Apples schöne neue Welt

Nach iPhone und iPad sollen nun auch die Computer der Marke mit dem Apfel eine zentral gesteuerte Software-Versorgung erhalten. Selbst groĂźe Mac-Fans bekommen da ein mulmiges GefĂĽhl.

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Manchmal kann man sich wirklich die Frage stellen, was da eigentlich in Steve Jobs gefahren ist. Der Apple-Boss war ein klassischer Hippie, stets auf der Suche nach neuen (auch in Drogenwelten zu findenden) Erleuchtungen, liebte Bob Dylan und hasste Anpassung. "Think Different" rief er dem Planeten zu und schuf Computer, mit denen kreative Menschen die Welt revolutionieren sollten - und es durchaus auch taten.

Apple ist mittlerweile erfolgreicher denn je. Die Maschinen, die das Unternehmen Jahr für Jahr herausbringt - vom Mac bis zum iPad -, machen, trotz des Markenhypes, vor allem viel Spaß, sind durchdacht und gut benutzbar. Und trotzdem verbirgt sich unter all dem Guten auch ein Kontrollwahn, der Beobachtern zunehmend aufstößt.

Wiederholter Stein des Anstoßes ist der App Store für iPhone, iPad und iPod touch, bei dem Apple jede Anwendung durchsehen und zulassen muss, bevor sie zum Endbenutzer kommt. Dank Kopierschutz lässt sich ein Programm auch im Nachhinein wieder löschen, auch wurde schon häufiger bereits zugelassene Software später wieder entfernt.

Apple hat sich zwar kürzlich etwas gebessert, indem auf Seiten der erlaubten Programmierschnittstellen Lockerungen vorgenommen wurden. Trotzdem bleiben weiterhin zahlreiche inhaltliche Beschränkungen. Das Hauptproblem bei alledem ist stets, dass Apple das letzte Wort hat. Freunden der freien Meinungsäußerung geht das zu weit. Warum sollten sie ein Unternehmen fragen müssen, was sie zu publizieren haben, was "Satire" ist und was "erlaubte Kritik"?

Wenn nun mit dem "Mac App Store" in drei Monaten das gleiche Modell auch auf die Rechner der Marke mit dem Apfel übertragen werden, ist das zunächst nicht wirklich dramatisch - Programmierer erhalten einen neuen, möglicherweise hervorragend funktionierenden Vertriebsweg. Parallel dazu kann jeder fortgeschrittene Mac-Benutzer weiterhin seine Lieblingssoftware installieren, wie er das jetzt auch darf - auch in Form von Hacks.

Die Frage ist allerdings, was Apple in den nächsten Jahren tut. Mac OS 10.7, "Lion", wird eine Fixierung auf den Mac App Store noch nicht besitzen und Software aus anderen Kanälen zulassen, das hat Steve Jobs öffentlich gesagt. Doch was ist mit Mac OS 10.8 und allem, was danach kommt? Wollen wir wirklich, dass eine einzelne Firma bestimmt, was auf unseren Rechnern, den Universalmaschinen, läuft? So sehr man Apples Geschmack loben kann - das überschreitet Grenzen. (bsc)