Möglichst sicher, möglichst flott

Beim Paketdienst UPS zählt jede Minute. Aus diesem Grund hat die Firma in den USA ein umfassendes Trainingsprogramm für ihre Fahrer aufgelegt [--] in einer Potemkin'schen Stadtattrappe.

vorlesen Druckansicht 5 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.

Beim Paketdienst UPS zählt jede Minute. Aus diesem Grund hat die Firma in den USA ein umfassendes Trainingsprogramm für ihre Fahrer aufgelegt – in einer Potemkin'schen Stadtattrappe.

Rund vier Milliarden Kilometer legen die braunen Lieferwagen des Logistikriesen UPS jedes Jahr zurück. Sie fahren über Landstraßen, durch enge Gassen in Kleinstädten und mitten hinein ins Herz von Metropolen wie New York oder Berlin. Bei all den vielen tausend Touren täglich kommt es auf jede Minute an. In den USA, wo UPS bei Paketsendungen Marktführer ist, wird deshalb jede Route mit einer Optimierungssoftware vorausberechnet. Zeitraubendes Linksabbiegen zum Beispiel reduziert sie auf ein Minimum.

Entscheidend für einen flotten, reibungslosen Ablauf aber ist vor allem der Fahrer. In einem von UPS gemeinsam mit Wissenschaftlern des Virginia Institute of Technology entwickelten Training wird ein angehender Fahrer deshalb sechs Wochen lang getriezt. Den Anfang macht ein Computerspiel, bei dem die Geschicklichkeit überprüft wird – in einem Simulator muss der Auszubildende anderen Fahrzeugen und Objekten ausweichen.

Später geht es mit einem realen Wagen nach "Clarksville" bei Washington City, eine knapp fußballfeldgroße Rundkursanlage mit kleinen Häusern aus witterungsbeständiger Pappe und Holz, mit Straßenschildern und Hausnummern und allerlei Hindernissen aus Plastik, wie man sie auch aus dem echten Straßenleben kennt, vom Kind über Tiere bis hin zu anderen Fahrzeugen. Die UPS-Schüler müssen innerhalb von 20 Minuten mindestens fünf erfolgreiche Zustellungen in dem Potemkin'schen Dorf absolvieren.

UPS hat seine Fahrer früher mit weit mehr Theorie nach traditioneller Schulmethode ausgebildet. Seit der Praxisanteil höher ist, sank erstaunlicherweise die Durchfallquote: 90 Prozent der Kandidaten schaffen die Prüfung.

Auch das korrekte Laufen bei gefährlichen Witterungen lässt UPS üben. Dazu wird der angehende Lieferant mit Gurten in einen kranartigen Simulator eingespannt und mit rutschigem Schuhwerk ausgestattet. Dann muss er mitsamt Paket über eine schlüpfrige Fläche laufen. Dazu steuert ein Computer einen beweglichen Linoleum-Boden. So kann der künftige Fahrer testen, wie er es am besten anstellt, nicht auf den Hosenboden zu fallen. Andere Trainingseinheiten beschäftigen sich mit dem korrekten Heben und Beladen, um auch dort Sekunden zu sparen. Dazu gehört die Anweisung, nie den Wagenschlüssel loszulassen– er hängt stets am Ringfinger.

In Deutschland ist das Training weniger rigoros, erklärt Georg Leusch von der UPS-Zentrale in Neuss – ein "Clarksville" habe man hier noch nicht. Dafür wird eine sichere und defensive Fahrweise sowie Spritsparen gelehrt. Da UPS hierzulande zu 90 Prozent Geschäftskunden bedient, sind zu einem großen Teil immer wieder dieselben Strecken gefragt. "Ein Navi brauchen unsere Fahrer nicht", sagt Leusch. Die Routen werden vorher festgelegt, und der UPS-Mann hat pro Tag eine bestimmte Anzahl Lieferungen zu absolvieren. Die Touren verschiedener Fahrer überschneiden sich stets an bestimmten Punkten, damit im Notfall übergeben werden kann.

Beim Konkurrenten DHL setzt man ebenfalls auf ausgewogene Fahrertrainings und eine durchdachte Planungssoftware. "So dezidiert vorgegeben wie bei UPS sind unsere Prozeduren aber nicht", sagt Anke Baumann, Sprecherin der Deutschen Post in Berlin – und meint damit etwa die Haltung des Autoschlüssels. Man setze eher auf die persönliche Erfahrung der Fahrer. "Die wissen oft am besten, wie sie ihre Tour zeitsparend absolvieren." (bsc)