Bosch-Navigations-App für das iPhone

Bosch bietet wieder ein Navigations­system für den Consumer-Markt an. Weil es auf Apples iPhone läuft, kann der Zulieferer seine Kompe­tenzen in der Erst­ausrüs­tung preis­günstig zweit­verwerten

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Von
  • Gernot Goppelt
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Hildesheim, 10. Dezember 2010 – Navigationssysteme haben sich zu einem kurzlebigen Gut entwickelt. Noch vor rund zehn Jahren waren einige Hersteller von Erstausrüstungssystemen davon überzeugt, dass Mobilnavis nicht ernsthaft mit fest eingebauten Geräten konkurrieren können. Der Markt hat schnell geantwortet: Mobilnavis werden mittlerweile in weit höheren Stückzahlen abgesetzt – knapp über 100 Euro genügen für ein System, das seine Kernaufgabe völlig zufriedenstellend erfüllt.

Doch bald könnten Mobilnavis selbst zum alten Eisen gehören, weil zum Beispiel Nokia seine Navigationssoftware verschenkt oder Apples iPhone sich zu einer beliebten Plattform für "Apps" entwickelt hat, zu denen eben auch Navigationssoftware gehört. Wie ein Bericht in der Ausgabe 17/2010 der c´t zeigte, hat das iPhone 4 hinsichtlich seiner GPS-Fähigkeiten mittlerweile eine Qualität erreicht, mit der es sich zumindest hardwaremäßig nicht hinter guten Mobilnavis verstecken muss. So entsteht eine Art dritte Generation von Navigationssystemen, bei der eigentlich nur noch auf die Güte der Software ankommt, weil die Hardware austauschbar oder wie im Falle Apple quasi monopolisiert ist.

Bosch-Navigations-App für das iPhone (2 Bilder)

Mithilfe von iPhone und App Store klinkt sich Bosch wieder in den Massenmarkt für Navigationssysteme ein. (Bild: Bosch)

Eine neue App des Zulieferers Bosch spiegelt diese Entwicklung wider: Das Unternehmen gehörte zu den ersten Anbietern von Navigationssystemen, hatte sich eigentlich auf den Geschäftsbereich mit Erstausrüstungsgeräten zurückgezogen, entdeckt nun aber wieder den Massenmarkt. Seit Anfang Dezember bietet Bosch für 49,99 Euro eine Navigationssoftware in Apples App-Store an, in die "langjähriges Know-how in der Navigationstechnik" eingeflossen ist. Das ist prinzipiell nichts Neues, auch TomTom zum Beispiel bietet seit längerem eine Navigations-App an, Navigon ebenso.

Dass nun auch Bosch wieder mitmischt, zeigt, wie attraktiv das App-Geschäftsmodell ist. Die Wertschöpfung liegt zu einem großen Teil in der Entwicklungsarbeit, die Distributionskosten sind gering, Fertigungskosten gleich Null. Und weil die Entwicklung von Navigationssystemen in Boschs Geschäftsbereich Car Multimedia ohnehin gemacht wird, kann der Zulieferer mit relativ wenig Aufwand wieder in den Consumer-Markt einsteigen.