Motorradhersteller KTM nach Übernahme durch Bajaj wieder in Vollbetrieb

Die Produktion beim einst größten europäischen Motorradhersteller läuft nun wieder auf allen vier Fließbändern in in Mattighofen und Munderfing.

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KTM-Mitarbeitende auf dem Weg in die Frühschicht

KTM-Mitarbeitende auf dem Weg in die Frühschicht

(Bild: KTM)

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KTM geht auf allen vier Produktionslinien in ihren Stammwerken in Mattighofen und Munderfing wieder in Produktion. Rund 1000 Angestellte in der Produktion "kehren nach einer Phase intensiver Planung und Vorbereitung nun in den Normalbetrieb zurück", wie KTM heute meldet. Weil man zudem die Lieferketten inzwischen vollständig wiederhergestellt habe, seien Versorgung und Auslieferung weltweit garantiert. "Der Neustart der Produktion gibt uns die nötige Stabilität, um uns jetzt wieder ganz auf Qualität, Kundennähe und Weiterentwicklung zu konzentrieren", sagt KTMs Geschäftsführer Gottfried Neumeister und spricht von einem "starken Zusammenhalt innerhalb des Unternehmens".

Für die Mitarbeiter in allen Teilen der Produktion gelten Tagschichten mit Fünftage-Woche in Vollzeit. Die Wiederaufnahme bedeutet für diese Angestellten und Arbeiter eine Umstellung, wenn die Betriebsvereinbarung planmäßig Ende Juli abläuft, weil die Produktion ab 28. Juli ohne die bisher übliche Sommerpause bis zur regulären Weihnachtspause durchlaufen wird.

Die Fertigung beginnt mit neuen Modellen der Enduro-Baureihen MX und Enduro Competition sowie einer "komplett neuen" LC4 Plattform für die bewährten Modellreihen KTM 690 Enduro-R und KTM 690 SMC-R, respektive die fast baugleichen Enduromodelle Husqvarna 701 Enduro und Husqvarna 701 Supermoto. Auch die Marke Gasgas wird weitergeführt, wie KTM heute schreibt. Am Produktportfolio, das aktuell "alle wesentlichen Hubraum- und Leistungsklassen von 50 bis 1300 ccm abdeckt" soll festgehalten und es bei Bedarf auch ausgebaut werden. Auf die Weiterentwicklung der elektrischen Baureihe darf daher gerechnet werden, ebenso auf die Weiterführung der Submarke WP, die in Munderfing Fahrwerkskomponenten wie Federn und Dämpfer produziert.

Das Vorgängermodell der KTM 690 SMC R

Im Mai hatte die indische Bajaj Auto International Holdings B.V. die Mehrheit an dem insolventen österreichischen Motorradhersteller übernommen. Bei dieser Firma handelt es sich um KTMs langjährigen indischen Auftragsfertiger. Beteiligt war Bajaj bereits seit Jahren mit 49,9 Prozent an der Pierer Bajaj AG, die wiederum 74,5 Prozent an der Pierer Mobility AG hält, zu der die Motorradmarken KTM, Husqvarna und Gasgas gehören. Im Gegenzug stellte Bajaj rund 600 Millionen Euro zur Verfügung und verhinderte so die Abwicklung von KTM. Mitte Juni hatte das zuständige Landgericht Ried im Innkreis die Sanierungspläne bestätigt und damit den Wiederanlauf der Produktion ermöglicht.

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KTM war im November 2024 durch einen starken Rückgang der Nachfrage, zu hohe Lagerbeständen und wegen Qualitätsproblemen insolvent gegangen. KTM verlor daraufhin nicht nur seinen Chef Stefan Pierer, was eine Bedingung für die Übernahme durch Bajaj war, sondern auch 1800 Angestellte. Ein Teil von ihnen scheint zur Vollproduktion jetzt zu fehlen. In seiner Mitteilung schreibt KTM, "gesucht werden Mitarbeitende in unterschiedlichsten Unternehmensbereichen, beispielsweise IT, Finanzen oder Marketing – insbesondere in Mattighofen und Munderfing".

(fpi)