Mercedes S-Klasse Facelift: Mit Modellpflege in die Verlängerung

Mercedes überarbeitet sein Topmodell sanft. Viel Feinschliff soll überdecken, dass bei den Motoren der große Schritt in der S-Klasse ausbleibt.

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Mercedes S-Klasse 2026

(Bild: Mercedes)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Martin Franz
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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Eigentlich, so hatten es die Strategen bei Mercedes sicher erhofft, gelingt der Übergang in die batterieelektrische Welt im Luxussegment mit zwei Modellen fließend. Hier die bewährte S-Klasse für jene Kunden, die mit der kompletten Elektrifizierung des Antriebs hadern, dort der EQS für jene, die im Antriebsbereich schon jetzt die Zukunft haben wollen. Die Strategie ging nicht auf, obwohl der EQS fantastisch fährt. Deswegen wird die S-Klasse langfristig nicht ersetzt, und kurzfristig überarbeitet.

Vor ein paar Wochen war der mediale Aufschrei laut: Mercedes bietet in der überarbeiteten S-Klasse kein teilautonomes Fahren auf Level 3 mehr an. Dafür gibt es mehrere Gründe, und einer davon ist wirtschaftlicher Natur. Denn nur wenige Kunden waren bereit, für die letztlich recht übersichtlichen Fähigkeiten dieses Assistenten ein paar Tausender zusätzlich anzulegen – selbst in dieser Klasse. Denn mit vielen Einschränkungen maximal 95 km/h fahren zu können, und dabei innerhalb von ein paar Sekunden bereit zu sein, die Steuerung wieder zu übernehmen, erschien dann einer relevanten Zahl von Kunden nicht ausreichend attraktiv. Mercedes gibt dieses Thema allerdings nicht auf, sondern versucht es mit einem „Level 2++“-System, bei dem der Fahrer stets in der Verantwortung bleibt, zunächst in die Breite zu tragen. Eine erste Ausfahrt mit einem CLA zeigte ein überzeugendes Bild. Level 3 und 4 kommen wieder, wenngleich Mercedes offenlässt, wann das der Fall sein könnte. In dieser Generation wird das ziemlich sicher nicht mehr angeboten.

S-Klasse Modellpflege Teil 1 (8 Bilder)

Optisch hat sich bei der Neuauflage kaum Grundlegendes getan. Jedenfalls auf den ersten Blick. (Bild:

Mercedes-Benz

)

Die modellgepflegte S-Klasse bietet mit MB.Drive Assist Pro das, was wir im CLA kürzlich schon ausprobieren konnten. Das Auto kann sich auch in der Stadt praktisch allein zum Ziel durchwuseln, der Mensch hinter dem Steuer muss aber jederzeit eingreifen können. Freigegeben ist das zunächst nur auf Straßen in China, eine Freigabe für den US-Markt ist absehbar. Europäische Kunden müssen noch warten, bis die gesetzlichen Vorgaben das erlauben.

Umgebaut hat Mercedes den Innenraum. Serienmäßig ist nun eine Flut an riesigen Displays. Mercedes verspricht eine noch einfacher zu bedienende Oberfläche. Inzwischen ist das Infotainmentsystem MBUX beim Betriebssystem MB.OS angekommen. Gleich drei populäre KI-Systeme, ChatGPT-4o, Microsoft Bing sowie Google Gemini, sind integriert. An einigen Stellen mag das hilfreich sein, an anderen Stellen wird sich manch ein deutscher Kunde eventuell fragen, wann zuletzt die Verantwortlichen auf die Struktur der Zielgruppe geschaut haben. Der MBUX Virtual Assistant, ein Avatar auf der Benutzeroberfläche mit dynamischen Farben und Animationen, soll für eine „verstärkte emotionale Bindung“ gut sein. Wer nun schmunzelt, sollte sich vor Augen führen, dass ein Großteil der S-Klassen in Asien verkauft werden. Und dort besteht durchaus die Chance, dass Kunden solcherlei goutieren. Hierzulande wird das ziemlich sicher abschaltbar sein.

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Zumindest ein wenig rudert Mercedes nach herber Kritik am Steuer selbst zurück. Es sind dort noch nicht alle Wischflächen verschwunden, aber doch einige. Der Nutzen im Alltag ist höher einzuschätzen als der auf bis zu 44 Grad beheizbarer Gurte, die ins Angebot aufgenommen wurden. Damit sind nun wirklich bald alle Kontaktflächen klimatisiert. Praktischer erscheint da der Ausbau des nachträglich installierbaren App-Angebots. Mehr als 40 sollen es sein, und das Angebot wachse weiter, verspricht Mercedes. Darunter befindet sich perspektivisch beispielsweise eine Felgenschutz-Warnung, die helfen soll, teure Kratzer zu vermeiden. Allerlei Helfer sollen beim Ein- und Ausparken unterstützen, was sicher gern in Anspruch genommen wird.

S-Klasse Modellpflege Teil 2 (5 Bilder)

In der ersten Reihe hat man weiterhin ein sehr breites „Brett“ vor sich. (Bild:

Mercedes-Benz

)

Das Motorenprogramm umfasst einen neuen Achtzylinder, vier Sechszylinder und zwei Plug-in-Hybride. Bis auf den schwächeren der beiden PHEV haben alle Allradantrieb. Einen Zwölfzylinder gibt es offenbar nur für die gepanzerter Ausführung. Das Standardsortiment sieht wie folgt aus:

Leistung in kW Drehmoment in Nm Verbrauch WLTP
Sechszylinder-Benziner
S 450 4matic 280 n.b. 8,2 bis 9
S 500 4matic 330 600 (640 im Overboost) 8,3 bis 9,1
Achtzylinder-Benziner
S 580 4matic 395 750 10,6 bis 11,3
Sechszylinder-Diesel
S 350d 4matic 230 n.b. 6,2 bis 6,9
S 450d 4matic 270 n.b. 6,3 bis 6,9
Plug-in-Hybride
S 450e 240 n.b. -
S 580e 4matic 430 750 -

Die Verbrauchswerte beziehen sich auf die Langversion.

Das am wenigsten teure Modell wird der S 350 d, für den Mercedes 121.356 Euro und zwanzig Cent aufruft. Ungewöhnlicherweise macht Mercedes schon im Beipackzettel für die Presse ein erstes Leasingangebot. Wer ungefähr das, was VW für das Basismodell des ID.Polo aufrufen will, also rund 25.000 Euro, als Sonderzahlung in die Kalkulation einbringt und in drei Jahren insgesamt nicht mehr als 45.000 km fährt, ist mit 1020 Euro dabei – sofern er den S 350 d ohne ein einziges Extra ordert. Die S-Klasse bleibt sich auch in dieser Hinsicht treu. Nie war sie ein Modell für die Massen, und Mercedes kann nur hoffen, dass die Kunden einen Verbrenner in diesem Segment noch ein paar Jahre akzeptieren. Denn auch in dieser Klasse werden Kunden zunehmend elektrisch fahren wollen.

(mfz)