Technik fĂĽr Terror

Passend zur Saison möchte ich mich heute einem besonders widerlichen Technik-Ärgernis widmen: dem motorisierten Laubsauger.

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Es ist dunkel und kalt, der Wind peitscht den Regen gegen die Scheibe, und der Mann in meinem Kopfhörer singt, erwachsen zu sein, bedeute Illusionen gegen Fakten einzutauschen – und er klagt darüber, dass das Geschäft sich nicht rückgängig machen lässt. Genau die richtige Situation, um über die großen Technik-Plagen der Menschheit zu sinnieren: Über Dinge wie oberschlaue Sprachcomputer, vergessliche Fahrkartenautomaten oder als Rasenmäher getarnte Miniatur-Trecker habe ich an dieser Stelle ja bereits berichtet. Passend zur Saison möchte ich mich daher heute einem besonders widerlichen Technik-Ärgernis widmen: dem motorisierten Laubbläser.

Jetzt schwärmen sie wieder aus: Nicht nur die städtischen Abfallwirtschaftsbetriebe starten ihre Herbstkampagne, auch Hunderte – was sage ich, Tausende – militanter Kleingartenbesitzer und Hausmeister greifen jetzt wieder zum umgeschnallten Zweitakter, um der unordentlichen Natur mal wieder ordentlich den Marsch zu blasen. Die Folgen sind bekannt: Nicht genug damit, dass kreative Nachtmenschen wie ich zur Unzeit durch lärmendes Gedröhne aus dem Schlaf gerissen, oder während der regulären Arbeitszeiten vom Denken abgehalten werden. Nein, auch die Keim- und Feinstaubbelastung der Luft soll in diesen Tagen signifikant ansteigen – mal ganz abgesehen davon, dass die Bodenbiologie in Form von Käfern, Spinnen und Asseln auch gehörig durcheinander gebracht wird.

Wann also stoppen wir diesen Unsinn, wenn nicht jetzt? Ich meine, schließlich ist Grün grade mitten in der Gesellschaft angekommen – werfen gut situierte Bürger Kastanien auf deutsche Polizisten, um Bäume vor der Motorsäge zu schützen. Wer sowas macht, dem kann doch der seelische Frieden von Asseln und Spinnen nicht egal sein, oder? Ok, ok, die sind vielleicht nicht sympathisch genug, also nehmen wir Eichhörnchen. Auch diese possierlichen Tierchen leiden ganz schrecklich unter dem Terror der Gebläse-Träger.

Natürlich muss darüber hinaus auch Aufklärung geleistet werden, gegen die verführerischen Aspekte der Technologie: Wir müssen uns einfach bewusst machen, dass diese Werkzeuge deshalb so gerne verwendet werden, weil sie die Allmachtsphantasie des Trägers kitzeln. Ein Knopfdruck – und WROUMMM. Dann ist Schluss mit dem unordentlichen, bunten Blättergewusel auf der Einfahrt. Da kann man der Natur mal wieder so richtig zeigen, wer hier der Herr im Hause ist, gell.

Aber fünf Kilo am Arm, 100 dB im Ohr und die Abgase eines Zweitakters in der Nase, das ist nach einer Stunde doch auch nicht mehr lustig, wenn das Ding noch so beeindruckend Wrummmm macht. So stumpf kann doch keiner sein. Warum, so frage ich mich also verzweifelt, gibt es die Dinger nicht längst in einer flüsterleisen Elektro-Ausführung? Der Blick ins Internet ist ernüchternd: Zwar gibt es auch Elektro-Bläser, aber die sind angeblich nicht wesentlich leiser als die Benziner. Und schlimmer noch: Abseits einer Steckdose laufen die Teile im Schnitt 10-15 Minuten. Das kam mir auf den ersten Blick ziemlich wenig vor – ist aber tatsächlich plausibel. Bei Akkugrößen von um die 1 – 2 Amperestunden und Leistungsaufnahmen von satten zwei Kilowatt kommt man nun mal nicht weit. Was nun? Wo Millionen und Abermillionen in die Entwicklung von Elektroautos gesteckt werden, müsste doch auch der eine oder andere Euro für den leisen Elektrobläser drin sein. Frau Merkel, übernehmen Sie! (wst)