Elektroautos: Ex-SAP-Chef gegen "Prämien-Strohfeuer"
- ssu
Bei der Entwicklung von Elektroautos droht Deutschland nach Ansicht des Experten Ferdinand Dudenhoeffer wegen falscher Förderung den Anschluss zu verlieren. Die Förderung der Bundesregierung hinke hinter der in Asien und den USA hinterher und sei zu sehr auf Kleinprojekte ausgerichtet, erläuterte der Professor für Automobilwirtschaft an der Uni Duisburg-Essen. Nach Auffassung von VW-Chef Martin Winterkorn kann die Autoindustrie den Wechsel zum Elektromotor nicht allein bewältigen.
Fortschritte seien nur bei einer gemeinsamen Anstrengung von Autobauern, Energiekonzernen und der Politik auf nationaler und europäischer Ebene möglich. Nur so könne auch der aggressiven Konkurrenz – etwa in China – begegnet werden, hatte der VW-Chef früher schon betont. In China erhalten Käufer von Elektroautos einen staatlichen Zuschuss von umgerechnet bis zu 6000 Euro.
Europas größter Autobauer Volkswagen will 2013 die ersten reinen Elektroautos auf den Markt bringen – geplant sind ein E-Golf und eine elektrische Version des neuen Kleinwagens Up. VW will bis 2018 auch bei Elektroautos Marktführer werden. „Volkswagen wird der Autohersteller sein, der das für jeden Kunden erreichbare Elektroauto anbietet“, sagte Winterkorn bei der Vorstellung eines Konzernforschungszentrums im kalifornischen Palo Alto. VW präsentierte dort den neuen Jetta für den wichtigen US-Markt.
Der zweitgrößte japanische Autobauer Honda kündigte an, von 2012 an Elektroautos verkaufen zu wollen. Vorgesehen seien die Modelle für den japanischen und den US-Markt, teilte Honda-Präsident Takanobu Ito mit. In einem Gemeinschaftsunternehmen mit GS Yuasa will Honda außerdem von diesem Jahr an Lithium-Ionen-Akkus herstellen.
Nach Dudenhoeffers Angaben ist der Markt für Elektromobilität einer der großen Wachstumsmärkte mit einem Potenzial von gut 100.000 neuen Jobs in Deutschland. Mit der geplanten Förderung könne aber das Ziel der Regierung – bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen zu haben – nicht erreicht werden.
Der Leiter der Nationalen Plattform Elektromobilität, Henning Kagermann, hält nichts von staatlichen Prämien in Deutschland. Sie schafften möglicherweise zwar kurzfristige Nachfrageimpulse. „Was wir aber tatsächlich brauchen, ist eine langfristig wirksame Strategie, kein Strohfeuer“, erklärte Kagermann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es gebe einen Kernbestand potenzieller Kunden, denen die Vorteile eines Elektroautos auch einen Mehrpreis wert seien, sagte der frühere Vorstandssprecher des Software-Konzerns SAP.
Allerdings werde es ganz ohne Förderung nicht gehen. „Für einen schrittweisen Ausbau der Elektromobilität bis 2020 sollten wir uns darauf konzentrieren, welche Anreize für alle Akteure wirklich sinnvoll sind“, sagte Kagermann. Anreize könnten von Steuervorteilen bis zum Straßenverkehrsrecht reichen. (dpa) (ssu)