Smartphones krempeln Autoelektronik um
Laut den Marktanalysten von iSuppli erweisen sich Smartphones nicht mehr nur als Preisbrecher im Fahrzeuginfotainment, sondern auch als prägende Innovationstreiber.
Eigentlich waren es iPod und Consorten, die uns USB-Schnittstellen im Infotainmentbereich des Auto-Cockpits bescherten, aber inzwischen haben die Smartphones die MP3-Player ja quasi "geschnupft". Nachdem Bluetooth fĂĽr die Freisprechanlagen schon zum Standard geworden ist, streamt Bluetooth nun die Musik aus dem Handy direkt an die Anlage. Durch Smartphones in Verbindung mit Datenflatrates ist das Internetradio nebst Bezahldiensten als Audio-Quelle auch keine reine Geldvernichtung mehr im Vergleich zum Autoradio.
Am Tag, als die ersten Navigationssysteme für Smartphones gratis erhältlich wurden , dürfte ein Aufschrei durch die Aufpreislistengestalter der Autohersteller gegangen sein, zumal die Smartphones gute Leistung, regelmäßige Updates und immer frische Verkehrsinformationen zu liefern vermögen. Vor allem die von allen lange vergeblich herbeigesehnten Location Based Services brachte das iPhone in eigener Ausprägung einfach so mit. Auch die Hersteller mobiler Navis haben unter den Smartphone-Navis gelitten und die Preise senken müssen.
Gemäß Egil Juliussen, dem Automotive-Analysten bei iSuppli, treibt das iPhone-Konzept mit seiner App-Struktur diverse Industrien an und inzwischen auch spürbar die Autoindustrie. iSuppli entwirft Szenarien, in denen künftige Infotainmentsysteme im Fahrzeug direkt auf Hardware-/Software-Plattformen aufsetzen, die in erster Linie von Android dominiert werden, aber vielleicht auch MeeGo eine Chance bieten. Erste APIs, die Fahrzeugspezifika berücksichtigen, deuten das laut iSuppli an.
Dabei müsste die Hardware nicht fest als Kern der Infotainment-Umgebung eingebaut sein, sondern könnte durchaus auf einem eigentlich mobilen Smartphone beruhen, das den Rest der Anlage steuert. Das könnte einen Wunschtraum der Autobesitzer erfüllen, deren 1000-Euro-Einbau-Navi nach drei Jahren von 100-Euro-Mobil-Navis abgehängt ist. Ein Smartphone als Infotainment-Kern würde nicht nur durch die systemimmanenten Softwareupdates auf aktuellem Stand gehalten, sondern es ließe sich auch regelmäßig die Hardware durch ein neues Smartphone erneuern. Im Idealfall könnte der Autobesitzer sogar in der jeweiligen Plattformwelt das neue Smartphone frei wählen. (gr)