Microsoft dementiert möglichen Rückzug aus China
Der Software-Riese stellt Aussagen eines hochrangigen Managers richtig, der auf dem IGF in Athen über Microsofts Rückzug aus dem Reich der Mitte räsoniert hatte.
So eine Globalisierung kann heikel sein. Vor allem, wenn man Geschäfte in Ländern macht, die es mit einer freiheitlich demokratischen Grundordnung nicht so genau nehmen. Das mussten zuletzt große Internetunternehmen erfahren, die wegen ihres allzu willfährigen Verhaltens gegenüber chinesischen Behörden heftige Kritik zu hören bekamen. Die Suchmaschinengiganten Google und Yahoo sowie der Softwarekonzern Microsoft können ein Lied davon singen, schließen Konsequenzen wie einen Rückzug aus solchen Märkten aber aus.
Im Falle Microsofts, dass in manchen Kreisen ohnehin als Evil Empire eigener Bauart gilt, gab es in der vergangenen Woche allerdings Anzeichen für eine Wandlung. Da ist einmal die plötzlich entflammte Liebe zu Linux, und da war der Auftritt von Fred Tipson auf dem Internet Governance Forum (IGF) in Athen. Tipson ist bei Microsoft der Mann für Grundatzfragen und die internationale Entwicklung. Die BBC News hatten vom IGF berichtet, Tipson habe zwar Microsofts Engagement in China verteidigt, aber auch die Möglichkeit eines Rückzugs eingeräumt.
"Microsoft überdenkt Einstellung zu China", titelte die BBC vergangene Woche. "Die Dinge werden übel", zitieren die britischen Journalisten den Microsoft-Mann, "vielleicht müssen wir unsere Präsenz dort noch einmal überprüfen. Wir müssen entscheiden, ob die staatliche Verfolgung von Bloggern einen Punkt erreicht hat, der Geschäfte dort untragbar macht". Der aktuelle Trend sei eher beunruhigend.
Chinesische Dissidenten müssen sich aber keine Sorgen machen, sie dürfen Hotmail weiter nutzen. Denn das Dementi kam nur zwei Tage später. Microsoft erneuerte sein Bekenntnis zu China. Tipson habe seine Bemerkungen eher allgemein getroffen, China sei damit nicht konkret gemeint gewesen, hieß es. Das Unternehmen ließ mitteilen, "die Aufgabe der Internetdienste des Unternehmens in China" werde nicht erwogen. Im Gegenteil: Microsoft werde weiter Kommunikationsdienste in China anbieten. Die Dienste trügen nicht nur zu mehr Verständigung bei, heißt es in der Stellungnahme gegenüber der BBC, sondern helfen bei "wirtschaftlichem Wachstum und gesellschaftlicher Zusammenarbeit". (vbr)