Landkarte angezeigt.
Das beständige Prahlen der digitalen Generation mit der eigenen Mobilität – ein Kaffee hier, ein Meeting da und ein Film dort – haben wiederum Foursquare & Co. für das Marketing eingespannt. Sie erlauben ihren Mitgliedern, sich in Kneipen, Restaurants oder Läden "einzuchecken" und dem Rest der Welt – oder auch nur ihren Bekannten – den aktuellen Standort kundzutun. Große Firmen wie Starbucks oder The Gap, aber auch kleine Bars können Foursquare oder Loopt nun nutzen, um regelmäßigen Kunden Loyalitätsmedaillen oder Rabatte anzubieten. In Deutschland etwa spendiert Vapiano, eine Gastronomie-Kette für italienisches Essen, seit Mitte Mai den Stammgästen unter den Foursquare-Nutzern einen Gratis-Kaffee.
Die gesamte Analyse zum Geodaten-Markt in Technology Review online:
(bsc)