Infineon-Chef: Mehr Arbeitsplätze in Asien
Ende 2007 will der Halbleiterhersteller, auch durch neue Aufträge für die Handychip-Sparte, die Verlustzone hinter sich gelassen haben.
Ende 2007 soll es soweit sein: Dann will der Chiphersteller Infineon eine lange Durstrecke beendet und die roten Zahlen in der Bilanz getilgt haben, sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Die Lücke, die durch die Pleite von BenQ Mobile entstanden ist, will Infineon durch Geschäfte mit anderen Handy-Herstellern schließen: "Unsere neuen Kunden LG und Samsung werden sich in den nächsten Monaten mit höheren Umsätzen bemerkbar machen", meinte Ziebart. Mit mehreren weiteren Abnehmern sei man in sehr fortgeschrittenen Gesprächen. Namen dürfe er aber noch nicht nennen.
Infineon hatte vor einigen Tagen angekündigt, dass wegen des Wegfalls der BenQ-Aufträge 400 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, davon 200 in Deutschland. Die Belastung durch die BenQ-Mobile-Pleite liege bei 80 Millionen Euro, im kommenden Jahr würden 150 Millionen Euro Umsatz fehlen und die Handychip-Sparte werde die Gewinnzone später als geplant erst zum Ende des Kalenderjahres 2007 erreichen. "Wir werden bald nachhaltige operative Gewinne erreichen", betonte Ziebart nun in dem Interview.
Ziebart gab auf Anfrage keine Garantie für den Verbleib des Handychip-Bereichs im Infineon-Konzern. "Genauso wenig wie wir Arbeitsplatzgarantien geben, werden wir einen Bestandschutz für eine Sparte aussprechen können. Das kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten." Zugleich verteidigte er den Börsengang der ausgelagerten Speicherchip-Sparte Qimonda: "Die konsequente Umsetzung unserer strategischen Neuausrichtung, also das Logikgeschäft bei Infineon und das Speichergeschäft bei Qimonda zu fokussieren, war für uns wichtiger als an der Wall Street vielleicht noch den einen oder anderen Dollar mehr herauszuholen", kommentierte er die nicht gerade sehr erfolgreiche Erstnotierung von Qimonda an der New Yorker Börse.
Ziebart warnete vor zunehmendem Druck auf europäische Standorte. "Die Chipindustrie wandert nach Asien", betonte er. Derzeit würden in Asien 35 Chipfabriken gebaut, in den USA drei und Europa nur zwei. Weil die Produkte klein und leicht seien, spielten Transportkosten keine Rolle. "Entscheidend sind Rahmenbedingungen und Lohnkosten, denn die machen 25 Prozent der Gesamtkosten aus. Beides spricht derzeit für Asien." Bei Infineon werde sich die regionale Struktur verschieben, weil der Konzern stärker Personal in Asien aufbauen werde: "Wenn aber die Rahmenbedingungen stimmen, wird es auch möglich sein, in Deutschland den Bestand an Stellen zu halten." (jk)