Ingenieur zu versteigern

Seit Jahren kämpfen einige unverdrossene Professoren für den Erhalt des Diplomingenieur-Titels. An sich eine gute Sache, aber man muss sie viel offensiver angehen.

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Vorwärts Genossen, der Kampf geht weiter: Seit Jahren kämpfen einige unverdrossene Professoren für den Erhalt des Diplomingenieur-Titels. Der ist ja bekanntlich nach der so genannten Bologna-Reform endgültig abgeschafft: Als akademische Grade nach dem Studienabschluss gelten mittlerweile nur noch der Bachelor und der Master – schließlich war ein erklärtes Ziel dieser Reformen, die deutsche Universitätsausbildung international vergleichbar zu machen.

Doch mit der Vergleichbarkeit fällt auch ein Alleinstellungsmerkmal – der weltweit anerkannte Titel des Diplom-Ingenieurs – weg. Das wollen längst nicht alle Universitäten akzeptieren. Der jüngste, innovative Vorstoß in diesem Kulturkampf kommt nun von den TU 9, das ist ein Zusammenschluss von neun – nach eigenen Angaben – führenden technischen Universitäten in Deutschland. Die schlagen vor, den Titel des Diplom-Ingenieurs zusätzlich zum Master-Titel vergeben. Auf diese Weise wird das „Markenzeichen“ Diplom-Ingenieur erhalten, und gleichzeitig der Bologna-Prozess gerettet. Das einzige, was dazu noch fehlt, ist die Zustimmung der zuständigen Länder-Kultusminister.

Echt clever diese Professoren. Aber immer noch ein bisschen zu zögerlich. Schließlich geht es bei dieser ganzen Studienreform doch um eine Verbesserung der eigenen Position im internationalen Wettbewerb. Und was machen Unternehmen mit erfolgreichen Marken, wenn sie die Produktion im eigenen Land eingestellt haben? Richtig: Sie verkaufen einfach den Markennamen an den Meistbietenden. Der pappt das schicke Logo dann auf irgendwelche billige Massenware – und alle sind so lange glücklich, bis der Konsument merkt, dass beispielsweise der vermeintlich so qualitativ hochwertige Telefunken-Fernseher sich überhaupt nicht von der anderen Billigware Made in China unterscheidet. Aber bis er das merkt, haben alle Beteiligten einen Haufen Geld verdient.

Ich schlage also – vollkommen entgeltfrei – an dieser Stelle vor, das Telefunken-Prinzip auf den Diplom-Ingenieur auszuweiten: Die einzelnen Bundesländer sollten das Recht, diesen Titel zu vergeben, weltweit meistbietend versteigern. Wahlweise pauschal, oder mit einer kleinen Lizenzgebühr pro Diplom – das heizt den Standortwettbewerb noch mehr an. Von dem Geld könnte man endlich eine vernünftige Ausbildung der eigenen Studierenden finanzieren. Und vielleicht ist ja sogar noch der eine oder andere Politikberater für Bildungsfragen mit drin. All zu teuer können die ja nicht sein. (wst)