Telemedizin: Kinderärzte werden bei Komplikationen in Kreißsaal geschaltet

Mit TelEmergency Baby bringt die München Klinik neonatologische Expertise per Video in Geburtskliniken nach Bayern.

vorlesen Druckansicht 5 Kommentare lesen
Team rund um Dr. Christian Bayer in einem Raum mit einer Simulationspuppe. Daneben ein telemedizinisches Gerät

Testläufe mit einer Simulationspuppe und zugeschaltetem Arzt

(Bild: Klinikum Ebersberg München Ost)

Lesezeit: 2 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die München Klinik und das Klinikum Ebersberg haben das Modellprojekt "TelEmergency Baby" gestartet. Es soll die Notfallversorgung von Neugeborenen per Telemedizin verbessern. Treten bei einer Geburt in Ebersberg Komplikationen auf, können Hebammen und Ärzte innerhalb weniger Minuten eine Videokonsultation mit einem Notfallteam der Münchner Neugeborenen-Intensivstation (Neonatologie) in Anspruch nehmen, die das Team vor Ort bei stabilisierenden Maßnahmen anleiten und so die Erstversorgung unterstützen.

Laut den Kliniken profitieren Neugeborene so auch dann von einer spezialisierten Betreuung, wenn keine Kinderärzte vor Ort sind. Im Regelfall können Mutter und Kind in Ebersberg bleiben; bei einer nötigen Verlegung werde eine Übergabe vorbereitet. Perspektivisch sollen weitere Geburtshilfe-Standorte eingebunden werden. Rund 15 Kliniken mit etwa 10.000 Geburten pro Jahr wären laut den Verantwortlichen für eine Ausweitung in Bayern geeignet. Derzeit helfen Spezialisten von der Neonatologie der München Klinik Harlaching. Künftig sollen nach Angaben der Münchner Klinik auch die Neonatologie der München Klinik Schwabing in die telemedizinische Versorgung eingebunden werden.

"Komplikationen bei Neugeborenen sind zwar selten, können aber innerhalb weniger Minuten lebensbedrohlich werden. Durch die telemedizinische Zuschaltung können wir unmittelbar unterstützen und die richtigen Schritte einleiten lassen, wichtig sind dabei die Schulungen vor Ort und die daraus entstehende vertrauensvolle Zusammenarbeit der Teams. Das bedeutet für die Kinder eine deutlich höhere Sicherheit und für die Teams vor Ort eine enorme Rückendeckung", sagen dazu Projektleiter und Oberarzt der Neonatalogie, Dr. Christian Brickmann und Prof. Dr. Marcus Krüger, Chefarzt der Neonatologie der München Klinik.

Videos by heise

Bereits zu Jahresbeginn haben die Kreisklinik Ebersberg und die München Klinik Schwabing ein ähnliches Konzept für die Kindernotfallversorgung gestartet, das inzwischen den deutschen Telemedizinpreis gewonnen hat. Das Projekt "TelEmergency Kids" ermöglicht Videoschalten mit pädiatrischen Notfallmediziner*innen der München Klinik Schwabing, wenn Kinder in Ebersberg in die Notaufnahme eingeliefert werden. So sollen Versorgungslücken geschlossen, unnötige Verlegungen vermieden und Eltern wie Klinikpersonal entlastet werden. Dabei werden laut München Kliniken Erfahrungen aus bereits vorhandenen telemedizinischen Projekten einbezogen, etwa aus der Schlaganfallversorgung.

(mack)