Creative rutscht tiefer in die roten Zahlen
Der Sound- und Player-Spezialist Creative schreibt weiter Verluste und begegnet der Misere mit strategischen Weichenstellungen. Dabei spielt ausgerechnet Erzkonkurrent Apple eine wichtige Rolle.
Die Sound- und MP3-Player-Experten aus Singapur sehen weiter rot. Creative Technology rutscht nach einem schwachen Abschluss des vergangenen Geschäftsjahrs im ersten Quartal des neuen Rechnungszeitraums tiefer in die Verlustzone. Bei einem im Vergleich zum Vorjahresquartal um 14 Prozent reduzierten Umsatz von 241 Millionen US-Dollar (189 Millionen Euro) blieb unter dem Strich ein Verlust von 21 Millionen US-Dollar (minus 16 Millionen Euro). Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte Creative immerhin noch 691.000 US-Dollar (543.000 Euro) verdient. Mit einem Verlust von 25 Cent pro Aktie hat Creative die Befürchtungen der Analysten noch übertroffen.
Das alles soll besser werden. Bis Ende Dezember will Creative zurück in der Profitabilität sein. Ausgerechnet der Erzkonkurrent Apple, dessen MP3-Player sich deutlich besser verkaufen, soll beim Umschwung behilflich sein. Vorbei die Zeit der Patent-Attacken auf Apple, die dem Computerkonzern zumindest in den USA die Marktführerschaft streitig machen sollten – durch ein Vertriebsverbot für iPods. Die beiden Streithähne haben sich geeinigt. Apple zahlte eine üppige Lizenzgebühr von 100 Millionen US-Dollar für Zen-Patente, die Creative im laufenden Quartal als 82 Millionen US-Dollar Gewinn nach Steuern verbuchen will.
Doch auch ohne diesen warmen, aber einmaligen Geldsegen sieht das Unternehmen in dem Abkommen mit Apple viel Potenzial. Die Einigung erlaubt Creative, Zubehör für iPods zu produzieren. "Durch die Teilnahme an dem 'Made for iPod'-Programm können wir jetzt Produkte für die zig Millionen iPod-Nutzer herstellen und vermarkten", freut sich US-Chef Craig McHugh. Das bedeute ein erweitertes Marktpotenzial für Creative Lautsprecher, Kopfhörer oder anderes Audio-Zubehör. Das Modell soll Schule machen. Creative will das Zen-Patent weiter profitabel vermarkten und entsprechende Abkommen mit anderen Herstellern abschließen, erste Gespräche sollen bereits laufen. Bisher machen Unterhaltungsgeräte wie MP3-Player 70 Prozent des Creative-Umsatzes aus.
In einem weiteren strategischen Schwenk will sich der Hersteller zudem weitgehend aus der Herstellung verabschieden. Creative hat angekündigt, die in den vergangenen Jahren erworbene und ausgebaute Fertigungsanlage in Malaysia weitgehend an eine von dem Werksmanagement geführte Investorengruppe zu veräußern. Für 80 Prozent der Anteile an Cubic Electronics erwartet Creative Einnahmen von 40 Millionen US-Dollar, von denen fünf Millionen als Gewinn verbucht werden sollen. Das Geschäft soll in drei Monaten über die Bühne gegangen sein. (vbr)