ADAC zweifelt an Rekordfahrt mit dem "lekker Mobil"
Quasi aus dem Nichts stellte Ende Oktober ein zum Elektroauto umgebauter Audi A2 einen Rekord für Elektroautos auf – über 600 Kilometer ohne Nachladen. Der ADAC meldet Zweifel an
- Gernot Goppelt
Hannover, 29. November 2010 – Quasi aus dem Nichts stellte Ende Oktober ein umgebauter Audi A2 einen Rekord für Elektroautos auf – er legte die Strecke von München nach Berlin – über 600 Kilometer – ohne Nachladen zurück. Selbst Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) war zum Fototermin gekommen, nachdem das "lekker Mobil" morgens in Berlin eintraf. Er zeigte sich begeistert: "Ich gratuliere dem jungen Technologie-Unternehmen DBM Energy zu diesem großartigen Erfolg! Unsere Förderung dieser Pionierleistung hat sich voll ausgezahlt. Der erzielte Langstrecken-Weltrekord zeigt, dass Entfernungen von 600 Kilometern mit einem Elektrofahrzeug keine Utopie sind".
Nicht erklärbares Wunder
Ein wenig überrascht waren wir damals schon, denn der A2 schaffte den Rekord mit einer so genannten Kolibri-AlphaPolymer-Batterie des Herstellers DBM, deren Eignung für einen Serieneinsatz bisher nicht belegt ist. Der ADAC-Vizepräsident für Technik, Thomas Burkhardt, äußert sich recht deutlich: "Bis heute bleibt die Fahrt ein nicht erklärbares Wunder, da nachprüfbare Informationen zur Akkutechnik nicht vorliegen. Wir sollten uns schon fragen, ob eine solche, mit Steuermitteln geförderte Fahrt dem Standort Deutschland dient."
ADAC zweifelt an Rekordfahrt mit dem "lekker Mobil" (2 Bilder)

Die Kolibri-Batterietechnologie soll dem "lekker Mobil" eine Reichweite von ĂĽber 600 Kilometer ohne Nachladen bescheren.
Dass er sich heute zu Wort meldete, ist kein Zufall, denn am morgigen 30. November stellt die Nationale Plattform fĂĽr Elektromobilität ihren Zwischenbericht vor. Laut FAZ schlägt das von der Autoindustrie dominierte Gremium darin "Aktivitäten" mit einem GesamtÂprojektÂvolumen von circa 4 Milliarden Euro bis 2013 vor, von denen der Staat laut Bericht etwa die Hälfte ĂĽbernehmen soll. Den Unternehmen dĂĽrfte es dabei vor allem um eine Förderung der Batterieentwicklung gehen, um gegenĂĽber der internationalen Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten.