Nach Schrumpfkur glänzt GM an der Börse

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Von
  • Gernot Goppelt

General Motors ist begehrt. Investoren aus aller Welt wollen bei der Rückkehr des Branchenurgesteins an die Börse dabei sein und sich ihren Anteil am Opel-Mutterkonzern sichern. Von arabischen und asiatischen Staatsfonds ist da die Rede und sogar vom chinesischen Autobauer SAIC, mit dem GM schon seit Jahren gemeinsam Autos im Reich der Mitte fertigt.

Bei 32 bis 33 Dollar je Aktie steht das Preisschild mittlerweile. Ursprünglich hatte GM höchstens 29 Dollar haben wollen. An diesem Mittwoch dürfte der endgültige Preis feststehen. Am Donnerstag soll dann der Handel an der New Yorker Börse beginnen. Damit endet mehr als ein Jahr unter staatlicher Kontrolle. In dieser Zeit des Umbruchs ist bei GM kein Stein auf dem anderen geblieben.

Dutzende Werke machten dicht, Tausende Stellen fielen weg, auch ein großer Teil der alten Führungsriege musste gehen. Sie hatte den einst weltgrößten Autohersteller über Jahre heruntergewirtschaftet. Viele Modelle fielen bei den Kunden durch, die Qualität ließ zu wünschen übrig, überdies stiegen die Kosten für die Pensionen und Gesundheitsversorgung der Mitarbeiter in schwindelerregende Höhen. Als dann in der Wirtschaftskrise auch noch die Stammklientel wegblieb, brach GM zusammen.

Im Sommer 2009 hätte wohl kaum ein Anleger auch nur einen Cent auf das Comeback von GM gewettet. Und nun sollen in einem ersten Schritt bis zu 13,9 Milliarden Dollar in die Taschen der Besitzer fließen – wenn alle regulären Aktien und die "eiserne Reserve" der beteiligten Banken rausgehauen werden. Anfang des Monats hatte die Summe noch auf 12,2 Milliarden Dollar gelautet. GM selbst fließen weitere 4 Milliarden Dollar zu über Vorzugsaktien.

Der satte Zuwachs kommt in erster Linie dem amerikanischen Steuerzahler zugute, der GM mit seiner großzügigen Hilfe den Neustart ermöglicht hatte. Aber auch der kanadische Staat, die Autogewerkschaft UAW und Altgläubiger kriegen ihren Teil ab. Sie alle hatten GM in der schweren Zeit unterstützt.

"Keine Frage, es gibt eine größere Zuversicht, dass es bei den Autoherstellern läuft", erklärte der ehemalige Autozar Steven Rattner die Euphorie. Er hatte im Auftrag der US-Regierung GM und den kleineren Rivalen Chrysler vor dem Untergang bewahrt. Chrysler wartet aber noch auf den Durchbruch und müht sich derzeit erstmal, Gewinn zu schreiben.

Alleine GM bekam vom Steuerzahler 49,5 Milliarden Dollar. Über die Aktienverkäufe soll das Geld nun nach und nach in die Staatskasse zurückfließen und der Anteil am Unternehmen von heute 61 Prozent auf Null zurückgefahren werden. Nach dem Börsengang am Donnerstag dürften die USA noch 35 Prozent an GM halten. Damit ist das Hauptziel des Managements erreicht: Sich aus der staatlichen Obhut zu lösen.

Doch was reizt die Anleger aus aller Welt an General Motors? Verglichen zu früheren Glanzzeiten ist der Autobauer nur noch ein Schatten seiner selbst. Doch durch die Insolvenz konnte sich GM von den Lasten der Vergangenheit befreien und erwirtschaftete in diesem Jahr bereits rund 4 Milliarden Dollar Gewinn unterm Strich. Damit steuert GM auf den ersten Jahresüberschuss seit 2004 zu.

Zuletzt waren es nur noch die deutsche Tochter Opel und deren britische Schwestermarke Vauxhall, die Probleme bereiteten. Und auch diese zwei sollen nach harter Sanierung 2012 wieder gutes Geld abwerfen. Dann wäre das Börsenglück perfekt. (dpa) (ggo)